Deutsche Mugge war von der AMIGA zu einem ganz besonderen Event nach Leipzig eingeladen. AMIGA, jetzt unter dem Dach der Sony, bringt seit vielen Jahren erstmals wieder ein wirklich neues Album der "Roten Gitarren" aus Polen heraus: "Herz verschenkt" ist die erste echte Neuerscheinung und überdies ein Album, das mit einigen Ohrwürmern aufwarten kann. Der ein oder andere mag's bemerkt haben: AMIGA gehört nach der Trennung von Sony und BMG seit August zur Sony-Gruppe. Im Prozess der Neuausrichtung hat es auch neue Möglichkeiten für AMIGA gegeben, siehe die letzten Veröffentlichungen und vor allem die neuen Alben!
Vor der Pressekonferenz ergab sich die Möglichkeit für die geladenen Gäste, das waren vor allem Vertreter von Medien und Veranstalter, sich kennen zu lernen und erste Gespräche zu führen. Schnell waren die anwesenden Musiker aber auch die AMIGA Mitarbeiter, besonders Jörg Stempel, gefragte Gesprächspartner. Ich fand mich schließlich in einer Runde mit Ingolf von ostbeat.de, Peter von ostmusik.de, Clemens Fiedler, dem Chef von Sony Amiga und Simone Dake wieder. So kam keine Langeweile auf, bis gegen 18:00 Uhr zur eigentlichen Pressekonferenz geladen wurde. Dort wurden zum einen allgemeine Zahlen und Fakten verkündet. So verwies Clemens Fiedler darauf, das AMIGA eine dem allgemeinen Markttrend gegenläufige Entwicklung genommen hat, und die Umsatzzahlen der meisten Produkte so seien, dass sich daraus die Möglichkeiten zu neuen Projekten bis hin zur Neuveröffentlichung aus dem Hause Sony, z.B. die CD von den Roten Gitarren, aber auch die von Peter Tschernig. Neben vielen Informationen rund um die Arbeit der Mannschaft um Jörg Stempel, wurden die zuletzt aufgelegten AMIGA Veröffentlichungen, also die 31. Dreier-Box mit frühem Schlagern von Brit Kersten, Ina Martel und Nina Lizell, die an diesem Abend auch anwesend war, die Cäsar CD "Wer die Rose ehrt", die DVD zum Puhdysgesurtstag und die Swing Dance Orchestra CD nochmals kurz vorgestellt, bevor es um das ging, was in Kürze zu erwarten sei. Das sind vor allem eine Box mit den 33 Original-Alben mit Bonusmaterial auf 33 CDs zum 40. Puhdys Jubiläum und eben das neue Omega Album. Und das ist ein wirklich Neues, keine Greatest Hits-Zusammenstellung. Die auf der Pressekonferenz anwesenden Künstler standen Rede und Antwort, wie auch die Herren von Sony Music. Sicher auch um die Atmosphäre weiter aufzulockern, wurde zur Gesprächs- und Fragerunde bei "warmen Wasser, Schmalzstullen und etwas mehr" wie Jörg Stempel es beschrieb, geladen. Von den Möglichkeiten mit interessanten Personen zu sprechen machte ich ausgiebig Gebrauch. So erfuhr ich Neues von Simone Dake, von Christian Hentschel und natürlich von Norbert Voss und Jörg Stempel. Es blieb noch Zeit für ein paar Worte mit Nina Lizell, bevor dann der zweite große Teil des Abends begann, das Konzert der "Roten Gitarren". Da es so viel Berichtenswertes von diesem Abend gibt, führe ich dazu hier wenig aus, sondern vertröste Euch auf die nächsten Tage, wenn wir nach und nach weitere Informationen und Interviews online stellen werden. Etwas ausführlicher möchte ich allerdings auf das Konzert an sich eingehen. Während zur Pressekonferenz ja nur etwa 30 Personen zugegen waren, hatte sich der Leipziger Spiegelpalast, das ist ein riesiges Zelt innerhalb der alten Kongresshalle, mittlerweile gut gefüllt. Ich schätze mindestens 200 Zuschauer wollten einen der ersten großen Auftritte der "Roten Gitarren" in Deutschland seit vielen Jahren live miterleben. Und ich darf es vorwegnehmen: sie erlebten einen fulminanten Auftritt! Aber der Reihe nach. Jörg Stempel moderierte nun den Abend, und man merkte ihm an, welch Herzblut in den AMIGA Veröffentlichungen steckt, aber auch welche Freude der Mann dabei hat, den Zuhörern gute Musik zugänglich zu machen. Der Mann ist mit jeder Faser nicht nur Mister AMIGA, sondern eigentlich ein richtiger Mister Musik. Zunächst betrat also eine A Cappella Gruppe die Bühne, die von Christian Hentschel betreut wird. Das sind fünf junge Männer, die seit 10 Jahren gemeinsam singen und nun zu Größerem ansetzen. Sie nennen sich "Musix" (ihre CD Rezension findet sich ebenso in unserem Magazin wie ein Konzertbericht) und bringen große Ostrockklassiker a cappella und in völlig neuer, ungewohnter Art auf die Bühne. Klassiker von "Heißer Sommer" bis "Bataillon D'Amour" bilden die Grundlage eines Programms, in dem ganz tolle Stimmen, die auch die Begleitinstrumente vom Schlagzeug über Bläser bis zu Gitarren ersetzen, die Titel neu verpackt vorstellen. Da erlebt der ein oder andere angestaubte Osttitel seine "Rap-Premiere" oder wird Vorlage für eine Breakdance- oder Beatboxeinlage.
