KARUSSELL live am 14. Februar 2009
im Neu-Helgoland in Berlin
(Teil 2)



Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel, Rüdiger Lübeck





Kinder, wie die Zeit vergeht! Gerade noch über das Abschlusskonzert des letzten Jahres im November berichtet, schon sind wir mitten im Februar. Und zum Glück endlich mal wieder mitten drin bei Karussell. Ich hatte große Sehnsucht, litt bereits unter KARUSSELL-LIVE-ENTZUG. Es war das erste Berlinkonzert seit ihrem großen Comebackkonzert vor einem Jahr in der Grimmaer Muldentalhalle. Damals fuhr ich unwissend nach Grimma, war neugierig, was mich wohl erwarten würde. Ich war begeistert und kann heute sagen, dass sich die KARUSSELLer inzwischen mit ihren Live-Konzerten in der Musikszene neu etablieren konnten. Nach wie vor bin ich über ihren Neustart sehr erfreut. Mein Heimvorteil brachte die Vorfreude fast zum Überschwappen. Nur die Auswahl der Location verschreckte mich ein wenig. Wer schon im Neu-Helgoland war wird wissen, dass es sich vor Ort um "Sitzmuggen" handelt. Und dieses "Sitzen" konnte ich mir bei einem Konzert dieser Rockband überhaupt nicht vorstellen. Das Neu-Helgoland liegt im Bezirk Köpenick OT Müggelheim, mitten im Wald direkt an der Müggelspree, sogar mit Schiffsanlegesteg. Im Sommer sicher ein beliebtes Ausflugsziel.
Sehr zeitig machte ich mich auf den Weg, denn ich wollte schließlich den Soundcheck erleben und die Location begutachten. Die Techniker waren bereits vor Ort, und kaum hatte ich mich etwas umgesehen, traf auch schon die Band ein. Nach einer herzlichen Begrüßung checkten sie die Bühne, ihre Instrumente und einige Zeit später erfolgte dann der Soundcheck. Kritisch nahm ich die vielen Fensterscheiben gen Wasserseite zur Kenntnis, dachte dabei natürlich an den Sound. Die Seitenwände sind mit vielen gerahmten Künstlerportraits verschönert, es gab viele deutsche Musiker zu entdecken. Der angekündigte Einlass wurde auf Grund der winterlichen Temperaturen von 19:30 Uhr auf 19:15 Uhr verlegt. Gerade verschwanden die KARUSSELLer hinter der Bühne, trafen auch schon die ersten Gäste ein. Das Neu-Helgoland pflegt eine gewisse Tradition: Alle Konzertbesucher werden an der Tür freundlich begrüßt und nach Entrichtung des entsprechenden Obolus oder auch Vorzeigen der bereits vorhandenen Tickets an ihren Tisch geleitet.
Nachdem sich alle gestärkt hatten, konnte um 21:10 Uhr das Licht gedämmt werden. Der volle Saal erleuchtete im blauen Licht und Joe betrat für das Intro die Bühne. Er verzauberte das Publikum mit berauschenden Klängen seines Keyboards und eröffnete den Abend: "Karussell ist zurück, zeigt uns dass ihr da seid", kurzzeitig vom Klatschen der Gäste unterbrochen, "und jetzt kommt die Band". Das waren die richtigen Worte, die Worte die ich hören wollte. Der Beginn des Konzertes ist für mich ein irrer Glücksmoment. Es geht los, ich bin da, die Band auch, und das komplette Konzert steht noch bevor. Da standen sie, die KARUSSELLer, und legten gleich mit "Der Gitarrist" ordentlich los. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass das Publikum die Band ganz genau beäugt und auf jeden Ton achtet, so nach dem Motto "Haben die es wirklich noch drauf?" Spätestens nach dem zweiten oder auch dritten Titel (würde ich behaupten) hatte KARUSSELL bestanden. Kein Wunder, denn Jan, Oschek und Hans waren als Dreierpack mit ihren Instrumenten am vorderen Bühnenrand zu finden und Joe überzeugte mit Gesang und Harp. Er kündigte vorab den "Bruder Blues" mit folgenden Worten an: "Jetzt kommt ein Lied einer meiner größten Vorbilder". Wen er damit gemeint hat weiß natürlich jeder gut informierte Musikfan. "Wenn ihr durchhaltet dann halten wir auch durch", sagte Joe, und Oschek machte nebenher mit Jan gemeinsame Kniebeugeübungen - sie hielten auch durch: Es ist schön, eine Band mit so viel Spielfreude zu erleben.
