Bericht:
Gerd Müller

Fotos:
Gerd Müller (alle Live-Fotos)
Pressematerial (Foto in der Grafik oben)





"Über die Grenzen trägt uns ein Lied"...
...lautete der Konzerttitel. Ich könnte mich noch heute ärgern, ein Konzert dieses fantastischen Liedermachers vor genau zwei Jahren in Bamberg, also vor meiner Haustüre, nicht besucht zu haben. Egal, ich holte dies jetzt nach und bin restlos begeistert von diesem charismatischen Sizilianer aus Palermo, der zu den besten und wichtigsten Liedermachern Italiens und darüber hinaus gehört.


Eingangshalle der VHS Bamberg

Pippo Pollina (48) ist ein Sprachentalent. Er spricht neben seiner Muttersprache perfekt Deutsch, dazu französisch, spanisch und englisch. In seiner Jugend studierte er an der Universität in Palermo Jura und zeitgleich am dortigen Konservatorium Gitarre. Seit etwa 20 Jahren lebt er in Zürich, wo er 2009 mit dem Jugend Sinfonieorchester des Konservatoriums Zürich unter Leitung von Massimiliano Matesic eine sehr erfolgreiche Konzerttournee durchführte. Hier konnte er seine Songs in einem klassischen Rahmen einbringen und interpretieren. Davon gibt es eine hervorragend produzierte Live-CD. Seit kurzem wird über das Projekt in einigen Großstädten ein Dokumentarfilm "Zwischen Inseln" gezeigt, was die Hoffnung auf eine bald erscheinende DVD nähren dürfte.

Mein Zugang zu ihm war rein zufällig, als vor einigen Jahren im Fernsehen zu mitternächtlicher Stunde Ausschnitte aus dem legendären Konstantin Wecker-Konzert zu dessen 60. Geburtstag im Jahr 2007 gezeigt wurden (eine absolut empfehlenswerte DVD gibt es hiervon!). Ausschnitte deshalb, weil man dem Fernsehzuschauer wohl nicht die volle Länge des Konzertabends zumuten wollte: Nämlich fünf Stunden inkl. Pause. Zu diesem denkwürdigen Abend brachte Pippo Pollina seine musikalischen Geschenke mit, auch im Duett mit Wecker. Pollina bemerkte beim Bamberger Konzert mal augenzwinkernd: "Zweistündiges Konzert und dann noch 58 Zugaben". Weiter meinte er, Wecker habe geschwitzt wie ein Brunnen und sei von Lied zu Lied schmäler geworden. Sein Mutterwitz war einfach köstlich... Er erzählte zum Beispiel, dass er das deutsche Wort "knapp" für das schönste halte. Warum? Weil es das Wort im italienischen nicht gäbe. Hierfür brauche man sechs Wörter zur Umschreibung.


Roberto Petroli

Das Konzert wurde mit einem "Special Guest" angekündigt: Roberto Petroli, ein begnadeter Saxophonspieler und Klarinettist. Man durfte also gespannt sein, wie diese Kombination live umgesetzt würde. Im vollbesetzten großen Saal der Bamberger Volkshochschule wartete man nun gespannt auf das musikalische Ereignis. Kurz nach 20:00 Uhr betraten die Musiker die Bühne: Dezentes Bühnenlicht in sanften Farben begleitete das gesamte Konzert, um nicht von den Songs und ihren Inhalten abzulenken. Im ersten Teil vor der Pause las Pippo Pollina fast nach jedem Song Passagen aus seinem Buch "Über die Grenzen trägt uns ein Lied" vor, das private wie öffentliche Stationen seines Lebens beleuchtet. Seine Geschichten und Anekdoten gerieten zu einem lebendigen Exkurs durch eine mehr als 30-jährige Musikerkarriere, die mit Hintergrundprojektionen illustriert wurde. Man sah Ausschnitte aus alten Videos, wie z.B. einen Auftritt beim Wiener Folkfestival 1984 mit seiner Band "Agricantus" und aus einem anderen Konzert fünf Jahre früher. Weiter aus einer Talkshow des italienischen Fernsehens vom Dezember 1983: Die tragische Geschichte des italienischen Schriftstellers, Journalisten und Theaterautors, Guiseppe Fava, der angesichts der politischen Verhältnisse in Italien kein Blatt vor den Mund nahm. Man musste ob seiner mutigen Aussagen Angst um ihn haben. Zwei Wochen danach wurde er ermordet.