Die eigentlichen Titel bleiben dennoch sehr gut erkennbar, und werden von fantastischen Stimmen vorgetragen. Woraus zu erkennen ist: so ganz ernst nehmen die Jungs das mit den Hymnen und Klassikern nicht, sondern sie dienen als künstlerische Grundlage für ein brillantes Kabarettprogramm, das die Leute fesselt. Sie haben neben der gesanglichen Klasse auch Komiker- und Entertainerqualitäten. Von MuSix wird man gewiss noch hören. Hier waren sie ein Opener der Extraklasse und begeisterten das Publikum. Dem wurde dann gewissermaßen Kontrastprogramm verordnet. Peter Tschernig betrat die Bühne um sein neues Album "Immer lächeln" vorzustellen. Tschernig, dessen bekannteste Titel "Taxi 408" und "Mein bester Kumpel (ist mein Vater)" sein dürften, ist wohl eine der markantesten Stimmen im deutschen Unterhaltungsgeschäft. Ein Bass, wie geschaffen für toll erzählte Geschichten. Mit einem Hauch Melancholie in den Texten und Melodien, erzeugt Tschernig binnen kurzem eine ganz eigene Atmosphäre im Spiegelpalast. Und der Mann da auf der Bühne hat etwas zu erzählen. Seine Lieder haben Aussagen, betrachten alltägliche Dinge mal etwas anders. Tschernig setzt sich mit Dingen und Gefühlen auseinander, die jeder hat oder kennt, und zeigt uns seine Gedanken dazu. So lädt er ein, sich mit oft banal erscheinenden Dingen mal wieder auseinander zu setzen, oder sich mal wieder um alltägliche Dinge Gedanken zu machen. Dabei benutzt er, der für den Countrysound im Osten schlechthin steht, alle möglichen musikalischen Register, die Country bietet, immer passend zu den Texten. Das reicht vom Sprechgesang bis hin zu schnellen, ich will nicht sagen Up Tempo-Stücken. Immer getragen von dieser magischen Stimme. Berührend, jedoch nicht moralisierend. Mit der vorgelegten CD ist Sony AMIGA die Veröffentlichung eines tollen Countryalbum gelungen, dass es verdient hat, gehört zu werden... und nicht nur im Osten! Peter Tschernig in seiner angenehmen Art und mit einer wirklich tollen Bühnenpräsenz hat, so denke ich, an diesem Abend neue Freunde gefunden. Und er hat eines zumindest bei mir erreicht - Interesse für seine Geschichten. Bei Gelegenheit werde ich die sicher ein wenig hinterfragen. Der Mann hat Geschichten und weiss sie zu erzählen. Auch musikalisch. Wie man den Übergang zwischen Peter Tschernig und den Roten Gitarren hätte anders gestalten können, ich weiss es nicht. Jedenfalls hatte man sich entschieden, die MuSix mit einem ganz speziellen Programmpunkt zu nutzen. Bekanntlich steht ja die AMIGA Veröffentlichung einer ganz besonderen LP-Box an, und schließlich sind wir im Puhdys Jubiläumsjahr. Die Jungs mit den tollen Stimmen, die sich keinesfalls vor Kommerz-Klassik-Projekten wie ADORO und ähnlichen vermeindlichen Könnern verstecken müssen, hatten ein Puhdys-Medley vorbereitet, das das Publikum jubeln ließ. Liebe Puhdys, so ihr das Programm nicht kennt: Nichts wie hin. Die größten Hits mal ganz anders, ohne sie zu verunglimpfen oder ähnliches - einfach in ein Gewand gesteckt, in dem die großen Titel hätten erscheinen können, wenn sie von anderen Musikern zu anderer Zeit interpretiert worden wären. Köstlich, einfach köstlich. Das alles hat vielleicht auch mit dem Talent der Jungs zu tun. Wer das verstehen möchte, und gestern nicht dabei war, der sollte ebenfalls schnellstens eine Vorstellung der MuSix besuchen. Ich bin mir sicher, dass das ein Fall für "Dietmar unterwegs!" ist. Man mag es kaum glauben, aber die MuSix waren so gut, dass ich Bedenken hatte, ob die Roten Gitarren gegen die entstandene Stimmung würden anspielen und bestehen können. Vorstellen musste Jörg Stempel die Czerwone Gitary nicht, ein Wort reichte um zu spüren, dass gleich etwas Besonderes geschehen wird. Selbst dem alten Hasen Stempel war das anzumerken. Er sprühte vor Begeisterung und vielleicht einer Spur Aufregung, kannte er doch das, was gleich kommen sollte, wie kaum ein anderer im Saal, und hat auf diesen Augenblick mit unglaublichem Engagement, wie man hört, hingearbeitet. In ihren legendären weißen Anzügen betraten sie dann die Bühne. Die Band mittlerweile aus 6 Herren bestehend, ließ ohne große Vorrede die Saiten klingen. Ihre neue Single "Schwer verliebt und Herz verschenkt" eröffnete das erste größere Solokonzert der Roten Gitarren in Deutschland in dem neue Lieder, nicht die größten Hits der 70ger, im Mittelpunkt standen. Diese Titel, finden sich auf dem Album "Herz verschenkt", das parallel zu der Präsentation in Leipzig, nun deutschlandweit zu kaufen sein sollte, und auch auf den gängigen Download-Portalen erhältlich sein wird. Auf der CD sind 11 neue Titel. Anders als viele der gestandenen, alten Ostrockbands, haben die Gitarren nie aufgehört neues Material zu produzieren. Nun auch wieder nach langer, langer Pause ein deutsches Album. Und das was da zu hören ist klingt einerseits wie die alten Roten Gitarren, andererseits neu, frisch und unverbraucht. Warum das so ist, und zu einer Reihe anderer Fragen, stand mir Jerzy Skrzypczyk, ein überaus liebenswürdiger und bescheidener Mann, nach dem Konzert Rede und Antwort. Das Interview gibt es natürlich nachgeliefert, doch soll hier zunächst der Konzertauftritt an sich weiter im Mittelpunkt stehen. Wie gesagt der Titel "Schwer verliebt und Herz verschenkt" eröffnete das Konzert. Ein echter Ohrwurm, der die neuen Roten Gitarren zeigt. Das Lied ist weit flotter als die bekannten melancholisch gehaltenen Stücke aus der Serverin Krajewski-Ära. Das Stück ist ein lupenreiner Popsong, der nichts anderes will, als gute Laune verbreiten. Und das macht er. Das macht er so nachhaltig, dass die Roten Gitarren die hochgelegte Latte der Erwartungen locker überspringen. Schon nach dem ersten Titel, denn der ist einfach rund. Und er lebt wie eh und je vom perfekten Satzgesang der Herren auf der Bühne. Mit diesem Stück ist der Band wirklich ein potentieller Sommerhit gelungen. Wie Jörg Stempel in seiner Anmoderation für die Band sagte: "der unverwechselbare Dialekt der Männer gibt dem Ganzen eine liebenswerte und unverwechselbare Note". Das wird ganz deutlich beim zweiten Stück. Dem Klassiker "Es brennen die Berge und Wälder". Dem Publikum zu Liebe spielen die 6 Musiker das Stück in der Variante an, die das Publikum kennt und mag, um dann zu zeigen, wie es heute klingt. Da setzt eine echte Rockgitarre ein, werden famose Läufe auf der zweiten Gitarre eingebaut und groovt der Bass. Die Männer nehmen es wörtlich - jetzt brennen die Berge. Das ist ganz maßgeblich dem brillanten Leadgitarristen und Multiinstrumentalisten Marek Kisielinski geschuldet, der eben mal andeutet was er kann. Dennoch bleiben die Roten Gitarren, die Roten Gitarren, was aus meiner Sicht vor allem an der nicht weniger virtuos gespielten 12 Saiter Akkustikgitarre von Mieceslaw Wadolowski und vor allem auch an den unglaublichen Läufen eines Jerzy Kosela liegt. Bei einigen seiner Einlagen hab ich mich gefragt wie er seine Finger hinterher entknotet. Hohe Schule, große Gitarrenmusik. Auch wenn sie im Gewand des gefälligen Schlager oder Pop daher kommt. Der neue Sound der Roten Gitarren wurden ganz deutlich im dritten Stück des Konzerts. Das von Thomas Natschinski geschriebene Stück "Lange her" hat Klasse. Einer der tollen