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Piramis am 26. & 27.12.2006 in Budapest (Papp-Làszlo-Arena) Bericht: Thomas Jonscher Fotos: Tibor Szakáts
Wer vierzehn Jahre lang in diesem Line-Up nicht auf den Konzertbühnen des Landes präsent war - nimmt man den legendären 5er-Pack vom Dezember 1992 aus, sind es gar vierundzwanzig (!!) Jahre - und dann zwei ausverkaufte Konzerte vor jeweils 12.500 Leuten geben kann, darf getrost zur ersten Liga gerechnet werden. Und läßt man dazu noch die schon seit Ewigkeiten jenseits von gut & böse operierenden OMEGA und die sich gerade zum x-ten Male refomierte Gran Tourismo Locomotive aussen vor, sind PIRAMIS die unangefochtene Nummer 1 der ungarischen Rockgeschichte - was sie bei den beiden diesjährigen Dezemberkonzerten auch eindrucksvoll unter Beweis stellten.
Ein enormes Security-Aufgebot sorgte für die Einhaltung restriktiver Bestimmungen, welche als Daueransage das Publikum vor und in der Halle beschallten. Dass keinerlei Bild- und Tonaufnahmen gestattet waren kann man ja noch nachvollziehen, aber warum die Besucher auch ihre Schusswaffen und Bomben jeglicher Art draußen vor der Tür lassen sollten...? Na egal... Kurz nach 20.00 Uhr eröffneten dann die sechs jungen Maiden einer Budapester Bauchtanzgruppe vor dem beeindruckenden Bühnenbild (welches natürlich in Form einer Pyramide gestaltet war und in die die größte der drei Videoleinwände integriert war - Licht- und Tontechnik lag in den bewährten Händen von SKORPIÒ-Mastermind Károly Frenreisz und seiner Omega Kft., welche u. a. auch schon für die optische und akustische Präsentation verschiedener OMEGA-Mega-Events in den 90ern verantwortlich zeichnete) zu orientalischen Klängen den Abend und zogen dann nach ca. drei Minuten - unter einem unglaublichen Jubel des Publikums - mit ihren Schleiern die einzelnen Bandmitglieder auf die Bühne zu ihrem jeweiligen "Arbeitsplatz", wo diese sich dann nach und nach in diesen Sound eingroovten und übergangslos den hymnischen Reigen mit "Gyere közelebb" (Komm näher) eröffneten, begleitet dabei vom text- und intonationssicherem Auditorium. Schon allein dieses Erlebnis ist ein bleibendes: Zwei Meter vor uns Sándor Révész zu sehen und zu hören, und im Rücken einen vieltausend-stimmigen Backgroundchor, der erst nach dem Ende der jeweils zweieinhalbstündigen Konzerte langsam verstummte - das war Gänsehaut pur, da stellten sich auch jene Nackenhaare auf, die man gar nicht hat. (Wer die 92er "Szeress"-DVD kennt, kann sich schon eine ungefähre Vorstellung davon machen, wie dann erst die Live-Erfahrung sein muss...) Révész schien in den letzten Jahren vor allem die Choreographie von Mick Jagger intensiv studiert zu haben, und so präsentierte er sich dann auch wie dieser als ruhe- und rastloser Frontmann, der nach Belieben das Publikum dirigieren kann - allerdings mit einem kleinen, aber bezeichnenden Unterschied: Es wirkte nicht aufgesetzt und anbiedernd, sondern harmonischer in der Ausstrahlung, "runder" in den Bewegungen und somit einfach mal “ne ganze Klasse besser... Dazu diese unglaubliche Röhre, deren Volumen und Intensität die biologischen Gesetze von Alter und Verfall augen- und ohrenscheinlich aushebelt - da verdrücken Ian Gillan und David Coverdale wohl mehrere nostalgische child-in-time-Tränen heimlich im Knopfloch der Erinnerung und auch Robert Plant dürft das große Staunen bekommen... Und so folgte dann ein Klassiker dem andren aus dem reichhaltigen Fundus kreativer Genialität, eine Steigerung schien uns nicht mehr vorstellbar, wähnten wir uns doch bereits im musikalischen Garten Eden - und wurden doch wieder einmal eines besseren belehrt: Bei den Anfangsakkorden zu "Szabadnak születtem" (Frei zu sein , bin ich geboren) schien die Sportarena, die ohnehin die Architektur eines überdimensionalen Ufos hat, endgültig in eine andere Galaxie abzuheben... Beim ersten Auftritt am Dienstagabend stand das Konzert nach einer guten Stunde allerdings auf der Kippe: Sándor Révész war bei einem seiner Sprünge dermaßen unglücklich auf den Füssen gelandet, dass er fortan nur noch im Sitzen agieren konnte. Und was sich für uns zunächst wie eine Stauchung oder Zerrung darstellte, entpuppte sich schließlich als Riss der Achillessehne... Trotzdem entschied er sich für eine Fortsetzung und auch den Auftritt am Mitwoch absolvierte er mit diesem üblen Handicap, lediglich bandagiert und mehr schlecht als recht schmerzfrei gespritzt, aber mit einer Intensität und Hingabe, die unglaublich ist!!! Zumindest nach aussen hin nahm er“s mit Humor und so eröffnete er das Mittwochskonzert mit einer kleinen "Danksagung an die vielen, vielen Krankenbesucher", um danach loszupowern, als sei eine derartige Verletzung quasi Voraussetzung für die Darbietung magischer Momente. Ein solcher war dann auch die längst überfällige öffentliche Würdigung des PIRAMIS-Texters Attila Horváth, der sichtlich berührt die Beifallsbekundungen der Konzertbesucher (auf den Rängen: Standing Ovations!!) entgegennahm, und dem es "eine große Freude im Herzen ist, die Menschen zu sehen, die seit so langer Zeit meine Texte in sich tragen und die euer Leben schon so lange begleiten". (Dazu fällt uns nicht unbedingt Vergleichbares aus hiesign Gefilden ein) Nachdem dann noch einmal "Szeress!" (Liebe!), jetzt mit Unterstützung des Corvinus-Streichquartetts, erklungen war, ging es an die Verabschiedung. Eingebettet in einen ihrer größten Hits, "A becsület" (Die Ehre) das Band-Introducing: Vorgestellt wurde jeder mit den Anfangstakten eines Titels, der ihn in seiner Jugenzeit sozusagen den späteren Weg wies. Den Anfang machte das Intro von Jimi Hendrix“ "Stone Free" für Schlagzeuger Miklos "Pinyó" Köves, der u.a. seit Ewigkeiten bei TÖRÖK ÀDAM és A MINI trommelt und der - die Ruhe selbst - zehn Minuten vor dem Konzert noch zu uns kam, um uns wissbegierigen Deutschen ("ezek a németek") noch ein paar Fragen zur PIRAMIS-Vita zu beantworten: Hörte zu, antwortete ausführlich, schrieb gar noch einen kleinen Gruß für die Leser von ostmusik.de und ging dann mal eben trommeln, als täte er dies probehalber im Übungsraum und nicht in Budapests größter Rockarena... "Gimme Some of Loving" von der Spencer Davis Group galt dann Tastateur und kongenialem Révész-Duett-Partner Péter Gallai, welcher nicht nur als einer der besten Keyboarder Ungarns gilt, sondern auch eine Vielzahl der Titel für PIRAMIS komponierte. Dann kam die Reihe an - O-Ton Révész: "a magyarország legszebb gitára" (die schönste Gitarre Ungarns) János Závodi, der, verantwortlich für die härtere Gangart im PIRAMIS-Repertoire, zu den Takten von "Sunshine Of Your Love" die Ovationen der Fans entgegennahm und nebenher den Groove mehrerer Bands mit seiner exzellenten Fingerfertigkeit veredelt: The Rock Band, A Cream Emlékzenekar u. a., nicht zu vergessen seine gern gesehenen very-special-guest-Auftritte mit der PIRAMIS-Coverband Piramixx, denen er mit seiner Präsenz die höhere Weihe gibt... FREE - "Alright Now" - Das konnte nur einem gelten: Bandgründer und Spiritus Rector Lájos Som, der immerhin so weit auf dem Wege der Rekonvaleszenz fortgeschritten war, um wenigstens die ersten drei und die beiden letzten Titel mitzuspielen und dessen Part der sehr junge Attila Paróczai übernahm und der laut Révész auch zukünftig PIRAMIS begleiten wird. Nach Danksagung an alle in die Vorbereitung und Umsetzung der Konzerte involvierten Personen und Unternehmen und ausführlicher Würdigung der Sponsoren dann weitere Akkorde aus der Unvergänglichkeits-Abteilung des Rock-Universums für eine der Lichtgestalten der ungarischen Rockgeschichte: Zu Led Zeppelins "Whole Lotta Love" und einem schon orgiastisch zu nennenden Aufschrei bei der Verkündung des Namens: Sándor Révész... Nachzuhören und Anzuschauen wird dies alles hoffentlich spätestens im Frühsommer diesen Jahres sein, sind doch DVD und CD vom Konzert in Planung und reichlich Material vorhanden - World Wide Pictures waren mit fünf Kameras auf und vor der Bühne vertreten, dazu noch das ganz große Geschütz am schwenkbaren Kran. Im nicht gerade arm an Glanzlichtern zu bezeichnenden Konzertjahr 2006 waren diese beiden Abende das absolute, definitive, ultimative (usw. usf.) Highlight, oder, um den ungarischen, nicht zu überbietenden Superlativ zu benutzen: CSÙCS !!! Bleibt zu hoffen, dass die besonders vom Boulevard lancierten Gerüchte und Spekulationen sich auch als solche herausstellen, und PIRAMIS noch desöfteren zeigen können, wer im Rock-Olymp auf dem Thron sitzt... Unser Dank für diese beiden unvergesslichen Tage & Nächte gilt zuallererst Eszter Hámori vom PIRAMIS-Management, dem Eigentümer und Herausgeber von Ungarns einflussreichstem Musikmagazin "lemezbörze,...plusz", Dr. Mátyás Csabai und natürlich: ATTILA HORVÀTH !!! ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
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