Stephan Krawczyk: Wohnzimmerkonzert
am 07.09.2008 in Berlin Kreuzberg




Bericht: Dietmar Meixner
Fotos: Dietmar Meixner




Man trifft sich einmal im Jahr, immer am 07. September in Kreuzberg in der Falkensteinstraße. Es sind fünf Treppen, die erst einmal erklommen werden müssen, um den Lohn in Form einer interessanten gemischten Menschenmenge in einer kleiner gemütlichen Wohnküche auszukosten. Eine geballte Ladung von Journalisten, Musikern, Malern, viele Freunden der osteuropäischen Rockmusik und Geniesser der Ungarischen Küche. Da fehlt eigentlich nur eins: ein gewisser Höhepunkt der diesen Abend auch den nötigen musikalischen Rahmen verleiht. Doch dann klingelte es schon und alles was Stephan für seinen Auftritt benötigt, klemmte irgendwie unter seinen Armen. Drei Gitarren und ein Bandoneon. Ja, da war er wieder: der Poet, der immer was zu sagen hatte und noch sehr viel zu sagen hat. Seine Themen sind die Liebe, der Umgang mit der Umwelt und das Hinterfragen von Gewohnheiten und Gesetzen. Mit satirischen Texten bringt er uns eigene Verhaltensweisen und die seiner deutschen Mitbürger nah. Genau darauf freute ich mich. Stephan brauchte ja auch nicht lange um seine "Anlage" in der Wohnstube aufzubauen, und mein Herz klopfte immer mehr, war ich doch auserkoren den Liedermacher gebührend anzukündigen. Ich sollte nicht länger als 10 Minuten sprechen, und das war gut so. Natürlich hatte sich jetzt das Publikum aus der Küche, den Flur und allen anderen Räumen in Richtung Wohnstube begeben. Stephan fing auch gleich mit seinen bekannten Liedern an, wie "Nimm mich heut in deine Arme; morgen bin ich schon ein anderer".
Er betont auch in seinen Zwischentexten, dass das Leben eine Fügung aus Momenten ist, einen Monat später kann ein Leben ganz anders aussehen, oder auch schon morgen, z.B. durch einen Verkehrsunfall. Deshalb ist jeder einzelne Moment, der in Liebe vereint, wichtig. Natürlich kam auch das älteste "Wesen" im Zimmer zum Einsatz: das Bandoneon (über 150 Jahre alt), aber im Wechsel mit seinen zwei "großen" Gitarren und der kleinen (von sein Sohn).
Stephan schaffte es mit seinen Erzählungen wischen den Liedern den Leuten auch so mache "Lachträne" zu entlocken. So auch bei der wundersamen Geschichte vom Einkauf im Supermarkt, wo sich ein Pärchen vor der großen Herausforderung befand, ihr Leben grundsätzlich zu ändern. Es ging um die schwerwiegende Entscheidung vom Toilettenpapier mit drei Lagen auf vier oder fünf Lagen umzusteigen. Da man sich nicht entscheiden konnte, entschied man sich für's Risiko, und nahm Toilettenpapier mit einer Lage... Stephan übersetzte auch das Wort Arbeit in Not und Müsal. Er machte damit klar, wie schwer es der Bundesregierung fiel, alle Menschen in Not und Müsal zu bringen... Schluss damit, denn im Mittelpunkt standen seine Lieder und somit ließ er die Schwalben hoch fliegen, brachte Lieder seiner CD "Terrormond" von 1993. "Eva" passte natürlich total an diesem Abend, schließlich war sie die Gastgeberin. Der "Fisch Erich" durfte natürlich auch nicht fehlen... und und und. Geschwatzt wurde danach bis zum bitteren Ende. Aber was heißt hier geschwatzt? Das waren schon Themen der Zeit und der Politik.
Seinen Frieden hat er ja gemacht mit der Vergangenheit: "Man kann nicht immer in der Vergangenheit verharren", so heißt es in seinem autobiografischen Roman "Der Narr". Aber auch die heutige Zeit braucht so einen wie Stephan Krawczyk.
Ein sehr tiefgehender Abend mit schönen Liedern und Texten die uns allen etwas zu sagen hatten. Wir verabredeten uns zum Schluss bei ihm zu Hause, da es noch viel zu erzählen und für deutsche-mugge viel zu berichten gibt.




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