Koselka Gitarren Läufe, eine eingängige Melodie im Refrain - so einfach und schön kann ein Popsong sein. "Mond auf dem Dach" als nächster Titel beginnt ungemein rockig. Und wird so von der tollen Stimme Arkadiusz Wisniewskis genauso weiter getragen. Besser kann man einen rockigen Popsong nicht machen! Wie um die Vielfalt der Band zu demonstrieren, spielen die Gitarren zwei altere in Deutschland weniger bekannte Stücke. Eins davon wird von Marek am Flügel begleitet, das zweite auf dem Akkordeon. Singen kann der Mann auch noch. Das Publikum war längst gefangen im Rote Gitarre-Sound. Mittlerweile sind 6 Titel gespielt und noch fehlen die beiden großen Alten… Das "Boot" und das "Dach der Welt". Beide werden dem Publikum nicht vorenthalten. Sie sind nicht sinnlos verfremdet worden, wenngleich das "Weisse Boot", das Lied das den ganzen heutigen Abend auslöste, sinnbildlich ein wenig neu gestrichen wurde. Was erhalten blieb ist, so unglaublich das klingt, die berühmte Stimme dieses Liedes, auch wenn sie heute von Mietek Wadolowski und Arek Wisniewski gesungen wird. Vielleicht klingt es heute sogar noch etwas schöner. Das einzige was noch fehlt an diesem Abend sind Feuerzeuge und Wunderkerzen als die Roten Gitarren das "Dach der Welt" erklimmen. Die Stimmung ist wie elektrisiert. Einige Paare erkennt man versunken, andächtig lauschend, fast etwas entrückt, dieser genialen Ballade folgend im Saal. Sicher wurde der ein oder andere innige Blick und Kuss gerade ausgetauscht. Da war wohl keiner der nicht ergriffen gewesen wäre im Saal. Und mal ehrlich, was soll Musik anderes als ein wenig Freude und Glück zu vermitteln? Sicher rettet diese Art Musik die Welt genau soviel wie der harte Rock mit Protest, Renitenz und aufrüttelnden, kritischen Texten. Ich für meinen Teil, habe einen sehr informativen Abend erleben dürfen, und mit den Roten Gitarren eine Band erstmals live erlebt, die so alt ist wie die Beatles, die Stones, Omega oder die Puhdys, deren Spielweise dennoch jung und frisch ist und vor Spielfreude strotzt, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen. Das dabei noch Musik entsteht, die einfach gute Laune versprüht,... so stelle ich mir einen gelungen Konzertabend vor. Das Fazit des Abends kann nur lauten - die Roten Gitarren sind zurück auf den Bühnen Deutschlands. Und sie sind keinesfalls ihre eigene Coverband. Neu, frisch und mit einem wahren "Gute Laune"-Album, das den Bogen vom gestern zum heute ganz lässig schlägt. Und mit diesem Album und den Roten Gitarren meldet sich auch das älteste Label Deutschlands hörbar zurück. Beiden ist mehr als zu gönnen, dass der eingeschlagene Weg ein Erfolg wird, woran ich aber in keiner Weise zweifele. Was kann der Interessierte oder Fan tun? Zunächst mal die CD kaufen. Und dann vehement die Band zu weiteren Konzerten auf die Bühne fordern. Weil ich vorhin die großen alten Namen aufzählte. Wäre es nicht eine grandiose Sache Omega, die Puhdys und die Roten Gitarren gemeinsam auf die Bühnen von Budapest, Warschau und Berlin zu stellen. Denn man kann sagen was immer man will, diese Bands haben ein erhebliches Stück Musikgeschichte des Ostrock mitgeschrieben, und bevor die mittlerweile doch leicht ergrauten Herren die Gitarren und Trommelstöcke nicht mehr halten können.... Nichts gegen "Ostrock in Klassik". Aber wenn das nicht Klassik wäre, was dann? Das viele Drumherum und weitere Detailles und Eindrücke dieses Abends erzähle ich Euch in den nächsten Tagen, so ihr möchtet...
Fortsetzung folgt... (Bilder auch)
Foto-Impressionen:
Pressekonferenz:
Nina Lizell:
Peter Tschernig:
Die Roten Gitarren: