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Shawue mit Uli Jon Roth live im Kesselhaus Lager zu Singwitz am 30. Juli 2011
Bericht: Gundolf Zimmermann Fotos: Gundolf Zimmermann
Wie weit es bis ans Ende des Universums ist, weiß ich nicht genau. Aber soviel ist sicher, das Kesselhaus Singwitz liegt viel näher und den Weg dahin kenne ich auch genau. Nach 10 Minuten Fahrt sind wir schon dort und parken an derselben Stelle wie immer. Singwitz ist halt ein Heimspiel für uns. So ein Konzertabend muss nicht schweineteuer sein und neben dem abwechslungsreichen Konzertangebot besticht das Kesselhaus eben auch durch humane Preise, engagierte und freundliche Mitarbeiter sowie eine vielfältige Auswahl an Getränken. Kurz gesagt das Kesselhaus ist ein Ort zum Wohlfühlen. Hier haben sie alle schon gespielt von ACOUSTICA bis ZÖLLNER, von THE BREW bis TEN YEARS AFTER. Viele Künstler kommen mehr oder weniger regelmäßig immer wieder zu Konzerten hier vorbei und ich glaube, die meisten Musiker tun das sogar gerne. In Singwitz geht es irgendwie familiär zu, und es gibt einen nicht unerheblichen Teil Stammpublikum. An diesem 30 Juli des Jahr 2011 machte die Band SHAWUE nach 2 Jahren mal wieder ihre Aufwartung im Kesselhaus und das sogar mit einem Weltstar. Der Name Ulrich Roth wird vielen musikinteressierten Menschen sicher wenig bis gar nichts sagen, aber unter seinem Künstlernamen Uli Jon Roth kennt man ihn weltweit. Er war von 1973 bis 1978 Leadgitarrist der SCORPIONS. Insgesamt fünf Langrillen entstanden in dieser Zeit. Höhepunkt und Abschluss seines Wirkens bei Klaus Meine, Rudolf Schenker und Co. war das Doppel-Livealbum "Tokyo Tapes", welches heute als Klassiker der Rockgeschichte zählt. Nach seinem Ausstieg widmete sich Uli anderen Projekten wie der Band ELECTRIC SUN (6 Jahre, 3 Alben) und seiner anschließenden Solokarriere. In den achtziger Jahren entwickelte er auch die Skygitarre, die es ihm ermöglichte einen erheblich größeren Umfang an Tönen zu spielen. Solche Geräte gibt es mit 6 oder auch 7 Saiten, den technischen Kram zu diesen Gitarren erspare ich uns. Jedenfalls spielt der Uli mit einer seiner Skygitarren seit dem Jahr 2007 gerne mal bei SHAWUE mit. Das sagt meiner Meinung nach eine Menge darüber aus, was er von der Band und ihrer Musik hält. An diesem Abend in Singwitz hatte ich zum dritten Mal das Vergnügen Herrn Roth mit SHAWUE zu erleben.
Das ist eigentlich gar nicht so selbstverständlich, denn die Texte der Lieder sind oft harter Arbeitsstoff für's Gehirn und eigentlich gar nicht immer auf Partystimmung ausgerichtet. Sie behandeln Themen bzw. Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind und die wohl auch einen selbst betreffen können. Die Lieder erzählen von Menschen sowie ihren Problemen mit sich selbst, mit den Leuten im Umfeld und mit der großen Welt drumherum. Liebe, Träume, Wünsche, Beziehungsstress, Schicksale, Krieg - und viele andere Themen werden darin verarbeitet. Die ganze Palette an Gefühlen von Freude, Optimismus, Lebensmut, über Wut, Ratlosigkeit, Mitleid bis hin zu Trauer spiegeln sich in den Texten wider. Nicht umsonst nennt die Band ihren Stil auch "Message Folk". Obwohl der Begriff Folk hierbei alles oder nichts bedeuten kann. Was SHAWUE macht, geht schon in die Folkrichtung, aber da ist noch jede Menge harter Rock, Punk, etwas Grunge, Blues und Country dabei. Weiß der Geier, wie man das feine Musik-Sammelsurium von SHAWUE besser kurz und treffender bezeichnen könnte. Also belassen wir es bei "Message Folk". Die Musik von SHAWUE ist live höchst explosiv und auch im Kesselhaus genügten die Funken Leidenschaft und Spielfreude, um das Folkrock-Feuerwerk zu starten. Es dauerte nur Sekundenbruchteile bis sich auf der Bühne eine ungeahnte Energie entlud. Die aus Charlott am Bass und Manuel am Schlagzeug bestehende Rhythmusgruppe sorgte für ein temperamentvolles, lebendiges Fundament an dem sich die anderen Bandmitglieder sorglos entlanghangeln konnten. Andreas Mann und Uli Jon Roth gaben mit ihren Gitarren dem (Rock-)Soundgerüst Kraft und Fülle. Doch die entscheidende Folkwürze erhielt das Ganze durch Heike und Lutz Neumann in Form von Geigen- und Mandolinenklängen. Die der Musik von SHAWUE innewohnende Energie übertrug sich besonders auf Lutz und Charlott. Tochter und Vater rockten wie die Hölle um die Wette. Mir als Betrachter fiel dazu Folgendes ein: "Medizin nach Noten" war vorgestern, "Aerobic" gestern - heute gibt es "SHAWUE live". Aber gerade dieses quicklebendige, wilde Rocken als Ausdruck ungezügelter Spiel- und Lebensfreude sehe ich unheimlich gerne, und es steht der Band außerdem ausgezeichnet zu Gesicht.
Wenn wir gerade schon bei Ausnahmegitarristen sind, möchte ich an dieser Stelle dem Menschen und Musiker Lutz Neumann ausdrücklich meinen Respekt zollen, weil er immer wieder an den leider viel zu früh verstorbenen Gitarristen und Komponisten Christian "James" Müller und seiner Bedeutung für SHAWUE erinnert. James schrieb einige Lieder für die Band, und er prägte mit seiner Art Gitarre zu spielen jahrelang den Sound von SHAWUE entscheidend mit. Gerade in der Gegend um Bautzen war Christian Müller kein Unbekannter. Er war als Puppenspieler sehr bekannt und spielte außerdem in der legendären Honky Tonky Band. Honky Tonky war in meiner Jugendzeit so ziemlich die schärfste Rockband weit und breit. Mich wunderte, dass in Kesselhaus nur wenige Leute applaudierten, als Lutz an James erinnerte. Wahrscheinlich waren viele Besucher schlicht zu jung um Christian Müller noch zu kennen, oder sie kamen aus Gegenden, wo die Honky Tonky Band nicht diesen Kultstatus wie hier hatte. Dass die Dankbarkeit gegenüber James beim SHAWUE-Frontmann Lutz Neumann vom Herzen kam und kommt, weiß ich hundertprozentig. Das sagen mir mein Gespür, die Bandgeschichte von SHAWUE und einige CDs. Selbst auf dem Cover seiner Jubiläums-CD "Leinen los" aus dem Jahr 2010 bedankt sich Lutz neben vielen anderen Leuten auch bei Christian "James" Müller. Mit "Dann Schrei" und "Ich komm heim" sowie 2 anschließenden Zugaben endete das Konzert. Für Lissi und mich war es wieder ein toller Abend mit SHAWUE. Vielen der Besucher wird es wohl ähnlich gegangen sein, denn die Band erhielt extrem viel Zustimmung in Form von Beifall. Als wir uns ins Auto schwangen war es bereits 01.00 Uhr. Eine Bemerkung oder eher ein Wink mit dem Zaunpfahl zum Schluss: SHAWUE sollte euch doch auch mal einen Abend wert sein?! ;-)
Fotoimpressionen:
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