Burgfestival Open Air 2010: Chris Thompson,
Leo Sayer und Fish live am 9. Juli 2010



Bericht: Matthias Ziegert
Fotos: Matthias Ziegert


Stellt Euch vor, es treten drei große Namen der internationalen Rock-Szene auf, und kaum einer geht hin. Ihr glaubt, das ist Fiktion? Unmöglich gar? Leider nicht, es wurde am vergangenen Freitag Realität. Dabei war alles für einen großartigen Rock-Abend mit Livemusik angerichtet. Als Kulisse diente die Burg Ziesar, in deren Innenhof das Event stattfand. Für das leibliche Wohl der Gäste zu weltlichen Preisen war gesorgt, und die Auswahl der auftretenden Künstler ließ nicht nur mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Chris Thompson, Leo Sayer und Fish hatten sich angekündigt. Bei idealen Voraussetzungen für eine Open Air-Mugge war der Zuspruch leider nicht so groß. Sorry, aber mir völlig unverständlich. Ich kann nicht sagen, woran es gelegen hat, allerdings habe ich von dieser Veranstaltung auch erst über das Internet erfahren. Das hatte aber keinerlei Einfluss auf die Qualität der Veranstaltung, über die ich jetzt ausführlich berichten werde.

Unter den Zuschauern im Innenhof der Burg waren einige weit gereiste Fans, die sich im Verlauf des Konzerts sehr textsicher zeigten. So textsicher, dass es sogar bei den Protagonisten auf der Bühne für Erstaunen sorgte.
Nachdem die Sonne endlich hinter der Burgkapelle verschwunden war, betrat der Veranstalter die Bühne und gab nach ein paar Worten der Begrüßung den Startschuss für den Konzertabend. Als Begleitband für alle Musiker spielte die Mads Eriksen Band. Die Kapelle um Bandchef Mads Eriksen ist übrigens auch die feste Begleitband von Chris Thompson, wenn dieser auf Tour geht. Und eben jener Chris Thompson eröffnete auch das Konzert. Der 63-jährige Chris Hamlet Thompson dürfte vielen noch durch seine Zeit bei der Manfred Mann's Earth Band sein, mit der er in den 1970er und 1980er Jahren einige Top-Ten-Hits hatte. Und diese Songs waren auch Bestandteil des ersten Blocks seines Auftritts. Neben Hits der Earth Band bekamen wir auch noch den Song "Hot Summer Night" zu hören, ein Hit, den er mit der Gruppe "Night" feiern konnte, bei denen er zwischen '79 und '82 aktiv war. Schon die ersten Titel dieses Abends lösten in mir große Begeisterung aus. Es war schon ein erhebendes Gefühl, diesen tollen Musiker einmal live erleben zu dürfen. Am Ende seines Auftritts belohnte ihn das Publikum mit reichlich Beifall. Das sollte aber nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir Chris auf der Bühne zu sehen bekamen.


Anmoderation des Veranstalters

Als nächstes folgte der zweite Herr jenseits der 60 an diesem Abend: Leo Sayer. Bekannt wurde der Brite durch seine Hits "You Make Me Feel Like Dancing" oder "More Than I Can Say", und exakt diese Songs waren unter den ersten drei Titeln seines ersten Auftritts am vergangenen Freitag. Unterbrochen waren seine Titel von zahlreichen witzigen Kommentaren, aber auch während seiner Performance bezog er das Publikum immer wieder mit ein. Ein echter Entertainer. Leider hatte er bei den Frauen am Freitag kein Glück, als er sich bei dem Titel "You Make Me Feel Like Dancing" eine der Damen als Tanzpartnerin auf die Bühne holen wollte. Leo blieb aber trotzdem gut gelaunt. Überhaupt muss man anmerken, dass keiner der Musiker das übersichtliche Auditorium zum Anlass für schlechte Laune oder mangelnde Spielfreude nahm.

Nach drei Titeln verließ Leo Sayer die Bühne erstmal wieder und machte Platz für einen weiteren Auftritt von Chris Thompson, der mit seiner Begleitband den Song "You Angel You" zelebrierte. Dieser Song ist einer meiner persönlichen Hits, und ich musste in dem Moment daran denken, wie ich vor vielen Jahren in einem Leipziger Hinterhof das Album "Angelstation", auf dem der Titel drauf ist, für harte D-Mark von einem polnischen Schwarzmarkthändler gekauft habe. Damals habe ich im Traum nicht daran gedacht, diesen Song jemals live hören zu können. Lange ist das her und doch noch so deutlich in Erinnerung. Jedenfalls war "You Angel You" am Freitag der Übergang zum Auftritt von Fish.

