Mitch Ryder, der Mann mit der Wahnsinnsstimme aus der amerikanischen Autostadt Detroit, ist zur Zeit wieder mit Engerling und Gisbert "Pitti" Piatkowski durch Deutschland unterwegs. Der Amerikaner und die ostdeutschen Blueser arbeiten nun schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Einige Mitch Ryder-CD's sind unter Mithilfe von Engerling eingespielt worden. Wenn Mitch über den großen Teich nach Europa kommt, um hier zu touren, dann heißt seine Begleitband Engerling. Ich denke, beide Seiten profitieren da voneinander, im Osten öffnete der Name Engerling so manche Türen, im Westen wohl eher der Name Mitch Ryder. Pünktlich zur Tour 2009 erschien auch das neue Livealbum „Air Harmonie“.
Gestern gastierte Mitch Ryder im Kesselhaus Singwitz und seine Begleitband hieß natürlich Engerling. Verstärkt wurde das Ganze noch durch Gisbert "Pitti" Piatkoski an der Gitarre.
Als Lissi und ich am Kesselhaus ankamen, stand schon eine große Menschentraube am Eingang und wartete, dass sich die Tür endlich öffnete. Doch wir mußten uns alle noch etwas in Geduld üben. Derweil füllte sich der Parkplatz immer mehr mit Pkw aus der näheren und weiteren Umgebung. Infolgedessen wuchs natürlich auch unsere Wartegemeinschaft. Dann ging es endlich los, und wir konnten endlich mal wieder die geheiligten Hallen des Kesselhauses betreten. Die Luft im Kesselhaus ist immer sehr trocken, besonders wenn ich mit Lissi hier bin, und so genehmigte ich mir erstmal ein Schwarzes. Etwas später stieß Axel noch zu uns und bis zum Konzertbeginn unterhielten wir uns über RENFT, MONOKEL & Co. Das Kesselhaus war inzwischen sehr gut gefüllt. Erwartungsgemäß waren die meisten Besucher ab 45 Lebensjahre aufwärts.
Kurz nach 21.15 Uhr ging es auf der Bühne endlich zur Sache. Engerling und Pitti spielten "Long Hard Road" und ein paar Takte später betrat Mitch Ryder die Bühne und wurde mit Beifall und Jubel empfangen. Ich staunte über das ansonsten doch recht schwer in Gang kommende Singwitzer Publikum. Gestern war schon von der ersten Minute an eine unbändige Freude und Begeisterung im Saal zu spüren. Ryder war ganz in Schwarz gekleidet und natürlich trug er Hut und Sonnenbrille. Zuerst begrüßte er das Publikum und mit ein paar netten Worten stellte er auch gleich seine Begleitmusiker vor.
Ich kann es nicht anders sagen, aber Mitch Ryder hat wirklich eine charismatische Ausstrahlung. Mit seiner Körperhaltung, seinen Handbewegungen und seiner Stimme beherrschte er das Kesselhaus die nächsten reichlich zwei Stunden. Die musikalische Mischung aus Blues, Rock und Soul und eine geschickte Songauswahl taten ein Übriges.
Ryders Stimme ist auch faszinierend. Er klingt mal ungeschliffen, rauh und dreckig und im nächsten Moment zärtlich, leise und zurückhaltend. Die Musik ist sehr gitarrenlastig. Heiner Witte und Gisbert Piatkowski sind da natürlich die besten Kandidaten, um das umzusetzen. Beide beherrschen ihre Instrumente bekanntlich ja hervorragend, und sie spielen ihre abwechselnden Soloparts schlicht und ergreifend brilliant.
Bei "It Ain't Easy" greift Wolfram "Boddi" Bodag zur Mundharmonika und das höre nicht nur ich gerne. In den Augen vieler inzwischen grau gewordener Blues-Fans um mich herum sehe ich es leuchten, und wie gebannt schauen sie in diesem Moment auf Boddi. Doch Zeit zum Verweilen blieb nicht, denn mit "21st Century" folgt eine schnelle Nummer vom letzten Studioalbum "You Deserve My Art". Die Setlist enthielt wohldurchdacht sowohl neue als auch alte Titel aus der langen Karriere von Mitch. Zu den Höhepunkten zählten für mich persönlich "Red scar eyes" und die ausgewählten Coverversionen. "Take me to the river" von Al Green kommt viel rockiger als das Original daher, aber Mitch Ryder singt das Lied "schwärzer" als es Al Green oder sonstwer je könnte. Da stellten sich sicher nicht nur bei mir die Nackenhaare auf.
Doch es sollte noch besser kommen. "Gimme Shelter" von den Rolling Stones wird von den 6 Männern auf der Bühne richtig gehend zerrockt. Da blieb im Publikum kein Auge trocken.
An dieser Stelle endete der reguläre Konzertteil. Doch das Singwitzer Publikum stand natürlich vor Begeisterung Kopf. Natürlich kehrten die Herren Musiker für ein paar Zugaben zurück. Manne Pokrandt legte dabei unter anderem ein Solo auf seinem Bass hin, das sich wirklich gewaschen hatte. In den Zugaben erweckten die Musiker mit "Heart of Stone" eine weitere Perle der Rolling Stones zu neuem Leben.
Nach reichlich zwei Stunden Konzert hatten sich die Musiker Applaus und Feierabend redlich verdient. Natürlich kamen aber auch noch die Autogrammjäger zu ihrem Recht. DANKE dem tollen Team des Kesselhauses Singwitz und den Musikern für diesen wunderbaren Abend.
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