Loveparade 2008 in Dortmund


Bericht: Christian Reder
alle Fotos: Matthias Graben (WAZ)




Um eins vorweg zu nehmen: NEIN, ich bin kein Fan dieser Musik und dieser Bewegung. Doch wenn eine Veranstaltung wie die am Samstag in Dortmund zelebrierte Loveparade Rekorde bricht, so gute Stimmung verbreitet und Millionen von Menschen einen schönen Tag bereitet, dann ist es uns einen Bericht wert.
Unter dem Motto "Highway Of Love" hat die Partygemeinde kurzerhand eine ganze Autobahn lahm gelegt. Die B1 in Dortmund ist die Hauptverkehrsader der Stadt und hat mit 100000 Autos pro Tag eine Menge Verkehr. Wer das Ruhrgebiet nicht kennt, wird vielleicht nicht wissen, dass es eine einzige große Stadt ist. Hier reiht sich Großstadt an Großstadt (Bochum grenzt z.B. sowohl an Dortmund als auch an Essen), und da bleibt es nicht aus, dass die "Ausläufer" einer solchen Riesenparty jeden Winkel des "Pott", wie der Ruhrgebietler seine Heimat liebevoll nennt, erreichen. So tummelten sich schon am Freitag obskure Gestalten auch in meiner Heimatstadt Castrop-Rauxel. Knallbunt gekleidet und guter Laune fieberte man dem Ereignis entgegen.
Die Wettervorhersagen für den Samstag sahen alles andere als gut aus. Das Hoffen darauf, dass der Kelch nochmal an der Feiergemeinde vorüber gehen würde, konnte man sich von Anfang an klemmen. Das Unausweichliche kam dann auch im Laufe der Veranstaltung von oben. Doch trotz der drohenden Schlechtwetterfront, und auch nach dem Eintreffen des sintflutartigen Regens, änderte sich nichts an der guten Partystimmung. Pünktlich um 14.00 Uhr eröffnete DJ Westbam das Spektakel unter tobendem Applaus des Publikums. Bedingt durch die vielen Gäste konnten sich die insgesamt 37 Wagen, auf denen "die Musik spielte", erst mit einer Stunde Verspätung in Bewegung setzen. Doch schlechtes Wetter und die Verspätung konnten die Stimmung nicht trüben. Es war von Anfang an ein gigantisches Event. Mehr als 1,6 Millionen (!!!) Gäste trafen am Samstag in Dortmund zum Feiern ein. Menschen mit teilweise skuriler Kleidung, aller Altersgruppen (selbst Fans im Rentenalter) und aller Nationalitäten trafen sich zum Rave auf der Autobahn. Nicht nur das "Fußvolk" war da, auch die Politik war vertreten: Der Oberbürgermeister von Dortmund lud seine Amtskollegen aus den anderen Ruhrgebietsstädten ein, um dem bunten Treiben auf einer Ehrenloge zu folgen. Auch die Prominenz mischte sich unter das Party-Volk. Live dabei waren u.a. Ross Antony (Ein gutes Bespiel dafür, dass man auch dann ständig und überall zu sehen ist, wenn man momentan nichts sonderlich Berauschendes vorzuweisen hat) und Wladimir Klitschko. Sie alle erlebten einen Besucherrekord (die bisherige Spitze stammte mit 1,5 Mio noch aus berliner Zeiten), 37 Floats (Party-Wagen) aus 15 Ländern und eine 7-stündige Abschlussparty (ebenfalls ein Novum). Die Party wurde live in 53 Länder übertragen. Was das Ganze aber noch beeindruckender werden läßt ist die Tatsache, dass alles fast ohne Krawall und Schlägereien abgelaufen ist,... dass so viele Menschen friedlich feiern und sich freuen können. Schon am gestrigen Sonntag vermeldete die Polizei (sicher nicht ganz ohne Stolz), eine insgesamt ruhige Veranstaltung. Höhepunkt war wohl der Besuch und die Teilnahme des DJ-Superstars MOBY aus den USA. Im vergangenen Jahr blieb er der Veranstaltung fern, in Dortmund aber war er dabei!
Am Ende des Umzugs folgte oben erwähnte Abschlusskundgebung, die nichts anderes als ein 7-stündiges Konzert auf einer riesengroßen Bühne war. Lichtarchitekt Gert Hof zeigte sein "Colosseum of Light", während wechselnde DJs aus einer farbenfroh beleuchteten Muschel heraus die Massen vor der Bühne mit Rave- und Technoklängen beschallten. Es war Dortmunds längste Nacht, auch nach dem Ende der Abschlusskundgebung. Zahlreiche Clubs und Kneipen in Dortmund erwarteten die Partygemeinde für die "Aftershow-Party".
Was bleibt zurück? In einer großen Zeitung steht heute geschrieben: "Wo wir feiern, wächst kein Gras mehr". Und das ist Tatsache! Der Mittelstreifen der B1, sonst immer grün, gleicht heute einem Schlachtfeld. Die Regengüsse am Wochenende sorgten mit dafür, dass der ehemalige Grünstreifen heute nur noch eine Matschlandschaft ist. Die Gärtner der Stadtverwaltung Dortmund haben alle Hände voll zu tun, hier wieder für Ordnung zu sorgen. Aber das wächst wieder... fröhliche Menschen in teilweise lustiger Verkleidung veranstalteten mitten im Sommer ein weiteres Karneval im Jahr. Auch wenn man die Musik nicht unbedingt mag, eine solche Veranstaltung hat schon etwas Besonderes, wenn so viele Nationen gemeinsam friedlich feiern und dabei Rekorde aufstellen. Im nächsten Jahr geht's weiter... dann in Bochum!




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