Seine Lieder, die er mit kraftvoller Stimme, aber auch sanft in italienischer Sprache vortrug, haben meist gesellschaftskritische Inhalte mit politischem Focus. Natürlich durften wunderbare poetische Balladen und rockige Songs nicht fehlen. Schade, dass nur die anwesenden Italiener oder Teilnehmer italienischer Sprachkurse die Texte verstehen konnten. Die Inhalte wird man aber sicher anderswo nachlesen können.


Pippo Pollina

Ein besonderes Highlight war die Yves Montand-Komposition "Bella ciao", bei der der halbe Saal mitsang und -klatschte. Aber auch sein Song "Terra" ("Über die Grenzen trägt uns ein Lied") ging unter die Haut. Was ich persönlich vermisste, war sein Song "Questa nuova realtà" aus dem Wecker-Konzert ("Was für eine Nacht"). Dieser beeindruckende Song ist weiter unten als Clip zu sehen...

Das musikalische Zusammenspiel war einfach perfekt. Pollina brillierte am Keyboard (sonst auch an Klavier oder Flügel), an der akustischen Gitarre und bei einer instrumentalen Improvisation mit dem Tamburin in einem furiosen Wechselspiel mit Roberto Petroli. Da tobte der Saal. Petroli schien keine Lunge zu haben. Seine Improvisationen auf Saxophon und Klarinette - auch bei anderen Songs - waren buchstäblich atemberaubend.

Interessant waren Pollinas Ausführungen über beabsichtigte Adaptionen von Songs anderer Künstler. So habe er einmal die Witwe von Jaques Brel in Belgien angerufen, um die Genehmigung für eine italienische Version des wunderschönen Songs "Amsterdam" zu bekommen. Er habe also in schönstem Französisch sein Anliegen vorgetragen und so gut wie keine Resonanz am anderen Ende der Leitung erfahren. Dann habe Frau Brel einfach den Hörer aufgelegt. Gut zwei Wochen später sei zu seiner Überraschung die Genehmigung gekommen.


Pippo Pollina & Roberto Petroli

Dagegen sei der Kontakt mit dem seinerzeitigen Manager der Rockband LED ZEPPELIN nicht so erfreulich gewesen: Manager Peter Grant (+ 1995) habe sofort abgelehnt, einen Song in die italienische Sprache adaptieren zu lassen, weil es die Band nicht dulde, dass ihre Songs in anderen Sprachen gesungen würden. Pollina fügte hinzu, dass er immer darauf bedacht sei, eine Übersetzung einfühlsam zu realisieren, weil wortwörtliche Übersetzungen nicht immer mit dem Duktus einer Melodie in Einklang zu bringen seien. Ja, dann habe er erfahren, dass kurze Zeit nach seinem Kontakt der Manager verstorben sei. In seiner typisch schelmischen Art fügte er hinzu: "Ich weiß, was sie jetzt denken... "

In der Pause und nach dem ca. 140-minütigen Konzert konnten sich die Fans aus mittlerweile 17 CDs (in diesen Tagen erscheint die 18.!) und zwei DVDs ihre Wünsche aussuchen und sich auch das Buch signieren lassen.
Für das kommende Jahr kündigte er eine Tournee mit dem bayerischen Liedermacher Werner Schmidbauer an und versprach, wieder in Bamberg Station zu machen.

Wenn dieser sympathische Künstler mal in Eurer Nähe gastieren sollte, unbedingt ein Konzert besuchen! Es werden mit Sicherheit mehrere im Lauf der Zeit werden...


Die nächsten Termine:
04.12.2011 - Eichstädt - Zum Gutmann
05.12.2011 - Ingolstadt - Neue Welt
06.12.2011 - Wendelstein - Casa de la trova
07.12.2011 - Mannheim - Schatzkistel
09.12.2011 - Ravensburg - Zehntscheuer

nähere Infos auf der Homepage von Pippo Pollina...



Bitte beachtet auch:
- off. Homepage von PIPPO POLLINA: www.pippopollina.com
- Homepage von Pippo Pollinas Agentur: HIER
- Homepage zum Dokumentarfilm "Zwischen Inseln": www.zwischeninseln.com






Flyer zu "Zwischen Inseln":







Live-Impressionen:






































Clips:








Lizenz für die Clips: Standard-YouTube-Lizenz