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Trixi G und KLARtext live in Sachsen am 18. und 19. Juni 2010 Bericht: Petra Heinzel Fotos: Petra Heinzel
Wie eine Ewigkeit kommt es mir inzwischen vor. Wegen einer Verletzung musste ich meine Aktivitäten auch in musikalischer Hinsicht ändern. Unterwegs sein ist gar nicht so einfach wenn man nicht mobil ist. Aber was soll man denn tun wenn man ein Livemusik-Junkie ist? Endlich war es nun wieder einmal so weit, ich ging auf Tour (wenn auch mit Hilfen). Eine musikalische Rundreise durch Sachsen war geplant. Trixi G war, und wird es auch immer wieder sein, der ausschlaggebende Punkt. Sehnsucht führte mich am vergangenen Wochenende auf der Berliner Autobahn der sächsischen Landeshauptstadt Dresden entgegen. Am frühen Nachmittag sah ich auf einer großen Leinwand, in der Nähe des Kulturpalastes, mitten im Zentrum Dresdens, wie elf Deutsche um etwas Rundes kämpften. Nach einer kurzen Stippvisite im Hotel, mit herrlichem Blick auf die Altstadt, ging es in Richtung Kunsthof Gohlis. Wenn es denn in diesem Moment nur die richtige Richtung gewesen wäre, es gibt eben viele Dorfstraßen. Aber wie heißt es so schön? Umwege erhöhen die Ortskenntnis! Somit fuhren wir vom Süd-Osten Dresdens nach Nord-West, in Richtung Cossebaude, und fanden schließlich noch rechtzeitig den etwas abgelegenen aber dennoch liebevoll und ansprechend gestalteten Kunsthof Gohlis. Seit zwei Jahren betreiben Sigrid und Uwe ihren Kunsthof, der Musik und Kunst miteinander vereint. Bereits auf dem Hof laden urige Sitzgelegenheiten, umgeben von viel Grün, zum Verweilen ein. Auch beim Betreten der Location kommt Wohlfühlatmosphäre auf. Gegen 21:00 Uhr war es dann endlich so weit. Beatrix Gerecke und Uwe Ducke eröffneten ihr Programm mit ordentlich Feuer beim Titel „Mein Haus“. Ich hätte am Liebsten aufspringen wollen, was mir momentan gesundheitlich leider noch nicht möglich ist. Sie verzauberten ihr Publikum mit ihren eigenen Stücken, selbst geschrieben und komponiert. In „Ich frag nicht mehr“ heißt es: „Ich frag nicht mehr, es ist wie es ist“. Wer noch fragen sollte „Wer ist eigentlich Trixi G?“, der hat in seinem musikalischen Wissen eine Lücke. Sie verkörpern, auch wenn sie Profis in ihrem Geschäft sind, Musik die berührt, mitreißt, aus dem Leben gegriffenen ist, eben ergreifend-betörend-explosiv! Mit kleinen Zwischenanekdoten halten sie ihr Publikum auf dem richtigen Level. Selbst eine gerissene Gitarrensaite kann für Spannung sorgen und trotzdem den darauf folgenden Titel mit zart hauchenden Tönen schweben lassen. An seinen Akustikgitarren zupft, klopft, schlägt, egal ob mit oder ohne Plektrum, Uwe gekonnt seine Stahlsaiten und erzielt damit ganz unterschiedliche Tonfrequenzen. Er brilliert mit 22 Saiten an drei Gitarren, d.h. zwei 6-saiter und eine 12-saitige als 10-saiter. Mit seinen Zweiundzwanzig schafft er es unglaublich viele Töne zu erzeugen, ersetzt ganz locker einen Bassisten bzw. eine komplette Band. An seiner Seite die kleine Frau mit der großen Stimme. Trixi ist diejenige, die jeden Ton an der richtigen Stelle platziert. Ihre Röhre bei „Schlohweißer Tag“, ein Silly-Coversong in ihrem fantastischen, fast unbeschreiblich eigenen Stil, bleibt einem unvergessen im Gehör. Ganz anders wiederum „Flieh mit mir“. Aufs Land möchte man da gerne entfliehen, so flehend überzeugen sie ihre Zuhörer. Nun könnte man meinen vielseitiger geht es nicht mehr. Dem muss ich widersprechen. Auch mit mystischen Klängen können die Beiden überzeugen. Ein Mann mit seiner 10-saiter, eine Frau mit großartigem Gesang und entsprechender Mimik entführen uns mit „Hexen“ in eine ganz andere Klangwelt.
Trixi überzeugt nicht nur mit ihrer umwerfenden Gesangsstimme, sondern auch an ihren Saxophonen. Äußerst gefühlvoll untermalt sie damit einige ihrer Titel und erzeugt Gänsehaut bei den Konzertbesuchern. „Sturm“, ein nigelnagelneuer Song der auch künftig in jedes Konzert gehört, „Fluss der Zeit“, bei dem ich sehr gerne das gesungene Wort „Himmelreich“ betonen möchte, und der Silly-Titel „So 'ne kleine Frau“ sorgten für diese gefühlserregende Entenhaut. Genial dazu der Satzgesang, der passt wie die vielzitierte Faust auf's Auge. Nicht nur Silly-Gundermann-Titel wie zum Beispiel „Fliegender Fisch“ fanden spontan einen Platz im Abendprogramm, wir hörten auch das berühmte gundermannsche „Gras“ wachsen und verfielen automatisch in Schwingungen. Neben „Gras“ verwandelten Trixi und Uwe auch „Alle gegen einen“ in eine eigene Version und fanden vollste Zustimmung im Kunsthof Gohlis, sie wurden mit reichlichem Applaus belohnt. Bei dem zuletzt angekündigten Titel „Nachts, wenn alles schläft“ war es dann um mich geschehen. Ich sah nur noch verschwommene Kerzenlichter. Mit der 10-saiter und dem Es Alt (kleines Saxophon), großartigem Einzel- und auch Satzgesang hatten Trixi und Uwe mich, wie eigentlich schon den ganzen Abend über, vollends begeistert. Nicht nur mich, auch von anderen Konzertbesuchern konnte ich ausschließlich positive Reaktionen wahrnehmen. Sogar die Veranstalter Sigrid und Uwe bejubelten Trixi G. Alle waren vom dargebotenen Live-Act fasziniert. Und somit war klar, dass Zugaben folgen würden. Auch wenn an diesem Abend bis dahin „nur“ sechzehn Titel gespielt wurden, war es ein langer Konzertabend, denn Trixi G spielt auch Songs die man als nicht radiotauglich bezeichnen könnte. Sie haben inzwischen kleine Werke geschaffen. Für's Radio zu lang, aber für Konzertbesucher lang genug. Als besonderes Bonbon präsentierten sie ihr neues Werk „Folge dir“, in dem es sehr leise aber auch stürmisch bzw. laut zuging, in sehr unterschiedlichen Facetten. Mit zwei weiteren Zugaben, in denen Trixi u.a. ihren Eishaker vibrieren ließ, wurden dann sogar noch Publikumswünsche erfüllt. Kurz nach „Mitternacht“ (auch ein gespielter Song) wurde es still im Kunsthof Gohlis. Ich hatte damit kein Problem da ich wusste morgen geht es weiter...
Am nächsten Tag verbrachte ich etwas Zeit am Elbufer. Über die Elbe hinweg schaute ich bei schönstem Sonnenschein zur Altstadt hinüber. Anschließend ging es wieder auf die Autobahn. Aber nur kurz, denn Chemnitz liegt nur ein Stündchen von Dresden entfernt. Über Chemnitz war ich nicht so gut informiert, hatte keine Ahnung welche schönen Plätze das ehemalige Karl-Marx-Stadt zu bieten hat. Daher traf ich bereits am späten Nachmittag am Veranstaltungsort, dem Arthur e.V., ein. Auf dem Kaßberg hatten bereits die ersten Vorbereitungen für die Open Air Mugge begonnen. Da dieser Sommer bislang kein Open Air Wetter garantieren konnte, stand noch die Option das Konzert in die nahe liegende Kirche zu verlegen. Bei strahlendem Sonnenschein war das dann aber nicht nötig. Die robuste große Bühne mit festem Dach wurde mit sämtlichen technischen Mitteln bestückt. Allmählich trudelten dann alle Musiker von KLARtext und Trixi G ein und vollzogen nacheinander ihren Soundcheck. Um 20:00 Uhr dann das Intro der Klartextler, das so eigentlich nicht gewollt war (Mikrofonprobleme), aber ich fand es richtig gut. Das Intro würde ich künftig als Einstieg nutzen. Nachdem die minimale Panne (für mich nicht) behoben war startete die Band ihr Konzert bei schönstem Sonnenschein. Zu diesem Zeitpunkt also noch mit wohliger Wärme, was sich dann später leider änderte als die Sonne verschwand. Der Arthur e.V. hat einen sehr schönen Open Air Platz auf grüner Wiese, auch wenn dieser an jenem Abend nicht zugepfropft war. Das hat wohl etwas mit den Elfermannschaften und ihrem runden Ding zu tun. Das Personal und der Veranstaltungsort hinterließen bei mir einen sehr guten Eindruck. Bei großer Hitze könnte man sich unter den großen Bäumen ein schönes schattiges Plätzchen suchen. Nach der „Biographie“ erklärte uns der Mann am Mikrofon: „Samson, der Frontmann und Sänger ist erkrankt. Er sitzt auf der Ersatzbank“. Der Mann am Mikrofon war kein anderer als Lakki, der sonst an Gitarre und auch Gesang sein Können zeigt. Mit dem Titelsong der aktuellen CD „Das Leben ist bunt“ führte uns Lakki weiterhin durch das Programm. An den Song konnte ich mich noch erinnern. Im Januar 2008 