SILLY's Auftakt zur "Alles Rot"-Tournee
im "Haus Auensee" zu Leipzig am 7. Mai 2010



Bericht: Christian Reder
Fotos: Matthias Ziegert





Alles rot und noch lange nicht tot!
"Deutsche Mugge" hat am vergangenen Freitag eine Zweigstelle in Leipzig eröffnet. Insgesamt vier Leute waren in der Messestadt und wir hätten noch mehr Kollegen entsenden können, so voll wie das Programm für diesen einen Freitag war. Wir konzentrierten uns aber auf zwei Kultbands, die sich die Geburtsstadt von Richard Wagner für ihren Tour-Auftakt ausgesucht haben. Während sich die Knechtel Family in der Arena die Scorpions aus Hannover angeschaut haben, ging's für uns ins Haus Auensee, wo die Band SILLY in den Startlöchern stand.

Es ist kein Geheimnis, dass ich diese Band liebe, seit ich sie für mich entdeckt habe. Ich habe mit ihrer Musik gefeiert, sie rauf und runter gehört, mit der Band gelitten (ich sage nur 22.7.1996) und mit ihr gefiebert. Ich habe mich über ihr Comeback vor fünf Jahren gefreut und sehnsüchtig auf ihr achtes Studioalbum "Alles rot" gewartet. Als ich es dann endlich hören konnte, fielen Weihnachten und Ostern auf einen Tag. Mann, ist diese Scheibe eine Wucht, und das sahen offensichtlich noch viele andere Leute so, denn "Alles rot" hielt sich immerhin vier Wochen in den Top 10 der Album-Charts. Was für ein schöner Erfolg!

Die Band veröffentlichte Ende letzten Jahres ihren Tourplan für 2010. Der sah ein paar wenige Konzerte im Mai vor, mit der Option, auf weitere Konzerte im Herbst, wenn die Tour erfolgreich sein sollte. Die Geschichte dazu kennt wohl jeder Fan der Band genau: Viele Konzerte der Mai-Tournee waren ruckzuck ausverkauft, inkl. dieses Auftritts in Leipzig am 7. Mai.
Als Location hat sich SILLY das Haus Auensee ausgewählt. Dabei handelt es sich um eine Art alten Ballsaal. Die Straßen in der näheren Umgebung waren zugeparkt mit Autos aus allen Winkeln des Landes. Einen Parkplatz zu finden war wirklich schwer... Für 19:00 Uhr war der Einlass angekündigt. Vor dem Gebäude hatte sich bereits weit vor dieser Zeit eine riesengroße Menschentraube versammelt, die geduldig auf das Öffnen der Pforten wartete. Das Publikum war altersmäßig größtenteils jenseits der Teenager-Jahre, aber auch junge Fans zog die Berliner Band an. Die Leute waren bestens gelaunt, man sah ihnen die Vorfreude auf diesen Abend wirklich an. Um Punkt 19:00 Uhr öffneten sich die Türen und die Leute strömten in das Haus Auensee. Bis kurz vor Beginn des Programms um 20:00 Uhr kamen immer noch weitere Menschen dazu. Vor der Tür waren noch ein paar Optimisten, die im freien Verkauf keine Karte mehr ergattern konnten, aber auf Leute hofften, die ihre Karten vor Ort wieder verkaufen wollten. Leider waren unter den Kartenverkäufern auch wieder die üblichen Geschäftemacher vertreten.

Pünktlich um 20:00 Uhr startete die Vorband in einen spannenden musikalischen Abend. Als Support hat sich SILLY den Musiker Tim Bendzko auf die Bühne geholt. Der junge Musiker und seine Begleitung versuchten, das Silly-Publikum mit ihrer Musik zu erreichen. Ob es den beiden Künstlern gelungen ist, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Applaus bekamen sie am Ende ihres Vortrags jedenfalls. Nachdem Bendzko die Bühne verlassen hatte, folgte eine viertelstündige Umbaupause.

Dann war es endlich soweit. Um 20:45 Uhr ertönte hinter dem geschlossenen Vorhang das Intro für und von SILLY. Am Ende des Intros fiel der weiße Vorhang und die Post ging richtig ab! Ich möchte an dieser Stelle den Programminhalt kurz fassen: Die Band spielte zuerst ca. 40 Minuten lang acht Titel aus ihrer aktuellen CD "Alles rot". Erst danach wurden die Klassiker aus den 80ern und 90ern ausgepackt. Auf die einzelnen Titel möchte ich gar nicht großartig eingehen, die könnt Ihr der Setlist, die zwischen diesem Konzertbericht und den Konzertfotos eingebaut worden ist, entnehmen.
Während SILLY den größten Teil des Konzerts mit dem vollen Besteck operierte, sprich in voller Besetzung mit Gastmusikern und vollem Instrumentarium auf der Bühne stand, spielten Anna Loos, Uwe Hassbecker, Ritchie Barton und Jäcki Reznicek auch einen kleinen Teil des Programms in reduzierter Vierer-Besetzung. Dabei spielten der feste Kern von SILLY ein paar ihrer Klassiker als Akustikversionen. Dem Publikum gefiel was es hörte, und bedachte die vier Musiker mit reichlich Applaus.

Zum Sound am Freitag kann ich nur den Daumen nach oben heben. Der Klang war trotz der schwierigen Location einwandfrei. Matthias erzählte mir, dass er an gleicher Stelle schon Konzerte erlebt hat, bei denen der Sound miserabel war und wie ein aufgedrehter Kassettenrekorder in der Bahnhofshalle klang. Die Location ist bei Tontechnikern als schwierig bekannt und eine echte Herausforderung. Die Silly-Crew, Abteilung Technik, hat diese Herausforderung jedenfalls gemeistert. Die Lichtshow war ebenfalls toll, jedoch für die anwesenden Pressefotografen, inkl. meinem Kollegen Matthias, bei den ersten Songs, bei denen nur fotografiert werden durfte, eine harte Probe. Erwähnenswert ist noch, dass fast alle Songs auf einer Leinwand im Bühnenhintergrund optisch durch Film- und Videosequenzen unterstützt wurden. Das Gesamtpaket, das SILLY seinen Konzertbesuchern am Freitag geschnürt hat, war exzellent und ließ keine Wünsche offen.

Während des Konzertes bedankte sich Anna bei Texter Werner Karma, der an diesem Abend aber leider nicht anwesend sein konnte. Wer es noch nicht wusste: Karma ist seit der neuen CD wieder als Texter für SILLY tätig.
Gegen Ende des Konzertes versuchte Anna dann, aus dem Auditorium einen Chor zu machen und ließ die anwesenden Zuschauer den Titel "Alles rot" mitsingen. Dabei war sie über die unerwartete Textsicherheit des Publikums sichtlich erstaunt, denn der Song ist brandneu und eigentlich war geplant, dass das Publikum nur den Refrain mitsingen sollte. Tja... bei den bisherigen Verkaufszahlen von "Alles rot" andererseits auch nicht verwunderlich, dass die Texte schon beim ersten Konzert sitzen.
Nach diesem Titel verließ die Band die Bühne. Unnötig zu erwähnen, dass SILLY zu einer Zugabe zurück auf die Bühne geklatscht und gejubelt wurde. Als Zugaben brachten die SILLYs ihren Klassiker "Battailon d'Amour" und den Titelsong ihres neuen Albums. Die Band verließ am Ende der beiden Zugaben und nach Inempfangnahme des tosenden Applauses und einer Verbeugung vor ihrem Publikum erneut die Bühne. Das reichte den Leuten vor der Rampe aber immer noch nicht, und die Band gab noch eine weitere Zugabe, nämlich "Sonnenblumen". Es erwies sich bereits beim Tourauftakt als taktisch kluge Entscheidung, ihn als wirklich allerletzten Titel zu präsentieren, denn er nimmt durch seine inhaltliche Bedeutung und seiner melancholischen Art das Publikum letztmalig an die Hand und entläßt es nach einem denkwürdigen Konzert auf einen friedlichen Nachhauseweg. Nach "Sonnenblumen" verabschiedete sich die Band nochmals und diesmal endgültig. Anna gab dabei dem Publikum die hoffnungsvolle Botschaft mit auf den Weg, dass es im Herbst ein Wiedersehen bei der Verlängerung ihrer Tour, die inzwischen schon beschlossene Sache ist, geben wird.

Als Fazit kann man einfach nur immer wieder feststellen, dass es wirklich die richtige Wahl gewesen ist, Anna Loos als neue Sängerin in die bestehende Band einzubauen. Sie ist ein Profi, obwohl sie viele Leute bisher "nur" als Schauspielerin und weniger als Sängerin kannten. Ebenso großartig wie die blonde Sängerin sind die Gastmusiker, die die feste Besetzung auf Tour und vorher auch schon im Studio verstärkten. Da stehen Musiker auf der Bühne, die schon einige Jahrzehnte zusammen spielen, ergänzt durch den eigenen Nachwuchs und eine junge Frau, die als Quereinsteigerin in den Beruf der Sängerin kam. Diese Mischung harmonisiert dermaßen gut zusammen, als würden sie alle schon so lange zusammen spielen, wie es die Band gibt. Beeindruckend! Wer die Chance hat, die Band live zu sehen, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Mein nächster Termin ist in November, wenn SILLY 20 Minuten von hier in Bochum Station macht.

Bitte beachtet auch:
- off. Homepage: www.sillyhome.de
- Portrait der Band: HIER




Die Setlist vom 7.5.2010:





Fotoimpressionen: