Tommy S. live am 27. März 2009 in Dresden


Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann





Abseits der Glitzerfassaden von Einkaufstempeln und Ladenstraßen, mitten in der Plattenbausiedlung Dresden-Prohlis, liegt der Pahlitzschhof. Irgendwie scheint dieser Gebäudekomplex hier nicht richtig her zu passen, stammt er doch aus einer anderen Zeit. Es handelt sich um die Reste eines alten Bauernhofes und wie durch ein Wunder hat ein Teil dieses alten Bauerngutes die Zeit überdauert. Heute ist der Pahlitzschhof der einzige erhaltene Bauernhof von Altprohlis, da alle anderen Gebäude in den siebziger Jahren dem Plattenbau weichen mußten. Was hat das Ganze nun eigentlich mit Kultur zu tun? Eine ganze Menge, denn einige Räume des Hofes beherbergen den Verein "IDEE 01239". Die Mütter und Väter von "Idee 01239" hatten sich bei Gründung auf die Fahnen geschrieben, das kulturelle und soziale Leben aktiv zu gestalten. Mittlerweile bietet "Idee 01239" den Prohlisern jeden Monat ein umfangreiches Paket an Veranstaltungen wie Konzerten, Projekten oder Workshops an. Einer, der sich sehr aktiv in dieses Projekt einbringt, ist der Liedermacher Tommy S.
Gestern stellte er in den Räumen des Vereins sein neues Programm "Lebenslinien-2009" erstmals der Öffentlichkeit vor. Ich freute mich besonders auf diesen Abend, denn Tommy ist einer meiner Jugendfreunde, den ich bis vergangenes Jahr im Dezember beim AufSturz-Gig an gleicher Stelle etwas aus den Augen verloren hatte. Wir hatten in den achtziger Jahren mit dem heutigen AufSturz-Sänger Vize und einigen anderen Freunden gemeinsam Musik gemacht. Natürlich begleitete mich gestern wieder unsere rasende Reporterin Lissi in die sächsische Landeshauptstadt. Auch unser Kumpel Uwe ließ sich den Auftritt von Tommy nicht entgehen. Kurz vor Konzertbeginn hatten sich geschätzte 40 bis 50 Zuhörer in den Räumen des Vereins eingefunden.
Die ersten Töne des Programms gab für viele überraschend nicht der Musiker Tommy S. von sich sondern Vereinsmitglied Konny. Der Prohliser rezitierte ein Gedicht. Ich grinste ein wenig in mich hinein, denn ich kannte Tommys Faible für die Verbindung von Wort- und Musikbeiträgen noch aus früheren Zeiten. Das gesamte Programm dauerte etwa zwei Stunden, die in 3 Blöcke aufgeteilt waren. Wir hörten in dieser Zeit neben Tommys eigenen Liedern auch einige Titel von Gerhard Gundermann und einige von der Magdeburger Band AufSturz. Zwischen Gundi, AufSturz und Tommy gibt es viele Gemeinsamkeiten, besonders was den Tiefgang der Gedanken und Texte betrifft. Das Programm stand ja unter dem Titel "Lebenslinien - 2009" und der Musiker ließ uns dabei tief in sein Leben während der letzten 20 Jahre blicken. Tommy war schon immer ein Suchender und ist es jetzt noch. Er war und ist ständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, seinem Platz in der Welt und er hat noch Träume sowie Lebensziele.Sein persönlicher Lebensweg ist sicher auch steinig und hier und da von Zweifeln behaftet, aber wie ein Kompass begleitete ihn schon immer seine Liebe zur Musik. Mit "Wo bleiben wir", "Steinland" von Gundi und "Mein Weg" von AufSturz setzte er die ersten Wegmarken auf seiner musikalischen Reise ins ich und die eigene Vergangenheit.
Jede Ansage und jedes Lied seines neuen Programmes haben nach meinem Gefühl gleichzeitig die Funktion von Orientierungspunkten an denen er sich entlang hangelt. Klug eingebettet in den Ablauf waren Konnys Rezitationen. Beim Lied "Meine Hände"(original von Holger Biege) mit dem wunderschönen Text von Werner Karma wechselten sich Tommy und Konny strophenweise ab mit Gesang und Rezitation. Tommys eigene Lieder wie "Kalte Welt", "Frei sein", "Der Weg","Angst" und "Regentag" hörte ich gestern erstmals. Ich hatte in den letzten Wochen die Texte zumindest schon mehrmals auf seiner Homepage (http://t-s-blackarts.npage.de) gelesen. Doch sie entfalten live vorgetragen noch viel mehr Aussagekraft. Dazwischen gab es immer wieder mal was von Gundi ("Brunhilde", "Linda") und AufSturz ("Halt mich", "Hände weg", "Irgendwann"). Die ausgewählten Lieder der Magdeburger Band spielte Tommy zum Teil etwas besinnlicher als die Originale. Heraus kamen dabei eigenständige Tommy S.-Versionen dieser Songs. Nicht zu Unrecht bezeichnete er AufSturz und speziell deren Sänger Vize in einer Ansage als Brüder im Geiste. Ja, zwischen den beiden Freunden gibt es wirklich einige Parallelen.
Das von Tamara Danz und Gundi bekannte Lied "Einmal" ging Tommy S., seit er es in den neunziger Jahren erstmals hörte, nie mehr aus dem Kopf und auch gestern fehlte es nicht in seiner Setlist. Sein eigenes Lied "Tagtraum" widmete er der Stadt Dresden, in der er nun schon seit 8 Jahren lebt.
Das Programm endete mit dem Titel "4und4zig", welchen er vor einem reichlichen Jahr schrieb. Damals war er gerade 44 Jahre geworden. Wenn man so will, war dieses Lied gestern auch wie eine Zusammenfassung des in den vergangenen zwei Stunden Gehörten. Dem Publikum hat es gefallen und Tommy S. kam natürlich nicht um Zugaben herum. Die Überraschung war für mich dabei das altbekannte Bergmannslied "Glück auf, der Steiger kommt", womit er den Bogen in die Gegend seiner Kindheit zog.
Nach dem offiziellen Teil gab es dann noch eine bis weit in die Morgenstunden andauernde Session, bei der wir wie in alten Zeiten Lieder von RENFT bis Hannes Wader sangen, und wir hatten einen Heidenspaß daran. Ganz ehrlich, ich habe mich in dieser Nacht mindestens 20 Jahre jünger gefühlt :-))





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