Tollwood Kulturfestival im Olympiapark München: Konzert
von Hannes Wader und Konstantin Wecker am 22. Juli 2010



Bericht: Heide Puls
Fotos: Sigrid Ebel


War das ein Abend! So kann man das Konzert der beiden legendären Liedermacher bezeichnen. Auf der einen Seite das spröde Nordlicht aus Bielefeld an der Gitarre, auf der anderen Seite der vor Kraft und unbändiger Energie strotzende Münchner am Piano. An diesem Abend waren beide mit der Band auf der Bühne beim Tollwood Festival in der total ausverkauften und bestuhlten Arena.

Speziell Hannes Wader hat mich ein großes Stück meines Lebens begleitet und tut es im Grunde immer noch. Es war wohl 1970 oder '71 als ich ihn das erste Mal auf einer Bühne eines Kleinkunsttheaters namens „Dannys Pan“ in Düsseldorf erlebte. Damals gab es in jeder größeren Stadt so ein Theater, sie wurden unterstützt von einem französischen Musiker namens Danny Marino und sollten ein Forum für unbekannte junge Musiker und Künstler sein. Später hörte ich ihn immer wieder in Konzerten und als ich dann nach München zog, wurde ich auch mit Konstantin Wecker und seiner Musik konfrontiert. Daß sich die Wege der beiden unterschiedlichen Musiker einmal kreuzen würden, hätte ich mir absolut nicht vorstellen können. Wecker erzählte mal, daß er schon immer ein Fan von Hannes Wader, seiner Musik und seinem Gitarrenspiel war, umgekehrt war es wohl nicht so. Erst mit den Jahren freundete sich Wader mit der Musik Weckers und dem bayerischen Akzent an. Es war im Jahr 2000, als ich beide beim Bardentreffen in Nürnberg das erste Mal zusammen auf der Bühne sah. Hannes Wader hatte den Ruf weg eine Ikone linker Gesinnung und ein ewiger Mahner aus den 70er und 80er Jahren zu sein. Er hat aber auch viele künstlerische Gesichter, so ist er auch ein empfindsamer Poet, ein Protestler gegen Krieg und Nationalsozialismus. Ein Rebell aber auch ein hoffnungsloser Romantiker und Träumer. Konstantin Wecker begann auch in den 70ern seine musikalische Karriere und war unter anderem auch Gründungsmitglied der Rock–Soul-Gruppe „Zauberberg“. Er ist Musiker, Texter und Komponist auch vieler Filmmusiken.

Diese Tournee ist ihr drittes gemeinsames Projekt. Für Konstantin Wecker war dieses Konzert hier so etwas wie ein Heimspiel. Viele Musikerkollegen, Künstler und Kabarettisten, unter anderem Dieter Hildebrand, waren anwesend. Es ging pünktlich um 19:00 Uhr los, die Luft und die Hitze im Zelt war zum Schneiden, die Erwartungshaltung des Publikums groß als zuerst die Musiker und kurz darauf Wader und Wecker die Bühne betraten, und die mit dem Lied „Kein Ende in Sicht“ das Konzert begannen. Die Themen der Lieder beider Künstler kreisen um Liebe und Politik, wobei Wader eher der Mann mit den leiseren Tönen an der Gitarre, und Wecker mit seiner kräftigen Stimme eher der Kraftprotz am Piano ist. So verschieden die beiden Protagonisten sind, das Konzert war wie aus einem Guss. Wecker singt Wader und Wader singt Wecker, und oft singen beide gemeinsam. Das Publikum war in Hochstimmung, sangen und klatschten mit und es gab immer wieder Szenenapplaus. Die Musiker, der Däne Nils Tuxen an der Gitarre und Steelguitar, der Afghane Hakim Ludin am Schlagzeug und an den Percussions und der langjährige Freund und Musikerkollege von Wecker, Jo Barnikel, am Piano, an den Keyboards und an der Trompete, spielten sich in die Herzen des Auditoriums. Altbekanntes und Lieder von der neuen CD wechselten sich ab. Wecker sangt vom „Guttiland“ und zog den "gegelten Verteidigungsminister" und andere Mitglieder des deutschen Hochadels durch den Kakao, während Wader auf Weckers Wunsch das „Fiakerlied“ von Hans Moser auf wienerisch vortrug. Ja, die beiden hatten ihren Spaß, und das Publikum kam aus dem Staunen nicht mehr haraus. Emotional wurde es als beide ein Lied von Wecker auf spanisch als Hommage an die große argentinische Sängerin Mercedes Sosa, die im letzten Jahr verstarb, vortrugen. Das eigentlich Konzert war hiermit zu Ende, das Publikum dachte überhaupt nicht ans Gehen, zumal ein großes Gewitter mit Sturm und starkem Regen nach der kleinen Pause über dem Zelt tobte. Nach fünf oder sechs oder mehr Zugaben, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wollte das Publikum immer noch nicht gehen. Aber die Konzerte beim Tollwood dürfen wegen Auflagen vom Ordnungsamt (u.a. wegen Lärmbelästigung) nur bis 22:00 Uhr dauern. Das muß eingehalten werden!

Ein wunderbares, sehr emotionales Konzert ging zu Ende. Alle Musiker mit Konstantin Wecker und Hannes Wader beklatschten das wirklich wunderbare Publikum und meinten: "Bis zum nächsten Mal!"




Fotoimpressionen: