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LIFT habe ich tatsächlich ewig nicht mehr gesehen. Das letzte Mal in Gera zum „Sommernachtstraum“. Wer weiß, wann das war. Damals mit Henning Protzmann. In der Parkbühne war Jenne Brüssow am Bass. Und wir kamen etwas zu spät. Stau. Im Prinzip von unserer kleinen Sommer-Kinder-Show in einem Karlshorster Kindergarten. Und am Tierpark'´ne Baustelle. Aber wen interessiert das schon? So kamen wir zu „Nach Süden“ an, wie passend. Stau auch an der Ticket-Kasse. Aber wir kamen glücklicherweise gleich rein. Bei der „Kleinen Ahnung“ hatten wir schon in der vollen Parkbühne Platz gefunden. Bei „Komm her“, dem unheimlich schönen Uralt-Song, hatten wir unsere Getränke. Yvonne Fechner fehlte und damit auch die Geige. So waren die vier Kerle von LIFT unter sich. Der Werther, der Bodo, der Jenne und der Peter. Nicht ganz, das nicht mehr überschaubare Publikum war auch da. Und lauschte angetan den alten und etwas neueren Balladen. Und die Pfiffe durch die sommerliche Atmosphäre waren begeisternd. Allein am Keyboard, ein Spinett simultierend, besang Werther Lohse die „Falsche Schöne“. Und sang diesen seinen „Werther“-Song, ganz nahe schon bei Goethe, voller Inbrunst, bis seine Kumpels wiederkamen. „Es ist Freitag“ kastagnettisierte er hernach mit diesen kalendergenau. LIFT ist keine Rockband, ist es nie gewesen. Oft hat man sie als Kunstrock-Band bezeichnet, was mir auch nicht richtig scheint. Gute Musik braucht keine Genrebezeichnung und die beste Genrebezeichnung für LIFT scheint mir der Begriff LIFT zu sein. Wer ihn als Bandnamen hört weiß, was gemeint ist. So einfach ist das. Und wer es nicht wissen sollte, hat einfach etwas ganz Wesentliches verpasst und etwas Pech gehabt. Selbst Peter Michailows Schlagzeugsolo ist kein wirklich rockiges, sondern eher ein kunstvolles, fast liedhaft zu nennendes. Aber wo gibt es denn so etwas, ein liedhaftes melodisches Schlagzeugsolo? Bei KARUSSELL gab es das als Jochen Hohl noch dabei war und jetzt eben bei LIFT. Weil es ja Freitag ist. Der auch privat oft sehr gelassen wirkende Solist schwelgte in Traummelodien und –rhythmen und ließ das Publikum auf den dynamisch-rockigen Koitus warten. Aber dann ließ er es doch platzen, so bringt man ein Publikum zum Toben. Aber zu Michailows Schlagzeugsolo könnte man ein tolles mitgesungenes oder –gesprochenes Storyboard legen. Und es wäre eine wunderbare Geschichte, egal, wie der Text ginge. Weil dann ja der Jenne auch dazu stieß und seine wunderschöne Fretless-Geschichte dazu erzählte. Teilweise sieht sein Bass ja auch etwas herzförmig aus. Aber auch er blieb nicht beim Fretless-Klang, sondern eskapierte ins Rockige hinein. Und wurde abgelöst von Bodo Kommnicks Gitarre und Werther Lohses Mundharmonika. „Nach Hause“, ich glaube die erste LP, auf der Bodo Kommnick mit dabei war, als LIFT sich etwas vom Image der Balladenband lösen wollte. Was nicht nötig war, aber dennoch sehr gute Songs hervorbrachte. Wie eben diesen. „Wege“ waren das, gewaltige wohl. Werther Lohse singt nicht mehr wie früher. Aber er singt. Und kann es noch gut, kann es überhaupt. Leicht wird er nicht sein, sein Job. Aber schön, dass sich solche Rampensäue wie er nicht von der Bühne kegeln lassen und ihren Weg weitergehen. „Finden wir uns neu“. So soll es sein. Und wieder Werther Lohse solo. „Komm mein Freund“. Ein Titel aus seiner, wie er sagte, 60er Jahre–Jubiläumsscheibe. Da war er ganz, der Sänger, der sich am Keyboard begleitete. Mehr traurig, melancholisch. Gefolgt von „Mein Herz soll ein Wasser sein“, passend der Song, den Stephan Trepte immer und immer noch singt. Auch jener hat böse Schwierigkeiten mit der nicht mehr ganz so jungen Stimme und leidet auch ein wenig darunter. Werther Lohse wurde unterstützt von Bodo