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Wir lesen und hören im Moment viel von Jubiläen. Es kommt einem vor, als ob gerade in diesem Jahr besonders viele Jubiläen anfallen. Da begehen wir am 3. Oktober den 20. Jahrestag der deutschen Einheit, vor 20 Jahren bekamen wir hier im Osten auch die D-Mark. Schauen wir uns die Beiträge bei “Deutsche Mugge” an, dann lesen wir Ringo Starr wird 70, bei Peter Gabriel sind es erst schlappe 60, bei Bono von U2 erst 50, Karat besteht seit 35 Jahren usw. Über ein - wenn man so will - Jubiläum möchte auch ich hier etwas schreiben.
Das Stones-Konzert, das ich besuchte, fand dann am Montag den 13. August 1990 auf dem Gelände der Rennbahn in Weissensee statt. Am Rande der Gustav-Adolf-Straße, welche dort hinführt, standen Getränkeverkäufer und andere Händler, die z.B. Würste grillten. Sie erhofften sich, bei der Großveranstaltung ein gutes Geschäft zu machen. Als das Tor zur Rennbahn geöffnet wurde, lief man auf Getränkedosen. Erstaunt stand man dann vor der großen Bühne. Es sah aus, als stünde dort eine stillgelegte Fabrik. Über der Bühne hingen dicke Rohre, die Lautsprechertürme waren irgendwie in dieses Gebilde integriert, ebenso die Beleuchtungstechnik, und wie ganz selbstverständlich war auch die Werbung der Sponsoren der Tour zu erkennen. So wie ich gehört hatte, waren wohl pro Konzert 50.000 Karten verkauft worden. Zunächst spielte ca. 30 Minuten eine Vorband, die aber namentlich nicht bekanntgegeben wurde. Als diese fertig war, war es auch schon etwas dunkel. Plötzlich ein Knall, und vom Bühnenrand schoss eine Pyrofontäne nach oben. Da standen sie nun auf der Bühne, die "größte Rock’n Roll-Band der Welt" (oder welche Superlativen es für sie sonst noch gibt). “Start Me Up” hieß der erste Titel, gefolgt von “Mixed Emotions” und “Sad-Sad-Sad”. Mick Jagger begrüßte das Publikum, und dafür hat er immer artig einige Sätze auf deutsch gelernt. Weiter ging es mit dem Stones-Repertoire. Die sicherlich nicht ganz billigen Mäntel, die Mick, Keith und Ron zu Anfang trugen, wurden bald abgelegt. Mick Jagger legte auf der Bühne ein immenses Laufpensum zurück, was auf eine gute Kondition schließen ließ. Als ich die Stones 2006 im Olympiastadion in Berlin ein weiteres mal erlebte, war das Laufpensum übrigens das gleiche.
Ein kleiner Höhepunkt bei den Stoneskonzerten ist immer, wenn Mick seine Kollegen auf der Bühne vorstellt. Zu den Stones gehörten neben Mick Jagger damals Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts. Außerdem war der Bassist Bill Wyman noch mit dabei. Neben den eigentlichen fünf Rolling Stones-Mitgliedern agierten auf der Bühne noch weitere Musiker, so der Saxophonist Bobby Keys, der Pianist Chuck Leavell, die Backgrounndsänger Lisa Fischer und Bernard Fowler, eine weitere Sängerin, ein Bläsersatz und ein zweiter Keyboarder. Nachdem die Stones ihren letzten Titel gespielt hatten, gab es als Zugabe noch “Satisfaction”. Danach gab es noch ein tolles Feuerwerk zu sehen, und die Lichter gingen an. Anschließend gingen alle Besucher nach Hause. Das Ereignis machte sowohl vorher als auch nachher Schlagzeilen in den Medien. Das Fernsehen berichtete darüber und die Zeitung “Junge Welt” hatte extra eine Beilage gedruckt, in der alles Wissenswerte über die Stones stand, u.a. welche Platten die Band veröffentlicht hatte und mit welchem Instrumentarium die Musiker spielten. So erfuhr man, dass Charlie Watts auf einem Gretsch-Schlagzeug von 1957 spielte. Nach Abschluss der Tour brachten die Stones eine Live-LP mit dem Titel “Flashpoint” auf den Markt. Sie enthielt im Studio nachbearbeitete Titel, welche ansonsten auf der Tour mitgeschnitten wurden, sowie zwei Studiotitel. Das Booklet der LP enthält tolle Farbfotos, u.a. ist auch solche, auf denen die Bühne gut zu sehen ist. Wer das Album noch als Platte gekauft hat, kann die tollen Fotos auch in einer annehmbaren Größe betrachten. Dies war mein erstes Stones-Konzert, sollte aber nicht das letzte bleiben. Leider sind die Preise für Eintrittskarten von Rock- und Popveranstaltungen in den letzten 20 Jahren gewaltig gestiegen und man fragt sich, wie lange kann ein Normalsterblicher sich das noch leisten... Erinnerungen:
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