![]() BOTSCHAFTEN UND BOTSCHAFTER AUF DIE STRASSE Sommerfest der Björn-Schulz-STIFTUNG in der Berliner Wilhelm-Wolff-Straße am 28. August2011 mit Reiner Schöne, Tino Eisbrenner und vielen anderen Menschen
Bericht: Andreas Hähle Fotos: Patricia Heidrich Wir können dem Leben nicht mehr Tage, aber den Tagen mehr Leben geben. (Cicely Saunders) Björn Schulz erkrankte 1978 an Leukämie und verstarb im November 1982 im Alter von fast acht Jahren. Der Leidensweg war immens, der von Björn und der seiner Eltern Jürgen und Barbara Schulz. Um anderen Eltern und Kindern mit einem ähnlichen Schicksal zur Seite stehen zu können, gründeten Björns Eltern den Verein KINDERHILFE e.V., der sich zunächst darum kümmerte, Geld zu sammeln, um in Berliner Kliniken extra Personal für die persönliche Betreuung der krebskranken Kinder einzustellen. Vor allem nach der Wende erwies sich jedoch, dass dieser Verein allein nicht alle mit diesen Belastungen verbundenen Aufgaben bewältigen konnte. So entstand die Björn-Schulz-STIFTUNG (www.bjoern-schulz-stiftung.de) und mit dieser eine neue Struktur für die Hilfe an schwerst und unheilbar kranken Kindern und deren Eltern. Seit 15 Jahren gibt es nun diese Hilfe von Seiten der Björn-Schulz-STIFTUNG, ein immerwährendes hartes Stück an Weg liegt hinter und immer weiter vor dieser, nicht nur wegen des Aufgabenbereiches, den sich diese Stiftung abgesteckt hat. Ein Grund zum Feiern angesichts dieses leidvollen Themas? Durchaus. Denn die Erleichterung, welche Kinder durch diese teilweise permanente Betreuung erfahren und auch das Gefühl deren Eltern, nicht alleine gelassen zu werden und sich nicht alleingelassen zu empfinden, ist eben auch - bei allem Leid - eine freudvolle Erfahrung. Die schwerste Aufgabe allerdings ist mit Sicherheit die Organisation der stetig dafür benötigten Gelder für das Hospiz Sonnenhof in der Wilhelm-Wolff-Straße und die weit darüber hinausreichenden Betreuungsarbeiten.
Den musikalischen Auftakt gab der Liedermacher Reiner Schöne, den meisten Kindern auch sehr gut bekannt als "Opa Rudi" aus dem Film "Die Teufelskicker". Am Piano wurde er von keinem Geringerem begleitet als von Ulli Gumpert. Und so sang er uns seine Geschichten. Vom Faulsein (was Musiker meist nicht sind, wenn sie auch wie alle anderen fleißigen Menschen gerne davon träumen). Von viel zu wachen Kindern in den Zeiten grausamster Müdigkeit bei den Eltern. Die in diesem Titel enthaltene Drohung (das "Wegkarren" aus dem Haus) ist nicht ernst gemeint - aber für Erwachsene witzig -, die darin enthaltenen Zärtlichkeitsbekundungen, denn es handelt sich ja um ein Schlaflied, auf jeden Fall und liebevoll noch dazu. Was ja auch gar nicht anders gehen konnte, denn Reiner Schönes Tochter war auch anwesend. Irgendwo im Publikum, nicht auf der Bühne. Auf der Bühne stellten sich kurzzeitig andere Menschen ein. Wie Hank zum Beispiel, der die Noten Gumperts vor dem windigen Davonfliegen durch bloßes Festhalten schützte. Oder ein vorlauter Junge, der behauptete, er könne besser Blues spielen als Gumpert, dann auf der Bühne jedoch bekannte, dass er gar nicht Piano spielen könne und dafür eine Zeitlang dem Ulli über die Schulter schauen durfte, um mal mit dem Lernen des Spielens zu beginnen. Bei einem zünftigen Blues natürlich. Mit Pianosolo. Im Interview mit Britta Elm berichtete Reiner Schöne über seine Begegnungen mit den Kindern im Hospiz Sonnenhof, welches er gelegentlich besucht. Besonders beeindruckt war er vom Abschiedszimmer, in welchem Eltern einige Tage physisch und psychisch von ihren verstorbenen Kindern Abschied nehmen können. Nach seinem kleinen Konzert verkaufte er eigene Bücher und spendete den Gesamterlös der Björn-Schulz-Stiftung. Auch Jürgen von der Lippe ist kein einmaliger Besucher des Hospizīs, wie er im Interview erzählte. Und so verkaufte er gerne an diesem Tag Wurst und Steaks und Bier. Da er zu allen dreien eine gewisse Affinität entwickelt hat, war er da durchaus richtig aufgehoben ;-) Nach einem kurzen Soundcheck begannen Tino Eisbrenner und Heiner Frauendorf ihr Programm. Tino Eisbrenner haute gleich auf die Pauke, Heiner Frauendorf in die Tasten des Akkordeons. Eisbrenner hat ja ohnehin ein Faible für verschiedene Percussions- und Schlaginstrumente, um, wie er sagte, die kleinen Besetzungen, mit denen er manchmal spielt, percussiv zu begleiten, aber auch um seiner Faszination für die lateinamerikanische Kultur auf diese Weise Ausdruck zu verleihen. Und "dieses Lied will sich möglichst rasch verbreiten". Ein Text, welcher bei aller guten deutschen Sprache stilistisch ein wenig der lateinamerikanischen Poetik freundlichst nachempfunden ist. Ruhig und doch einprägsam. "Heut ruht der See" heißt das Programm der beiden, aus welchem sie einen Auszug in Form einiger Lieder präsentierten. Nicht nur eigenes Liedgut verwendend, auch "eingesammeltes", wie Tino Eisbrenner meinte. Transponiert in die deutsche Sprache, damit wir die wunderschönen bildreichen Geschichten auch verstehen und in uns aufzunehmen vermögen.
So endete auch der erste musiksalische Teil dieses außergewöhnlichen Straßenfestes einer außergewöhnlichen Stiftung. Das Fest selber ging noch bis in den frühen Abend hinein. Mit weiteren musikalischen Darbietungen von einer BigBand aus Mariendorf, Clownerien, vielen Spendenübergaben und sehr viel Mut und Lebensfreude.
Fotoimpressionen:
![]() Die Tiertherapeuten vom Sonnenhof ![]() Kuchenbasar ![]() rbb: Britta Elm und Jürgen Schulz ![]() www.bjoern-schulz-stiftung.de ![]() Reiner Schöne und Ulli Gumpert vor'm GIG ![]() ...und beim GIG ![]() Reiner Schöne ![]() ![]() Danke! ![]() Jürgen von der Lippe ![]() Britta Elm mit Jürgen von der Lippe
![]() Full House ![]() Tino Eisbrenner ![]() Straßenfest der Björn Schulz Stiftung 2011 ![]() Tessa Mittelstädt am Tatort, Wilhelm-Wolff-Straße in Berlin-Niederschönhausen ![]() Schauspieler Sönke Möhring (li.) beim Grillen und Grillenlassen ![]() www.bjoern-schulz-stiftung.de ![]() Britta Elm und Jürgen Schulz ![]() Honig für den Vier-Winde-Hof ![]() Verrückte Menschen auf verrückter Party ;-) |