Kommnick und lief zu absoluter gesanglicher Hochform auf. Dann grüßte Franz Bartsch mit der Stimme von Bodo Kommnick, „Wind trägt alle Worte fort“. Vorgetragen mit der ganzen Band. Und dann ging es auf in die Finnischen Wälder. Von wo aus die Heldin des grandiosen Titels bis ans Meer lief. Welche Poesie, welche Musikalität. Und göttlich gesungen. Ebenso wie „Am Abend mancher Tage“. Ein Titel, der teilweise sehr vom Satzgesang lebt. Und von der Schlichtheit seiner treffenden metaphorischen Poesie. Werther Lohse stellte seine drei Kameraden vor, kündigte die PUHDYS an und offerierte die kleine RENFT-Sinfonie „Tagesreise“ mitzusingen. Mannschaft und Mannschaftschor im Intro. Zugaberufe wurden laut bis ganz laut, obwohl nach LIFT gar nicht die PUHDYS, sondern RENFT auftraten. Und lang ließ sich LIFT nicht bitten und gaben „Abendstunde“ und „Wasser und Wein“ zu, den sie, bevor wir anlangten, schon einmal spielten. Doch diesmal sang nur das Publikum. Mit diesem Titel haben die PUHDYS einst bewiesen, dass man aus „Wasser und Wein“ auch Scheiße quirlen kann. Das dürfte ich vielleicht nicht so laut schreiben, weil Harry Jeske und ich zumindest vorhaben, demnächst etwas gemeinsam anzustellen. Andererseits sehe ich ihn vor meinem geistigen Auge über diesen Satz leise schmunzeln.
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Zu RENFT habe ich bereits in letzter Zeit so viel geschrieben, dass ich mit weiterem die Leserschaft, die Band als auch mich langweilen könnte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich gewisse gemeinsame Pläne mit Markus Schloussen und Gisbert Piatkowski, die in der Vorgeplänkelphase liegen, habe. Nichtsdestotrotz leiste ich mir doch zumindest einige Anmerkungen zu deren Konzert in der Biesdorfer Parkbühne. Die Setliste selbst brachte nichts Überraschendes oder Neues. Bedauerlicherweise erwartet man dies wohl auch nicht von dieser trotz zahlreichen verstorbenen Bandmitgliedern nicht sterbenden Legende. Aber einige, vielleicht nicht mal wenige, scheinen es zu erhoffen. Erste Anmerkung: Keiner, so erschien es mir zumindest, ging nach dem ersten Konzert. Es kamen sogar einige hinzu. Auf solche Mobilitäten werfe ich manchmal ein Auge. Mit „Bleich und uferlos“ legten sie los. In diesem Titel gibt es einen Riff, zu dem man Rock´n Roll skandieren könnte, als Publikum. Hat aber wieder keiner gemacht. Wunderbar, dass schon bei diesem Song viele vor die Bühne preschten und etliche von ihnen bereits tanzten. „Willkommen Millionen“ habe ich von Schoppe bisher noch nie als Begrüßung gehört. Und dass er sich Mühe geben will, ein gutes Konzert zu machen, glaube ich, auch nicht. Ebensowenig, dass Monster den Text von „Was noch zu sagen wär“ etwas klemmig findet. Auf den „Wandersmann“ trifft das wohl nicht zu. Wer weiß, wer diesen Song schon alles gesungen hat, nicht nur von den „Originalen“. Dass die RENFTler nur Johannisbeersaft trinken, wie Monster dem Publikum einreden wollte, glaube ich nicht und weiß ich auch heutig anders. „Sag mir, wozu die Flüsse taugen“. Ja, die Massen schwimmen leider immer noch und immer wieder in ihr eigenes Nichts. Leider. Aber ich glaube, das wird sich nicht mehr ändern vor dem 21. Dezember 2012. Und wir anderen pendeln bis dahin weiter „Zwischen Liebe und Zorn“. Es waren auch Menschen im Publikum, die das Durchschnittsalter desselben erheblich senkten. Und diese jungen Menschen tanzten auch. Naja, egal wie alt wir sind, wir sind doch alle „Irgendwie dazwischen“. Total verloren. Vielleicht nicht bei einem RENFT-Konzert. Aber sonst schon. Selbst die Kanzlerin, aber die würde nie zu einem RENFT-Konzert gehen. Was bedeutet, dass es, wenn man bei einem solchen kotzt, zum Glück immer noch nur an Alkohol liegen wird. Ich trank „Wernesgrüner“. Denn seit wir nicht