erlebte ich bereits einen gemeinsamen Konzertabend mit Klartext und Trixi G in Hoyerswerda. Für mich galt an diesem Wochenende, wie es im Text so schön heißt, „das Leben ist nicht grau, das Leben ist bunt... du wirst das Leben spüren bevor der Tag erwacht“. Nach „Märchenprinz“ stellte Lakki seine Band vor, als da waren Enni am Schlagzeug, Gelli an der Bassgitarre, Cäsar an der Gitarre und Ronny an den Tasten. Die Lausitzer Band präsentierte ihre eigenen deutschen Texte verbunden mit einer Video-Bilder-Show auf einer runden Leinwand im Bühnenhintergrund. Tom Gloess, ein Freund der Band, hatte die Idee Texte und Rockmusik in Bildern miteinander zu verbinden. So konnte man beispielsweise beim Titel „Schatten“ auch Schatten auf der Leinwand verfolgen. Von der Glaubensfrage „Grüß Gott“ über die schönste Nebensache der Welt, die Liebe bzw. „Die Lust“ kam man zum „Gipfelstürmer“. Der Song ist nicht rein zufällig das Lieblingslied des Gitarristen Cäsar. Er hat es, wie auch so manch andere Titel, geschrieben. „Nein warum“ lag Lakki besonders am Herzen. Er sang: „Sei schlecht zu mir damit ich dich vergessen kann... dann könnte ich das klarer seh'n“. In dem Moment dachte ich er hätte gerade eine Beziehung mit anschließender Trennung hinter sich gelassen. Wie ich aber im Nachhinein erfuhr singt Lakki den Song seit vielen Jahren. „Nie wieder Bier“ hieß es dann im letzten (15.) Lied, was man bei einer fünf Mann starken Musikerbesetzung gar nicht so recht glauben mag.
Lakki hat seinen Kollegen sicherlich recht gut vertreten, auch wenn er zur Sicherheit einen Notenständer mit den entsprechenden Texten zur Seite hatte. Dieser schränkte ihn natürlich in seiner Beweglichkeit etwas ein, so dass mir persönlich dann doch ein wenig der Druck, den ich sonst beim Rock empfinde, gefehlt hat. Wenige Minuten später, gegen 21:30 Uhr konnte ich meine Euphorie vom Vorabend wieder aufleben lassen. Das Oscherslebener Duo Trixi G kommunizierte sofort mit dem Publikum, hatte damit auf Anhieb den Sympathieträger auf ihrer Seite. In ihren ersten Teil des Abends starteten sie mit energiegeladenen Songs. Trixis Stimmgewalt harmoniert perfekt zu Uwes kraftvollem Gitarrenspiel. Trixi lebt ihre Songs auf der Bühne, an ihrer Gestik erkennbar, und Uwes Bewegungen beim Gitarrenspiel könnte man unter den Begriff Headbanging einordnen. „1001 Nacht“, vom Silberling „live in berlin“, entsandten sie in den Chemnitzer Abendhimmel. Der Tag hatte sich längst dem Abend ergeben und „Schlohweißer Tag“ hätte ihn eigentlich wieder aufleben lassen können. Ich wage es oftmals zu behaupten, dass Trixi das Tamara-Feeling in ihrer Stimme hat. Das Feeling zusammen gepaart mit den Eigenkreationen erreichen einen unheimlichen Tiefgang. Im zweiten Teil, zu vorangeschrittener Zeit, sollte es langsam etwas ruhiger werden. Auch in Chemnitz brachten sie ihre neuen Songs mit Herz, Hirn und Verstand dem Publikum nahe, das sich anschließend begeistert zeigte. Auch wenn es inzwischen sehr kalt geworden war, Uwe erwähnte kurz: „Von wegen globale Erwärmung“, gingen die Songs unter die Haut und erwärmten die Herzen. Mit ihren tollen Texten erreichten sie ihre Zuhörer. Trixi sang in „Nachtstille“: „Nun ist es Zeit, ich bin bereit, ich geb dich frei... Illusionen zieh'n wie Wolken vorbei“. Nach bzw. mit wunderbaren Saxophon- und Satzgesangseinlagen beendeten sie den Abend mit der letzten Zugabe sehr passend: „Nachts, wenn alles schläft“. Gegen 22:30 Uhr musste aufgrund der strengen Auflagen für Open Air Veranstaltungen der letzte Ton verklungen sein. Leider geht die Zeit immer viel zu schnell vorbei. Ich hätte mich vom Traumpaar noch stundenlang „berauschen“ bzw. „verwöhnen“ lassen können. Sie überzeugten mit ihrer authentischen anspruchsvollen Musik auf ganzer Linie. Auf ihrer Web-Seite steht: akustisch (stimmt!), Folk (stimmt!) Rock (stimmt!) minimalistisch (stimmt!) alternativ (stimmt!). Ich kann es gar nicht oft genug betonen: Jedes Trixi G Konzert ist ein Erlebnis der besonderen Art, individuell. Meine Trixi G Sucht wurde vorerst befriedigt, aber es wird garantiert nicht lange vorhalten... Balsam für die Seele kann man schließlich immer gebrauchen.
Fotoimpressionen:
Trixi G in Dresden ![]() ![]()
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Soundcheck in Chemnitz ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() KLARtext in Chemnitz ![]() ![]()
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