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Tino Eisbrenner - Hoffest zu Plath vom 31. Juli 2010 bis 1. August 2010 (Geschichten von Musikern und Straußen) Bericht: Toralf Schneider Fotos: Catrin Herzfeld
Warm die Atmosphäre, beinah jeder wird persönlich begrüßt, Zelten auf seinem Hof und gemeinsames Lagerfeuer in der Nacht. Nun ja, wie immer sind Cati und ich zu spät in Berlin losgefahren, die Entfernung dann doch unterschätzend, und als wir ankamen war die Party schon in vollem Gange. Schnell noch einen Platz für Auto und Wohnwagen gesucht und los... Gerade rechtzeitig für Lautaro aus Chile, mit genialer Stimme und genialem Gitarrenspiel, hab ihn schon oft dort bewundert, er singt nur noch dort Songs von Pablo Neruda und Victor Jara... ein enger Freund von Tino Eisbrenner, beide sind in einem Schulprojekt für die Mapuche (indigene Volksgruppe in Südchile) engagiert... im übrigen ist das auch das Motto, das über allem steht: Gemeinschaft mit den native americans, daran das zu verstehen, liegt Tino Eisbrenner glaub ich sehr viel, VERSTEHEN... und sich auf andere Sichtweisen einlassen... Musik statt Krieg, so nennt er das... bin ich voll dabei... Damit geht's dann auch gleich weiter, andere Sichtweisen... wie kann man eine Harfe anders spielen? Das haben Jeanine Vahldiek an der Harfe und Steffen Hass an den Geräuschinstrumenten (partiell verstärkt durch Christian Merz am Bass) gleich unter Beweis gestellt. Eine sphärische Musik, verträumt, eindringlich, rhythmisch doch, irgendwie anders... und sehr sehr schön, irgendwie isländisch... überraschend... Da kommt man irgendwohin, geht Wege, die man grad eigentlich gar nicht gehen wollte. Die Musik ist wie ein Joint. „Irony“ sehr schön, elfenhaft, „Never Ever“ mit Tiefgang und „My Choice“ geht einem nach kurzer Zeit, als wunderschönes Liebeslied, schon nicht mehr aus dem Sinn... 52 Saiten Harfe, harmonisch mitnehmend und hinterfragend, einfach anders... zusammen mit der Cajon von Stefan... sehr geile Nummer... und wenn man bedenkt, dass die beiden erst seit 3 Monaten zusammen Konzerte geben... Hut ab... Nach kurzer Umbaupause dann Eisbrenner und die Glorreichen Sieben! Sozusagen der Hauptact. Und der war es dann auch! Hab den Eisbrenner selten mit so 'ner Spielfreude und mit so 'ner kräftigen Band im Rücken spielen sehen (Vielleicht ausgenommen in den Achtzigern im Osten, kann mich da noch an so ein Konzert erinnern, als sie Support von Roger Chapman waren). Geht wieder richtig ab, kraftvoll und voll von Rock. Fetter Einstieg schon mal mit "Spieler", der alten Jessica-Nummer. Und doch ist nichts daran alt, sondern so wie sie rocken, ist es neu! Die Jungs und Mädels übrigens: Andrè Drechsler (git) Mathias Fuhrmann (drum) Alejandro Soto Lacoste (key) Ferry Grott (tromp) D.-Mercedes Wendler (sax) Frank Hultzsch (posaune) Oliver Siegmann (bass) Sehr intensiv auch die immer wiederkehrenden Reminiszenzen an Sting ("Englishman In New York") und die „Kleinen Mädchen“ in Jazz verpackt... Und natürlich der rappende Ferry Grott... Das alles hat schon Big Band Charakter, im besten Sinne des Wortes... kommt echt kräftig rüber... nix mit angestaubt sein, sondern Rock pur... breiter Sound und immer noch der charmante Entertainer... Dann „Invisible Sun“, zurück zu Sting... fügt sich perfekt ein, die beiden sind zumindest Brüder im Geiste. Fühlt sich einfach nur gut an... und nimmt einen mit... Danach „Mama“, beeindruckender Song nach wie vor, der hat nichts eingebüßt, wer ihn kennt, hätt' genau wie ich dieselbe Gänsehaut bekommen. Und wieder Sting, das machen sie wirklich gut, „Material World“ und „Roxanne“... das ergänzt sich einfach genial! Immer wieder schön auch, Tino Eisbrenner und Andre Drechsler zusammen auf der Bühne zu sehen, leicht distanziert zwar diesmal, aber die beiden sind einfach genial. „Der erste Schnee soll fallen“, Zugaben folgten und der Abend fand einen würdigen Ausklang am Lagerfeuer. Sehr cool übrigens die neu ausgebaute Scheune vom Tino, Dank vieler Helfer, ein besseres Konzerthaus kann man sich nicht vorstellen. Den nahliegenden See suchend klang dieser Abend aus, freudig erwartend der Ereignisse des nächsten Tages, die dann eigentlich gar nicht so sein sollten. Denn eigentlich war nur Vorlesen für Kinder und Erwachsene angekündigt. Sozusagen Märchen für alle! Aber wie so oft, kam es dann schon wieder mal anders. Tino änderte einfach, da die Kinder eh alle unterwegs waren, auf ein Solo Konzert mit Alejandro Soto Lacoste. "Hausboot", das neue, gemeinsame Projekt von Tino und Heiner Lürig und die gleichnamige CD, waren Thema. Lieder voll Nachdenklichkeit, geheimnisvoll und zärtlich, melancholisch auf eine ganz besondere Art. Eben besonders halt. So wie das ganze Wochenende! Die Kompositionen stammen von Heiner Lürig, bekannt als kongenialer Wegbegleiter von Heinz Rudolf Kunze, Tino und Heiner sind mittlerweile auch schon lange freundschaftlich verbunden. „Zeit die dir bleibt“ und „Wanderer“ zwei sehr schöne Titel, ab Oktober gehen die beiden auf Tour mit ihrer CD, jedem sei ein Konzertbesuch wärmstens empfohlen. Tino ist mit allerlei Rhythmusinstrumenten zugange, Trommel und Mundharmonika dürfen auch nicht fehlen, ein sehr sinn-(licher) Auftritt, der Spass kam vor allem auch bei einem Kinderlied für Erwachsene nicht zu kurz, „ick schick mer hin zu dir“, eine Adaption eines alten Woody Guthrie Songs, sehr gut gemacht. Den Schlussakzent setzt der „Cowboy-Song“, da man als Blonder schliesslich kein Indianer sein kann. Logisch. „Was kann das Leben, ausser weitergehen“ hoffentlich geht es hier auf dem Vier Winde Hof noch sehr lange weiter!
Frisch und fröhlich stellten er und Tino ihr gemeinsames Projekt „Was ist das Leben“, produziert von Andre Drechsler, vor, eine Sammlung von indianischen Weisheiten über die Welt, das Leben und Liebe. Goyko liest mit eindringlicher Stimme zur wunderschönen Musik von Andre, Tino begleitet ihn dezent, Zwiesprache zwischen Geist, Bedeutung und Musik würde ich es nennen. Sehr angenehm, sehr tief gehend, sehr nachhaltig... Denken und Bedeutung nahebringend... Christian und Alejandro kommen noch dazu und es entwickelt sich eine Session, nicht folkloristisch, sondern sehr einfühlsam und bewegend. Einfach nur schön. Die Weisheit dieser Welt versuchte in uns einzuziehen, Häuptling Seattle sagte dereinst, „Die Erde ist unsere Mutter“, Südamerika traf Mecklenburg und Tino glänzte mit der vollen Breitseite seines künstlerischen Repertoires, laut, leise, melodisch, bedeutungsschwanger, rockig und nachdenklich. So fand dieses Hoffest sein Ende an diesem wunderschönen sonnigen Nachmittag in Plath, und jeder nahm sein persönliches Stück Freude und Erweiterung mit nach Hause. Fazit: "Musik statt Krieg", unter diesem Motto steht das gesamte Schaffen von Tino Eisbrenner, dem ist einfach mal nichts mehr hinzuzufügen! Danke Tino für die Einladung und das wunderschöne Wochenende, wir sind im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder da und alle, die beim Lesen Gefallen gefunden haben, mögen es uns im nächsten Jahr gleichtun. Ach ja die Strauße (siehe Foto oben), die sind sozusagen in Pension auf Tinos Hof und sie machen nachts Geräsche. Welche? Das kann nur Tino realistisch imitieren, was er auch mit Freude macht, hört es euch einfach selbst an.
Fotoimpressionen:
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