mehr Osten sind, lieben wir es, Osten zu sein. Hat mir doch zum Beispiel meine über 80jährige Nachbarin erzählt, dass die Bratwurst beim Köpenicker Sommer keine echte Thüringer war. Dabei kommt die doch ursprünglich aus dem Westen. Nicht die Bratwurst, aber meine Nachbarin. Vögler heißt sie mit Nachnamen. RENFT singen sehr viel von Vögeln, aber weniger vom. Was ich seltsam finde, aber die Metapher für Freiheit ist da bei denen wohl wichtiger. Vielleicht liegt es auch am Alter der Bandmitglieder Thomas „Monster“ Schoppe , Gisbert „Pitti“ Piatkowski, Markus „Basskran“ Schloussen und Detlef „Delle“ Kriese. Die Band, meinte Monster, wollte sich vor diesem Konzert ändern. Doch meinte er auch: “Die einen mögen das, die anderen nicht.“ Und schmiss wieder ein Vogellied hinterher. „Als ich wie ein Vogel war“. Ich ging derweil Bier holen und hörte als Kompliment von der Ausschenkerin: „Tolles T-Shirt“. Ja, da muss ich wohl künftig auch besser Vögel beobachten. Da fühlt man sich schon etwas „Wie ein Clown“. Gerry von UNBEKANNT VERZOGEN hat auch schon mal vor kurzem ein RENFT-Konzert getrommelt, weil Delle nicht da war. Aber der ist über 50. Der darf das. Und aus dem Publikum ertönte ein Ruf, ein weiblicher natürlich „Ihr seid die Besten!“. Dabei hatte keiner von denen auf der Bühne so ein tolles T-Shirt an wie ich. Gut ist auch an Open-Air-Konzerten, dass man rauchen kann. Noch. Wir haben ja schon sehr viel verloren auf unserem erbetenen Weg in die Freiheit. Manche mehr als sie überhaupt hatten. Dafür haben wir RENFT wieder. Und die Mauer ist weg. Nur blöd ist, dass eine verschwundene Mauer auch keine Freiheit ist, denn sie hat sich viel intensiver versteckt. Nur der Sinn verschwindet allmählich, sie zu suchen. Um ihn wieder zu finden, auch dafür gibt es RENFT. Auch wenn Monster manchmal so frei ist, seine eigenen Titel zu vergessen. Irgendwelche Leute riefen „Dynamo, Dynamo“ – und ich weiß nicht warum. Und ich weiß auch nicht, wie alt das „Gänselieschen“ heute sein würde oder ob sie überhaupt noch lebt. Heutzutage kennen die Kiddies diesbezüglich nur noch „Bauer sucht Frau“, „Farmerama“ oder „myfreefarm“. Da ist sie noch, die Freiheit der scheinbaren Wahl. Vielleicht hat sie sich nur verändert, die Freiheit, vielleicht ist sie geliftet. Und wieso spielt Pitti die geilste Klampfe, während er aussieht, als würde er seinen Schreibtisch aufräumen. „Wieso kann der mit diesen Klopfoten ein so tolles Klavier spielen?“ fragt mich Kuno einst. Und meinte Thomas Putensen. So was ist gut, besser wunderschön. Ansonsten haben wir „Nach der Schlacht“ unendlich viel Scheiße angerichtet und zugelassen. Statt schneeweißen Dampfern erblickten wir Hartz IV. RENFT ist also nach wie vor eine Zeitgeistband. Und wegen dem Song vom „Kleinen Otto“ werden sie bestimmt bald aus Deutschland ausgewiesen. Naja, so weit ist Venezuela auch nicht mehr. So eine linke Band, dass die noch nicht verboten ist. Ist doch egal, dass die Texte teilweise vierzig Jahre alt sind und in der DDR entstanden. Sowas muss unterbunden werden. Die Stasi hatte recht, aus der Sicht der heute Regierenden. Frau Merkel empfand ja auch Stefan Heym als staatsfeindlich und hat ihn mit ihrer FDJ-Gruppe tagelang gerne observiert. Sie wird noch als Frost auf uns fallen und uns hart machen. Wir brauchen RENFT. Als eine der Türen, die in die Freiheit führt. Mit der „Rockstimme Deutschlands“, wie Pitti sagte, dem Monster eben. Es war das beste Konzert gewesen, welches ich je von RENFT sah und ich habe viele herausragende Konzerte gesehen. So, und wann ist das nächste RENFT-Konzert? Eine neue CD wird’s jedenfalls in Kürze geben.
Fotoimpressionen:
LIFT
RENFT
Nach dem Konzert...
Delle Kriese mit seinem Hund...
...der am Freitag neue Freundschaften schloss...
...mit mehreren Leuten...