Zum Klassiker "Rocker von der Küste" muss man wirklich nicht mehr viele Worte verlieren. Das Album mit den tollen Rocksongs von 1984 kann auch heute noch mithalten und stellt einen wahren Rock-Klassiker dar. Die Hits "No Bomb" und "Die Erde lebt" sind inzwischen Evergreens, die Texte haben auch 26 Jahre nach ihrem Erscheinen immer noch nichts an Aktualität verloren (auch wenn inzwischen fleißig abgerüstet wird, werden an anderer Stelle neue Atombomben gebaut). Damit könnte man die Rezension auch schon beenden und dem interessierten Leser den Kauf empfehlen. Aber HALT! Das ist ja hier keine Rezension aus der Rubrik "KLASSIKER", und mit nur zwei oder drei Sätzen seid Ihr von uns noch nie bei einer Plattenneuvorstellung entlassen worden. Es gibt noch mehr zu sagen... Schon das Cover erweckt Neugier und verwundert... Es ist nicht das altbekannte Cover mit den Herren Ränker & Co im 80er Jahre-Outfit am Meeresstrand auf Steinen stehend. Vielmehr lachen uns fünf nackte Hinterteile an, die am verlockenden Sandstrand der Ostsee stehen. Zweite Auffälligkeit ist der Zusatz "No. 2" hinter dem Albumtitel. Machen wir's kurz: Die nackten Hinterteile auf dem Frontcover gehören der '84er Besetzung von BERLUC mit Ränker, Kähler, Schilling, Kaminski und Schultheis, und der Zusatz "No. 2" bedeutet nichts anderes, als dass es sich hier um eine Art Fortsetzung handelt. Neue Töne aus dem Hause Berluc also! Pünktlich zum 35. Bandgeburtstag kredenzte die SONY in München der Kultband BERLUC von der Küste zwei neue CDs. Eine davon ist dieses Album hier, auf dem sich sechs Titel vom Album "Rocker von der Küste" (1984), der '82er Song "Asphalttraum" und die von 1990 stammenden Songs "Durchgebrannt" und "Lieder der Welt" in digital remasterter Fassung befinden. Als Bonus gibt es fünf brandneue Songs. Die bekannten Titel erstrahlen durch das eben erwähnte, nachträgliche Handanlegen in neuem Glanz. Der Sound ist als lupenrein und perfekt zu bezeichnen. Die Tiefen kommen druckvoll daher und an den Gitarrensoli hat man auch im lauteren Bereich Spaß. Da dreht man doch gerne mal am Volume-Regler des Verstärkers, um auch die letzten Feinheiten zu erhaschen. Keine lästigen Störgeräusche oder Rauschen, makelloses Hörvergnügen! Und was erwartet den Hörer bei den neuen Titeln, den ersten neuen Songs auf Platte (bzw. CD) seit gefühlten 20 Jahren...?
Fazit: Zwischen den Songs der LP "Rocker von der Küste" und den neuen Titeln liegen nicht nur 26 Jahre sondern auch musikalische Welten. Hat man 1984 noch mit elektronischen Spielereien die Rocksongs aufgepeppt, tritt bei den neuen Titeln das Keyboard mehr in den Hintergrund und liefert eigentlich nur noch einen Klangteppich für den gitarrenlastigen Rock der 2010er Berluc-Besetzung. Besonders bei "Achterbahn" legt sich die Band mächtig ins Zeug. Die Gitarrensoli von Bert Hoffmann und der druckvolle Bass von Tino Schultheis fliegen einem förmlich um die Ohren. Aber auch bei den leisen Tönen wissen die Herren zu überzeugen. Berluc ist musikalisch auch im neuen Jahrtausend angekommen und beweist mit den neuen Titeln, dass sie nicht nur ihre alten Songs live spielen können, sondern sehr wohl in der Lage sind, neue abzuliefern und damit auch im Haifischbecken Musikszene bestehen zu können. Es war eine gute Idee der SONY, der Gruppe Berluc mit dieser CD die Chance zu geben, sich im Heute zu zeigen. Die alten Titel der Band haben Kultstatus erreicht und gehören in jede gut sortierte Deutschrock-Sammlung. Sie klingen nach der Zeit, in der sie entstanden sind. Das ist nichts schlechtes, ganz im Gegenteil. Die neuen Stücke aber daneben gestellt zeigen den Unterschied sehr deutlich. Berluc kann's noch! Bitte mehr davon... (Christian Reder) |