Der Kenner weiß natürlich, dass jetzt nicht Eric Fish von Subway To Sally gemeint ist, sondern Derek William Dick, den die Welt nur unter seinem Künstlernamen Fish kennt, und der in den 80ern prägender Kopf und Stimme der Band Marillion war. Fish war am Freitag der jüngste der drei Rock-Legenden auf der Bühne, brachte aber nicht minder bekannte und erfolgreiche Klassiker mit und zum Vortrag. Fish hatte sich gleich als erstes die beiden Megahits von Marillion, "Kayleigh" und "Lavender", auf die Setlist geschrieben und brachte diese dem begeisterten Publikum zu Gehör. Ausgerechnet bei "Kayleigh" kam es zum einzigen auffälligen Patzer der Band. Das war aber leicht zu verzeihen wenn man wußte, dass diese Besetzung erst am Vorabend zum ersten Mal zusammen gespielt hat. Da war die gleiche Truppe nämlich in Lorsch und hatte dort mit diesem Programm Premiere. Ansonsten überzeugten die Mannen um den Norweger Mad Eriksen durch ihren sauber gespielten Rock, der von Bandchef Mads E-Gitarre dominiert wurde. Durch die Band wurden einige der Stücke etwas härter und ein bisschen schneller als man sie von den Platten her kennt. Dies verlieh jedem einzelnen Titel aber nur noch mehr Druck, was auch das Publikum durch reichlich Applaus quittierte. Zurück zum Auftritt von Fish: Der Sänger bedankte sich bei allen Deutschen für das Fußballergebnis gegen England (die DFB-Elf schlug das Englische Team bei der WM bekanntlich mit 4:1). Für ihn als Schotte war dieses Ergebnis quasi wie ein Weihnachtsgeschenk. Unter großem Jubel streifte sich der Sänger dann schnell ein Deutschlandtrikot über. Dass sowas beim deutschen Publikum gut ankommt, muss an dieser Stelle sicher nicht extra erwähnt werden.


Chef der Begleitband:
Mads Eriksen (off. Pressefoto)

Nachdem auch Fish seinen ersten Auftritt beendet hatte, war der erste Teil des Konzerts beendet. Im zweiten Teil gab's weitere Klassiker, an denen die drei Sänger in der Vergangenheit aktiv beteiligt waren. Besonderes Highlight dabei war, dass die gerade nicht im Einsatz befindlichen Sänger den Background-Gesang für den jeweils gerade singenden Kollegen übernahmen. Das wird es wohl in dieser Besetzung nicht so schnell wieder geben. Es war atemberaubend!
Als das Ende des Programms durch das Verschwinden der Musiker hinter die Bühne signalisiert wurde, forderte das Publikum aber einen Nachschlag in Form von Zugaben. Und hier zeigte sich wieder die große Professionalität der drei Sänger: Sie kehrten zurück und gaben ganze vier Titel (!!!) als Zugaben. Einer davon war das Lied "You're The Voice", im Original gesungen von John Farnham, am Freitag von Chris Thompson vorgetragen. Die Krönung eines perfekten Abends! Nach über zwei Stunden guter Live-Musik mit drei Größen der internationalen Rock-Szene endete dann leider dieses musikalische Highlight endgültig. Ein perfektes Konzert mit großartiger Licht- und Soundtechnik, die keine Wünsche offen ließ.

Jetzt hatten die, die immer noch nicht genug hatten (wie ich z.B.) die Gelegenheit, mit den Musikern noch ein Schwätzchen zu halten. Die drei Sänger hatten sich kurz frisch gemacht und standen dann ihren Fans Rede und Antwort, ließen sich fotografieren und gaben bereitwillig Autogramme. Dieses abschließende Treffen zeigte nochmal allzu deutlich den Unterschied zwischen echten, bodenständigen Stars und denen, die zuerst von Deutschland "gesucht" werden um dann bei jeder Gelegenheit vor ihren Fans zu flüchten. Klasse und Professionalität kann man halt nicht lernen. Die hat man...

Noch ein paar Tipps für die Fans von Chris Thompson. Am 20. November 2010 spielt der Sänger in Potsdam Babelsberg. Das solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen! Im nächsten Jahr geht er auf "War Of The Worlds"-Musical Tour mit Jeff Wyne. Weitere Infos dazu (und auch über andere großartige Events) bekommt ihr auf der Homepage des Tour-Veranstalters www.sounds-promotion.de. An die Kollegen dieser Agentur geht auch ein großes Dankeschön dafür, dass am Freitag wieder mal alles so perfekt geklappt hat.




Setlist vom 9. Juli 2010:





Fotoimpressionen:


























































































Der Autor des Berichts mit Leo Sayer nach dem Konzert