Klaus Lenz Big Band und Ten Years After
live in Berlin am 3. und 4. September 2010


Bericht: Eva Hollerung
Fotos: Eva Hollerung







Es liegt ein unbeschreibliches Wochenende hinter uns. Musik, Musik und nochmals Musik. Für das Konzert der Klaus-Lenz-Bigband hatten wir die Karten schon seit einem 3/4 Jahr. Und solange haben wir uns auch darauf gefreut. Ich hatte nur eine vage Vorstellung, was mich in Köpenick erwarten würde. Klaus Lenz kannte ich nur von alten Kassettenaufnahmen aus guten alten DDR-Zeiten, die nach seinem Wegzug aus der DDR als Geheimtip durch die Fürstenwalder Jazzszene geisterten. Lajos hatte ihn Anfang der 70ger Jahre schon live erlebt.

So waren wir beide gespannt. Ich sage Euch: eine Jazz-Bigband ist ein Erlebnis für sich. Der Klangteppich der sich in der wunderbaren Akustik des Köpenicker Rathaushofes ausbreitete war überwältigend. Posaunen und Trompeten, Saxophone und eine Flöte, Orgel, Bass- und Melodiegitarre, alles gespielt von exzelenten Musikern und gekrönt durch die Gesänge von Uschi Brüning und Hansi Klemm. Die diversen Instrumentalsoli, hervorheben möchte ich Ernst "Luten" Petrowsky am Saxophon, Christian Meyer an der Trompete und Jarek Smietanamit der Gitarre, waren eine Klasse für sich. Dass auch Klaus Lenz selbst seine Trompete noch virtuos blasen kann, war ebenfalls nicht zu überhören. Kurz: nicht nur wir waren begeistert. Der Hof tobte und ehrte die Musiker mit stehenden Ovationen. Schade, dass das ganze ein Projekt bleibt, es machte mir wieder ordentlich Lust auf Jazz!

Am Samstag weckte mich Lajos um 17.00 Uhr vom nach meinem Frühdienst wohlverdienten Mittagsschlaf: "Auf! Zum nächsten Event!" Ich bin noch müde und habe überhaupt keine Lust. Aber mein Göttergatte lässt nicht locker. Ten years after sind auf der Parkbühne Biesdorf angekündigt. Ich weiß ja, dass auch alte "Säcke" noch mitreißend Musik machen können. Und in Woodstock war die Truppe definitiv toll. Aber wer macht morgen meinen Frühdienst? Schließlich siegt die Neugier und Lajos' unbedingter Wille, diese Mugge nicht zu verpassen.

Wir kommen wider Erwarten noch pünktlich und erleben auch die Vorband. Dirty Past heißt die Truppe. Wir sind zunächst positiv angeturnt: kraftvolle Rockmusik, die ersten Tänzer vor der Bühne. Nach dem vierten / fünften Titel wird's uns aber langweilig: Wenig Spannung, immer wieder dasselbe. Außerdem regnet es und wir wollen Ten years after hören. Um 20.15 Uhr ist es endlich soweit.

Vier Musiker auf der Bühne, nur der Sänger und Gitarrist gehört nicht zur alten Woodstock-Crew. Das Durchschnittsalter dürfte also ziemlich hoch sein. Aber die Post geht immer noch ab bei den Jungs. Wieder erlebten wir einen unglaublichen Klangteppich, ganz anders als gestern aber einfach schön. Die Jungs sind unglaublich gut aufeinander abgestimmt: Ein Basser der sich als Melodiebasser mit dem Gitarristen und dem Organisten die Bälle zuwirft. Soetwas habe ich selten erlebt. Auch das ca 10-minütige Schlagzeugsolo ist einfach unbeschreiblich. Mich hält nichts mehr auf dem Platz. Die Beine zucken und ich muss tanzen. Und das geht nicht nur mir so. Die Tanzfläche vor der Bühne ist voll. Und auch der Himmel hat sich erbarmt. Der Regen hat aufgehört. Nur schade, dass auch auf der Parkbühne Biesdorf nur eine begrenzte Zeit für laute Musik zur Verfügung steht, weil irgendwelche Anwohner sich gestört fühlen. Der morgige Frühdienst ist total vergessen (war auch nicht so schlimm), wir wollen Zugaben und bekommen leider nur eine.

Beschwingt, ausgepumpt und total begeistert kommen wir gar nicht so spät abends nach Hause. Ein richtig rundes Wochenende geht zuende. Danke an alle beteiligten Musiker und an alle anderen Beteiligten!!!