Die Hamburger Rock'n'Roll-Allstarband "RUDOLF ROCK & DIE SCHOCKER" gehört inzwischen seit 1976 zu einer DER spezifischen und gefragtesten Live-Institutionen der Hansestadt. Gegründet von dem vorherigen Bassisten der Skiffle-Combo "Leinemann", ULI SALM, ließ sich im Zuge der über 35-jährigen Karriere der "Schocker" im Bandkontext alles hören und sehen, was vor allem im norddeutschen Raum Rang und Namen aufweist. Ob die heutigen Musicalstars Neil Landon und Peter Kirchberger, "Lake"-Gitarrist Alex Conti, "Paso Doble"-Begründerin und zeitweilige Produzentin des Ex-Teenieschwarms "Blümchen" alias Jasmin Wagner, Rale Oberpichler, Schlagzeuglegende Dicky Tarrach, Mickie Stickdorn am selben Instrument, Blues-Tausendsassa Günther "Breakdown" Brackmann ("B. Sharp", Peter Kraus, "Boogie House") oder Tastenspezialist Barry Sarluis (u.a. "Leinmann", Hans Scheibner, Achim Reichel): Allesamt Koryphäen des einheimischen Rock'n'Roll, Blues, Soul und Rock - und immer wieder mit "Rudolf Rock & den Schockern" auf der Bühne.
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Nach einer Chuck-Berry-ähnlichen Parodie auf die volkstümliche Schmonzette "Herzilein" (im Original von den "Wildecker Herzbuben"), 1991 ein Top-10-Erfolg in den deutschen Singlehitparaden, und ein paar Maxi-CDs, trat das Projekt erst mal für ein paar Jahre kürzer, um nach dem Millennium wieder voll durchzustarten. Die aktuelle Besetzung besteht aus Bandleader und Bassist Uli Salm, seiner reizenden Gattin Susi Salm geb. Frese, TV-Kultidol Hugo Egon Balder, Schlagzeuger Mickie Stickdorn und Gitarrist Bernd Kühl. In dieser Formation spielten die Vollblutmusiker zwischen 2008 und 2011 Balders aktuelle Solo-Scheibe "Ist das schön!" ein, die im April vor einem Jahr in der sagenumwobenen Rockkneipe "ZWICK" auf St. Pauli, die seit einiger Zeit von Hugo und Uli geführt wird, vor vollem Hause ausführlich vorgestellt wurde.
"Ist das schön!" ist die klingende ‚Politische Unkorrektheit' schlechthin; bitterböse und stets treffliche Kritik am flachen Zeitgeist des Heute und Hier kommt ebenso zum Einsatz, wie intelligent ausformulierte Juxtexte, Wortspiele und Coverversionen schummrig-halbseidener Titel von Georg Danzer ("Sexappeal", "Sonst nix (Der legendäre Wixer-Blues vom 7. Oktober 1976)"). Zu den lyrischen, wie musikalischen Höhepunkten des genialischen Silberlings auf Blues-, Rock-, und Chanson-Basis zählen "Das Haus in Altona" ("The House of the Rising Sun"), bei dem sich Susi stimmlich so herrlich schrill austobt, die fetzige Vergackeierung der zunehmenden Anhäufung von Anglizismen in unserer Sprache, "Hottest Girl in Town", und selbstverständlich der überzeichnet schwülstige Doo-Wop-Blues-Verschnitt "Arschloch", der zugleich als erste Single fungierte, wobei sich hier, aufgrund der drastischen, aber äußerst gelungenen Wortwahl, die Radioeinsätze mit einiger Sicherheit in Grenzen hielten.
Am vergangenen Donnerstag, dem 19. Januar 2012, luden die "Rudolf Rock Allstars" zu einer mehrstündigen Rock'n'Roll-Show ins "Zwick" ein. Diesmal waren von der Post-Millenniums-Formation Susi, Uli und Hugo mit von der Partie, die von Gitarrist/Sänger Max Kretzenbacher ("Hirschdance", Ex-"Maks & the Minors") und Schlagzeuger Johannes Bonnin begleitet wurden. An jenem stürmischen, verregneten, schneidend kalten Winterabend wurde im "Zwick" gerockt und gerollt, was das Zeug hielt. Den energetischen Gesang teilten sich Susi, die gewitzt, gewohnt wild, sexy und aufmunternd durch den Abend führte, Gitarrero Max und Pianist Hugo, wobei gnädigste Frau Salm die meisten der Lieder mit ihrer heißen Soulröhre intonierte. Ihr Göttergatte Uli, der ruhende Pol von Band und Familie, bediente den Bass und übernahm ab und an den Hintergrundgesang, im Verlauf des Abends kamen noch zwei altbekannte ‚Stargäste' hinzu.

Hugo Egon Balder, Susi Salm und Uli Salm (Pressefoto)
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Die "Rudolf Rock Allstars" starteten mit Wanda Jacksons 1960er-Fetzer "Let's have a Party", dargeboten von Susi, garniert mit einem knackigen Pianosolo von Hugo. Es folgten, von dem einstigen Begründer der Krautrock-Band "Birth Control" Hugo gesungen, "I saw her standing there" ("The Beatles", 1964) und Del Shannon's melancholischer Rock'n'Roller "Runaway" (1961), wobei nun erstmals an jenem Donnerstagabend Gitarrero Max (der sich in der Ära seiner hochgelobten, aber 2011 aufgelösten eigenen Band "The Minors" noch "Maks" nannte) seine Gesangskünste unter Beweis stellen konnte. Als staubtrockenen Bluesrocker bot Susi als Hauptvokalistin nun den "Beatles"-Reißer "Get Back" (1969 ein weltweiter Hit aus "Let it be", dem Schwanengesang der "Fab Four"), auf, woraufhin ‚Maks' bei "Sweet Home Chicago" (1936, u.a. bekanntgemacht von den "Blues Brothers", "Status Quo", Mike Bloomfield oder Eric Clapton) konstruktiv in klassischen Bluesgefilden wilderte und seine Interpretation der inoffiziellen ‚Nationalhymne' Chicagos durch ein feistes Solo auf seiner "Stratocaster"-Gitarre verfeinerte. Susi, derzeit Dank eines Bänderrisses selbst in einen medizinischen Gummistiefel von der AOK gezwungen, machte aus Nancy Sinatras offensivem Popsong "These Boots are made for walking" (1965/66 von US-Countrysänger Lee Hazlewood für die älteste Tochter von ‚Frankieboy' verfasst und von derselben zum globalen Erfolg ausgestaltet) einen schnellen Beinahe-Punkrocker, ‚Maks' weigerte sich plietsch, von böswilligen Menschen auf seine "Blue Suede Shoes" (geschrieben von Carl Perkins 1955, ein Jahr darauf von Elvis Presley weltumspannend etabliert) getreten zu werden, und Hugo Egon stellte stehenden Fußes den Titelsong seiner 2011er-CD "Ist das schön!" lakonisch-ironisch vor. Die personifizierte "Venus" Susi ließ nun den gleichnamigen Rockdisco-Stomper der Den Haager Band "Shocking Blue" (1969/70) phonstark und temporeich wiederaufleben, bevor ‚Maks' mit der souligen Edelschnulze "Stand by me" (Ben E. King, 1961, Neuauflage: 1986/87) an der Reihe war.
Vor der ersten, ca. 15-minütigen Pause schlüpfte das hübsche, blonde Energiebündel Susi S. in die Rolle von US-Soullady Ronnie Spector ("The Ronettes") und präsentierte deren romantisch-sehnsüchtigen 1963er-Evergreen "Be my Baby", den wir 80er-Kinder in erster Linie als Chorpassage in Eddie Moneys stimmungsvollem AOR-Hymnus "Take me Home tonight" kennen. Die RUDOLF ROCK ALLSTARS verließen nun die Bühne des gemütlichen Clubs am Millerntor am Eingang der Reeperbahn; es kam zu einem liebevollen persönlichen Wiedertreffen von Susi und dem Verfasser dieser Zeilen, der aus gesundheitlichen Gründen seitdem kaum noch Konzerte besuchen konnte, was erst jetzt wiederum so langsam losgeht.

CD: Hugo Egon Balder & Rudolf Rock Allstars, "Ist das schön!"
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Die augenzwinkernde Ode auf den "Schönen, fremden Mann" (Connie Francis, 1961), frech und hoch erotisch vorgetragen von Susi, eröffnete gegen 22.15 Uhr Part II des umjubelten Spezialkonzerts, das seine Fortsetzung zunächst durch "Proud Mary" ("Creedence Clearwater Revival", 1969) - hier machte Susi unüberhörbar Tina Turner Konkurrenz bzw. stellte deren ohnehin ungeheuer kraftvolles Organ womöglich noch in den Schatten -, und den Rock'n'Roll-Standard "Dizzy, Miss Lizzy" (1965 von den "Beatles" eingespielt) fand, bei dem diesmal Hugo Egon B. die Hauptstimme übernahm. Dieser brillierte daran anschließend, unterbrochen von dem ruppig-rockigen Intermezzo "Back in the U.S.S.R." ("The Beatles", 1968), in der Interpretation von ‚Maks', mit dem abgeklärten Bluesopus "It's all over now" (Bobby Womack, 1964). Susi gab nun betörend erotisch, voller Power und Energie, hinreißend ehrlich den "Stones"-Titel "Beast of Burden" (1978, aus der LP "Some Girls") zum Besten, wobei in diesem Falle weniger im Sinne des Originals locker vor sich hin geschunkelt wurde, sondern man statt dessen auf das sacht brachial wirkende Heavy-Arrangement der 1983er-Coverversion der US-Rockchanteuse und Schauspielerin Bette Midler bzw. dat em Kölsche Verzäll jehaltene 1987er-Duett von Wolfgang Niedecken ("BAP") und Ulknudel Trude Herr, "Hipp vum Nüümaat", zurückgriff. ‚Maks' war nun dran mit Jerry Lee Lewis' ‚Pianoanzünder' "Great Balls of Fire" (1957); alle Akteure zusammen jammten sich sogleich mit Chuck Berrys "Johnny B. Goode" in Richtung Höhepunkt des zweiten Konzertabschnitts, der mittels eines von Susi und ‚Maks' aufgeführten Medleys, bestehend aus "Twist and Shout" ("The Beatles", 1963), "Wild Thing" von den "Troggs" (1965/66) und dem mexikanischen Volkslied "La Bamba", das in der Nachkriegszeit von US-Rocker Ritchie Valens (1958) bzw. den amerikanischen Roots-Rockern "Los Lobos" zum festen Begriff in der Popszene wurde, seinen vorläufigen Abschluss fand. Für seine bereits erwähnte Solo-CD "Ist das schön!" hatte Hugo Egon Balder, zusammen mit Susi und Uli, das 1964 seitens Eric Burdons sagenumwobener Bluesband "The Animals" zum Hit gemachte Traditional "The House of the Rising Sun" zu "Haus in Altona" umfunktioniert und als ellenlange Duett-Version mit Susi aufgenommen. Dieses dramatische Blues/Soul-Feuerwerk beschloss unwiderruflich den zweiten Teil des Auftritts der "Rudolf Rock Allstars" am vergangenen Donnerstag.
Gegen 23.00 Uhr ging es weiter mit der Aufwartung von Saxophonist Andreas Böter und Lutz Wollersen (git, voc), dem allerersten Sänger von "Rudolf Rock & den Schockern" zu Zeiten der Bandgründung Mitte der 70er und späteren Schlagerinterpreten ("Wenn Engel Trauer tragen", 1984). Lutz zelebrierte Elvis' wiegenden Bluesrocker "One Night with you" (1958, von Joe Cocker 1989 reanimiert als "On Night of Sin") und den überkandidelten Allzeit-Knaller "Whole lotta shakin' going on" (u.a. Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Chubby Checker, Ricky Nelson), zu dem Andreas eine fettes, knarzendes Saxophonsolo kongenial beitrug.
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Susi begab sich nun auf die Spuren von Bluestragödie Janis Joplin und arbeitete sich gefühlvoll und intensiv durch deren Nummer-Eins-Hit "Me and Bobby McGee" (1970/71), gefolgt von "River Deep - Mountain High", einer im Tempo rasant angezogenen Auslegung der allseits geläufigen Ellie-Greenwich-Komposition (u.a. aufgenommen von Ike & Tina Turner, Eric Burdon oder "Deep Purple"), sowie einer ellenlangen, faszinierenden Aufführung von Bob Dylans Ewigkeitshymnus "Knockin' on Heavens Door", bei der sich Susi, ‚Maks' und das zwischenzeitlich längst völlig aus dem Häuschen geratene Publikum vokalistisch famos ergänzten. Susi avancierte kurzzeitig zur aufgedrehten "Honky Tonk Woman" ("The Rolling Stones", 1969), erkannte die Ortsgrenzen des öden US-Minikaffs "Nutbush" (vgl. "Nutbush City Limits", Ike & Tina Turner, 1973) und strapazierte mit dem rasenden Partyaufmischer "Shout" (GB-Sängerin Lulu, 1964) ihre umwerfende Stimme in bester Manier. Die gesungene ‚Selbstreflexion' "Simply the Best" - nichts anderes stellt Susi Salm in der einheimischen Rock/Soul/Bluesszene unverblümt und unkopierbar dar - (Tina Turner, 1989), leitete über zum strammen. rifflastigen "AC/DC"-Hardrockhammer "Highway to Hell", den ein Geburtstagskind namens Achim, zusammen mit der Band, gnadenlos und lautstark vor sich hin kreischte, und dem endgültigen Finale "Bony Morone" (Larry Williams, "Dr. Feelgood", John Lennon, Johnny Winter etc.): Das gesamte "Zwick" tanzte vor der Bühne und auf den Stühlen, das Auditorium wollte Susi, Uli, Hugo Egon, Max und Niki kaum von der Bühne lassen - aber, um Halbeins war, immerhin nach über drei Stunden, unwiderruflich Schluß. Eine erschöpfte, aber glückliche Band verließ die Bühne des "Zwick", es fanden noch einige nette Gespräche mit den Musikern statt (inkl. Kusshand für Susi!) - und dann ging es hinaus in die dunkle, klirrendkalte Nacht!
Die RUDOLF ROCK ALLSTARS rocken weiterhin wie junge Götter, ohne jegliche Verschleißerscheinungen. Mitreißende Musik, die zwar schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, sich aber fraglos weiterhin ohne jegliche Probleme als real existierende MUSIK bezeichnen lassen darf, wird Dank des hanseatischen Quintetts und ihrer zig sporadischen Mitstreiter stets am Leben erhalten und auf diese Art und Weise in die Gegenwart und Zukunft gerettet. Alle fünf sind konsequente, voranstrebende Musiker mit Leib und Seele, die ihren Fans und Freunden alles das geben, was sie nur können - und Susi besticht durch eine grandiose, einzigartige Mixtur aus Stimmstärke, Ausstrahlung, Schönheit, erotischem Flair, Temperament und Liebenswürdigkeit per Excellanze. Ich freue mich darauf, auch 2012 noch ein paar weitere Auftritte von RUDOLF ROCK genießen zu können und lege dies jedem Nordlicht, wie gleichsam den unzähligen Touristen, die meiner Heimatstadt einen Besuch abstatten, gerne besonders nahe, sich über Konzerte der Band u.a. hier zu informieren - und dieselben auch mit viel Freude aufzusuchen.

Die nächsten Termine:
20.05.2012 - Schiff "QUEEN MARY 2" (Überfahrt Hamburg - New York)
12.08.2012 - Hamburg - Landungsbrücken
Bitte beachtet auch:
- off. Homepage von Rudolf Rock: www.rudolfrock.com
- Homepage des "Zwick" in Hamburg St. Pauli: www.zwick4u.de