![]() Eine Band kam - Datzu (aus Melodie & Rythmus 3/1985, Autor: Wolfgang Martin, Fotos: Herbert Schulze)
Im Juli 1984 wurde in Berlin von Rainer Oleak, Keyboarder, Komponist und künstlerischer Leiter, die Gruppe DATZU gegründet, die am 5. Oktober in Schleiz ihren ersten Live-Auftritt hatte. Zur Band gehören weiterhin: Ines Paulke (voc), Peter Lorenz (sax, voc, perc), Günter Fischer (g, voc), Ulli Werfel (bg, voc) und Frank Schirmer (dr). Mit Rainer Oleak sprach Wolfgang Martin:
Wir haben einfach einen Begriff gesucht, der nicht von sich aus existiert – nach einer Wortverbindung, die phonetisch gut klingt, und durch uns getragen wird. Ich denke, in spätestens zwei Jahren hat sich zumindest das Wort DATZU so eingeprägt, dass niemand mehr nach der Herkunft fragt. Wie ging es also mit DATZU los? Zunächst einmal fuhren Rolf und ich quer durch die Republik, um die Musiker zu finden. Da diese Aktion nicht gerade ziellos war, fanden wir sie in Weimar, Magdeburg, Halle und Berlin. Ein Konzept hatten wir nicht in der Hosentasche, es entstand parallel während unserer dreimonatigen Probenzeit. Dazu hatten wir uns auf einen Bauernhof zurückgezogen, um in Ruhe zu arbeiten, zu diskutieren, uns überhaupt kennenzulernen. Immerhin entstanden dort schon 90% unserer Titel, denn wir hatten von Anfang an den Ehrgeiz, komplett Eigenes für das Konzertprogramm zu erstellen, auf internationale Erfolgstitel zu verzichten. Zur Probenarbeit gehörte auch herauszufinden, welche individuellen Fähigkeiten jeder von uns besitzt, welche davon für die Show einsetzbar sind, zum Beispiel was für Ines am besten ist, wie bestimmte Emotionen in Musik umgesetzt werden sollten usw. Was hat sich nun während dieser Probenzeit als Eurer spezielles Konzept herauskristallisiert? Vor allem wollten wir ein vielseitiges Produkt anbieten, das stilistisch breit ist. Es wäre uns langweilig, nur eine Richtung zu bedienen, so nach dem bekannten Schema Band mit Sängerin. In der DATZU–Präsentation agieren vorn zwei Leute, Ines und unser Saxophonist, die sozusagen zwei Pole verkörpern. Auf der einen Seite ernst, auf der anderen unterhaltsam, auch ein wenig ironisch. Diese Brechungen haben wir im gesamten Programm, wollen damit immer andere Dinge zeigen, als jene, die das Publikum gerade erwartet.
Mein musikalischer Geschmack wurde im Laufe der Jahre von Jazz, Blues, Rock u.a. beeinflusst. Ich habe Boogie Woogie und Schlager gespielt, stehe auf alles, was gute Musik ist, ohne ständig Vorbehalte parat zu haben, nur, weil ich im Moment vielleicht Rocker bin. Daraus hat sich eine Musik gebildet, in die sich viel integrieren lässt, was mir wirklich gefällt. Es kann z.B. sein, das ich beim Spielen am Synthesizer Klänge entdecke, die konventionelle Musikverbindungen entfremden. Wir spielen im Konzert z.B. den Titel "Heißer Sand", den wir im Februar auch im Funk produziert haben, der recht exotisch ist und das oben gesagte unterstreicht. Synthesizer-Klänge und Musikverläufe bilden für mich eine Einheit, denn wie bei einem Arrangement klingt es nur gut, wenn Sound und Melodie zusammen passen. Ein Wort zu den Texten und Textern... Ich habe bis zum Beginn unserer ersten Tournee 16 neue Titel komponiert, zu denen natürlich entsprechende Texte gebraucht wurden, die adäquat zur Musik auch hier unserem Anspruch gerecht werden sollten. Unsere Partner sind Ingeborg Branoner und Monika Erhardt, aber auch aus eigener Potenz (Peter Lorenz) konnten wir schöpfen. Wir haben darauf geachtet, dass sich Text und Musik ergänzen und nicht – wie leider allzu oft üblich – das eine das andere überflüssig macht. Ein konkretes Beispiel wäre der Titel "Das Duett", in dem die Trompete quasi zum Salz in der Suppe wird. Mittlerweile seid Ihr ja bereits ein halbes Jahr live aufgetreten. Welches sind für Dich die bisherigen Tournee–Erfahrungen? Als wichtigste die, dass sich die Arbeit bislang gelohnt hat, dass uns das Publikum mit unserem Konzept akzeptiert. Dazu gehören die Show, die optische Präsentation, die technische Realisierung, das Licht, unsere Garderobe, das von uns selbst entworfene Bühnenbild... Auch die Musik wird angenommen, trotz der vielleicht ungewöhnlichen oder einfach ungewohnten stilistischen Vielfalt und der Tatsache, dass wir vorher noch nicht in den Medien präsent waren und keinen Hit hatten. Das hat sich inzwischen geändert? Naja, ein Hit ist noch nicht da, aber mittlerweile hatten wir unsere Fernsehpremiere, stellten in "bong" und "rund" (damalige TV-Musiksendungen in der DDR, Anm. d. Red.) unseren ersten Funktitel "Haltet ihn", vor. Weiter ging's mit "Stop! Rock!" und, wie schon erwähnt, mit neuen Produktionen im Funk. Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |