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Bericht: Steffen Huth Fotos: Patricia Heidrich
Reriker Lieder Sommer 2011 - 1. Tag Es gibt sicher viele Gründe nach Rerik zu reisen. Landschaftlich reizvoll zwischen Ostsee und Salzhaff gelegen, entpuppt sich das Ostseebad jeden Sommer erneut als Urlaubsparadies. Doch dieses Jahr gab es ein Grund mehr, eines der kleinsten Städte Deutschlands aufzusuchen. Direkt am Strand, also 10 Meter vom Ostseewasser entfernt, sollten Musikkonzerte stattfinden. Keine Ballermannpartymeile mit Bananenbootfahrten sondern Musik für Kopf und Seele inkl. Lagerfeuerromantik. Die Idee eines Strandkonzertes hatte im Vorjahr Tina Powileit, die Schlagzeugerin der Haase-Band. In der Gegenwart von Rene "Wiggi" Wiggers darf man durchaus in solchen Gedanken schwelgen, aber keinesfalls laut äußern. Doch Frau Powileit tat genau dies, und somit war die "Gefahr" einer prompten Umsetzung gegeben. "Wiggi" hatte keine Zeit zu verlieren, diese durchaus riskante Unternehmung in diesem Jahr umzusetzen. Riskant deshalb, weil der schöne, sonnenüberflutete, weiße Ostseestrand auch ein anderes Gesicht haben kann, als sich das eine romantisch verträumte Berliner Drummerin vorstellen kann. Doch "Wiggi", einst ebenfalls aus Berlin zugezogen und daher keinen Deut vernünftiger, ließ sich nicht beirren. Zuerst überzeugte der LoHRO-Radiomoderator und emsige Veranstalter von großen und kleinen Künsten im Landkreis Bad Doberan die Kurverwaltung in Rerik und nannte sein Vorhaben "1. Reriker Lieder Sommer". Dann stellte "Wiggi" eine Bühne direkt an den hiesigen FKK-Strandabschnitt auf (siehe Bild oben - das Areal ist gekennzeichnet mit einem Pfeil), organisierte ein Notstromaggregat sowie einen Imbisswagen und fand mit dem Musiker Matthias "Leiche" Dankert einen prima Techniker für das Mischpult.
Los gings mit JUNGLE DRUMS, einer dreiköpfigen Rhythmusgruppe. Bestehend aus zwei Togolesen und einer deutschen Lehrerin, stimmten sie die ca. 60 Zuschauer mit afrikanischen Klängen auf den wonnig warmen Abend ein. Barfuss und mit schon etwas trockneren Kleidern betrat Arno Schmidt die sonnige Seebühne. Der aus Rostock stammende und heute in Berlin lebende Liedermacher war in der DDR in den 80er Jahren zusammen mit Ed Stuhler bekannt geworden. Titel wie "...aber fliegen" und "Petting in the Rain" katapultierten die beiden sogar in die Landeshitparaden. Aber das ist lange her, eine Zusammenarbeit mit Ed Stuhler gibt es nicht mehr und das Land DDR auch nicht. "Hier lebe ich" war der Anfang seiner nachdenklichen Reise von unserer und seiner Vergangenheit bis zum Abend des 8. Juli 2011. Er sang am selben Ostseestrand, der vor 1989 noch Grenzgebiet war und an dem sich nach 22:00 Uhr niemand mehr aufhalten durfte. "Ich glaube, dieses Lied stand auf dem Index", sagte er und erzählte in einem anderen Song die Geschichte von Skinheads in der DDR, die 1987 ein Punkkonzert in der Berliner Zionskirche stürmten. Die ostdeutschen Medien berichteten nur zögerlich davon...