Später brillierte wieder einmal Oscheks Stimme, er verzauberte alle mit seinem größten Hit "Wie ein Fischlein unterm Eis". Ein Lied zum Träumen und Genießen. Ich hatte im Vorfeld geniale Vorbereitungen getroffen, die dann leider scheiterten. Wunderkerzen sollten beim Fischlein die passende Atmosphäre liefern. Als ich von der Geschäftsführerin erfuhr, dass kein offenes Feuer erwünscht sei, erlosch dieser Traum. Nach einer kurzen Aufklärung hatte ich aber vollstes Verständnis. Durch Brandstiftung wurde das Neu-Helgoland am 01.01.2002 völlig zerstört und mit viel Einsatz, Mühen und Spenden wieder neu aufgebaut. Am Ende ersetzte das Publikum diese Wunderkerzen, sie waren völlig aus dem Häuschen, absolut begeistert, und Oschek fügte mit funkelnden Augen hinzu: "Wie ich sehe, ist das Eis geschmolzen".
Hans glänzte wieder einmal mit seinen Gitarrensolos und war zwischendurch auch auf der anderen Bühnenseite bei Jan zu finden, der seine tiefen Töne voll im Griff hatte. Benni, der einen prima Überblick hatte, denn sein Schlagzeugpodest stand genau mittig im hinteren Bereich der Bühne, überzeugte und bekam zwischendurch Besuch von Oschek. Kurz darauf verließ die Band die Bühne und Benni war für einen Moment Alleinherrscher. Trommelte so lange bis sich alle anderen Musiker wieder auf der Bühne einfanden und in "Autostop" einstimmten. Am Ende hallte den KARUSSELLern ein starker Chor entgegen, alle zählten mit: "Ein und zwei und drei Plätze frei". Als die ersten Takte "Wer die Rose ehrt" zu hören waren, versammelten sich Tanzwütige vor der Bühne. Bei diesem Lied beobachtete ich Wolfi und seine Fingerfertigkeit am Keyboard. Den ganzen Abend hat er von der linken Bühnenseite aus den großen Überblick, achtet auf die richtigen Einsätze und auf den reibungslosen Ablauf. Aber bei diesem Lied lässt er sich gehen, genießt in vollen Zügen. Die Band wurde mit reichlich Beifall verwöhnt, und am Ende hieß es dann "Wiedersehen im Traum". Ich werde nicht nur träumen, sondern wirklich wieder eines der kommenden Karussell-Konzerte besuchen. Schließlich warten auch meine vielen Wunderkerzen auf ihren Einsatz. Es herrschte an diesem Abend eine tolle Stimmung, trotz "Sitzmugge". Übrigens habe ich nur geschätzte zwei Minuten auf einem Stuhl gesessen. Und die Fenster? Daran hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht, der Ton war einfach perfekt. Nach dem Konzert wurden sämtliche Autogramm- und Fotowünsche seitens der Musiker erfüllt. Im Publikum entdeckte ich weitere Musiker. Mir fielen sofort "Berührung" und "Mokka Milch Eisbar" ein, denn Gaby Rückert und Ingo Koster waren zugegen.
Vielen Dank für diesen tollen Abend! Das Karussell drehte sich und wird sich auch weiterhin drehen, denn die KARUSSELLer sind intensiv im Studio mit neuen Songs beschäftigt. Das lässt hoffen...




Foto Impressionen:



Vor der Mugge / Soundcheck (Fotos: Petra Heinzel):



















Das Konzert und danach (Fotos: Rüdiger Lübeck):




















































































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