Doch neben Frank Seidlitz hatte Arno noch einen anderen Musiker im Gepäck. Es war Harald Wandel, der mit seinen witzigen und romantischen Liedern den Abend bereicherte. Der studierte Architekt erfüllte sich 1982 eine Traum, hing seinen Beruf an den Nagel, folgte seiner eigentlichen Berufung als Liedermacher und Kabarettist und machte sich seither einen guten Namen mit seinen scharfzüngigen Texten. Mehr Informationen gibt es unter http://www.myspace.com/haraldwandelband. Ein Lagerfeuer wurde entzündet, und die Nacht brach mit einem herrlichen roten Sonneuntergang über den sandigen Veranstaltungsort herein. Arno setzte seinen Auftritt, welcher auf seinem 2009 mitgeschnittenen Konzertprogramm (siehe CD rechts) basiert, vor den jetzt wieder getrockneten Anwesenden fort. Keiner seiner bekannten Songs wie z.B. "Kauf mich" oder "Gnadenlos fröhlich" fehlte. Abschließend bedankte er sich beim Cheforganisator "Wiggi", der den letzten Beifall des Abends erntete. Belohnt für seinen Mut nahm "Wiggi" erleichtert die nächsten Musiker in Empfang, die dann am zweiten Tag des "Reriker Lieder Sommers" den Strand beleben sollten. Übrigens war die Ideengeberin Tina Powileit auch unter den angereisten Musikern. Ich drücke die Daumen, dass auch für sie gilt, was die Zuschauer zusammen mit Arno Schmidt und seinen Musikern erlebten und der Flyer tapfer verspricht: "Ein unvergesslicher Abend am Strand, bei Musik, Lagerfeuer und Gegrilltem". Versprochen ist Versprochen... Reriker Lieder Sommer 2011 - 2. Tag ...und wird auch nicht gebrochen. Doch, wie am Vortag wurde pünktlich zum Konzertbeginn um 19:00 Uhr aus der kleinen Wolke Carolin eine bedrohlich dunkle Carola und entlud ihren ganzen Seelenschmerz feucht stürmisch auf die kleine Strandgemeinde zwischen Salzhaff und Ostsee. Und als alle tapferen Konzertbesucher für die 12,00 Euro Eintritt am Strand ihre Dusche gratis bekamen, riss der Himmel auf und die Sonne trocknete alles schnell. Trixi G (ohne Punkt) und ihr Partner Uwe, die gerade noch mit Plane und Folie ihre Technik retteten, wussten in dem Moment, dass der Norddeutsche Mensch seine Gäste erst auf die harte Probe stellt, bevor er sie dann ins Herz schließt. So begann Tag 2 des Reriker Liedersommers wie der erste Tag auch. Erst eine Dusche vom Himmel und dann der purpurrote Sonnenuntergang. Aber bis es für das feuerrote Spektakel am Ostseehimmel soweit war, lud Trixi G eine geballte Ladung Energie von der Bühne ab.
Haase brachte den beiden grandiosen Musikern noch ein Jägermeister für die Zugabe auf die Bühne, denn in Worte konnte manch einer seinen Dank sowieso nicht fassen, was er gerade gehört hatte. Also Jägermeister, Zugabe und keine "Worte". Den Titel, den einige Zuschauer so ins Herz geschlossen haben, der kam leider nicht. "Hätten wir gehört, dass dieser Song gefordert wurde, hätten wir ihn gespielt", sagte Trixi nach dem Konzert. Sollte das etwa ein Grund für eine Einladung zum 2. Reriker Liedersommer sein? Nach einer kleinen Umbaupause enterte Tina Powileit, Rene Schostak, Daniela Schwabe und Christian Haase die Bühne. Und jetzt kam das, was für mich diesen Tag am Ostseestrand so unvergesslich gemacht hat. Auf der Bühne stand kein Liedermacher mit musikalischer Unterstützung, sondern eine Rockband! Sie fetzten auch gleich richtig los. Keine Kompromisse, nicht lang rumgeredet, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Haase und Druck. Stilsicher und konsequent wurden die super guten Texte des Christian Haase umgesetzt. Kein Sommerwind konnte die Töne von den Boxen wehen. Rene Schostak, ehemals im Heavy Metal zu Hause, durfte "Gitarre satt" spielen. Tina Powileit machte am Schlagzeug mächtig Dampf, und wer mithielt durfte zweimal. Die größte Überraschung war Daniela Schwabe. Sie ist nicht mehr das kleine Frauchen am Bühnenrand, nee... Fuß auf das Schlagzeugpodest und "die Dumpfe" machen. "Es hat einige Übungsstunden gekostet", bestätigte sie mir vor dem Konzert, aber dafür ist das Ergebnis um so kraftvoller. Haase war der Alte. Keiner seiner treuen Fans braucht befürchten, dass sich der wortgewaltige Barde nun dem harten Rock`n Roll verschrieben hat, und dafür die Texte vernachlässigt. Nein im Gegenteil, die Mischung aus einer kräftigen Rockband mit anspruchsvollen Texten ist das, was am 09. Juli 2011 an der Reriker Ostsee zu erleben war. Und so wird es auch auf der Ende des Jahres erscheinenden neuen Platte sein. Kostproben durfte man sich vorab schon in Rerik abholen.
Viele Leute aber kennen keinen Musiker Haase. So auch die meisten Urlauber in Rerik nicht. Ein Konzert, welches mit einigem finanziellen Aufwand der Kurverwaltung Rerik unter der Leitung von Cheforganisator René Wiggers kreiert wurde, muss einfach besser besucht sein. So habe ich nicht ein einziges Plakat in Rerik gefunden, was auf diese Veranstaltung hinwies. Auch den weit außerhalb liegenden Veranstaltungsort zu finden, war ein Unterfangen, welches sich ohne Ortskenntnisse schwer bewerkstelligen ließ. Lediglich ein kleiner Aufsteller wies den Weg zur Strandbühne. So sollte sich für die Zukunft noch Möglichkeiten finden lassen, dass diese tolle Veranstaltung auch Beachtung findet. Eventuell denkt die Kurverwaltung auch darüber nach, die Eintrittspreise moderater zu gestalten, denn besonders auch viele Einheimische blieben an den zwei Tagen bei 17,00 Euro Eintritt (der Einzelpreis 12,00 Euro, Kinder unter 14 Jahren freier Eintritt) den ihnen eher unbekannten Musikern fern. Ohne die vielen Fans, die teilweise sogar aus Thüringen kamen, wäre die Veranstaltung leider zur Strandprobe verkommen. Resümierend sind die 1. Reriker Lieder Sommertage mit seinen zwei Konzertagen ein Erfolg gewesen, auch wenn zur Aftershowparty in RoggowRoll bei René Wiggers ein Viertel aller Konzertbesucher erschienen sind. Dieses Verhältnis sollte sich doch in Zukunft deutlich verschieben. Aller Anfang ist schwer, und René kann man für sein persönliches Engagement bei dieser Veranstaltung nicht genug danken. So wurde sein Häuschen in RoggowRoll nicht nur zum Austragungsort der geilen Party zum Abschluss des Liedersommers, sondern diente noch als Musikerherberge für die Protagonisten des Abends. Ich persönlich traf zwei alte Freunde wieder und freue mich auf ein Wiedersehen mit allen, die heute noch Seesand in den Schuhen haben. Ein besonderer Dank gilt auch allen Musikern, der Stadt Rerik, den Technikern, dem Team vom Catering sowie den wenigen Zuschauern unter denen sich übrigens auch ein Minister des Landes MV befand. Last uns die Segel setzen und auf den vom Kapitän "Wiggi" angekündigten 2. Reriker Lieder Sommer zusteuern, und das Abenteuer abermals aufnehmen mit: "Sonne Wind und Meer". Versprochen ist Versprochen...
Fotoimpressionen:
![]() Vor dem Festival: Bühnenaufbau am Strand ![]() Jungledrums ![]() Jungledrums
![]() Der Techniker, genannt "Leiche" ![]() Frank Seidlitz und Arno Schmidt - Freitagabendmusik im Sonnenuntergang ![]() Frank Seidlitz und Arno Schmidt ![]() Arno Schmidt ![]() ![]() Kinderparty ![]() Arno Schmidt und Harald Wandel ![]() ...der erste Abend danach ![]() Haase & Band kommt an... ![]() Hähle, Haase und Karsten Matschei (Technik Haase) ![]() Bolle
![]() Reriker Lieder Sommer 2011 ![]() René Schostak und André Kemnitz-Vogt (haase & band) - "Haste mal 'ne Schneide-App?" ![]() Bolle, Karsten und der Honig ![]() Patti in der Maske ![]() Soundcheck - Tina wartet auf Verkabelung ![]() Trixi G und die Vitamin-App ![]() Uwe "G" Ducke und Trixi und die Sonnenmilch ![]() Die Ruhe vor dem Sturm ![]() Trixi kämpft gegen den Regenguss und für die Anlage ![]() Uwe mustert schwere Pfützen auf der Bühnendecke... ![]() Nach dem Regen... ![]() René "Wiggi" Wiggers nach dem Guss... ![]()
![]() ![]() Trixi G
![]() ![]() Uwe G Ducke ![]() Haase, Ulli, André und Frank ![]() Stürmchen ![]() Rock am Strand ![]() Haase & Band ![]() ![]() ![]() ![]() Leben am Strand ![]() Christian Haase ![]() ![]() Leben
![]() Tina und der EINSAME MOND ![]() ![]() Gute-Nacht-Konzert mit Haase & Band ![]() Haase hat Feuer ![]() |