 |
Das trübe Wetter aus dem Harz ließen wir am Freitag früh zu Hause. Zu viert im Auto setzten wir uns in Bewegung gen Norden. Nach vier Stunden kamen wir ohne Stau in Diedrichshagen bei Warnemünde in unserer Pension an. Nach einer Stärkung in der dazugehörigen Kneipe ließen wir das Auto dort und stellten uns an die Bushaltestelle. Aber der planmäßige Bus ließ uns im Stich, erst der nächste kam pünktlich, dafür tröstete uns die liebe Sonne. Nach Bus- und S-Bahn-Fahrt liefen wir ein Stück bis zum Stadthafen. Dort war unheimlich viel Trubel, überall Verkaufs- und Fress-Buden, große und kleine Bühnen und Rummel mit „Wilder Maus“, Geisterbahn, Karussells, Losbuden und einem Riesen-Kran, der immer ein paar Leute in einer Art Korb nach oben zog. Manchmal sprang ein Bungee-Jumper mit lautem Schrei hinunter, der die Beschallung der Vergnügungsmaschinerie übertönte. Karat würde auf der NDR-Bühne um 21 Uhr auftreten, verriet uns eine große Leinwand links neben der Bühne. Wir hatten noch viel Zeit, ließen uns mit dem Gedränge immer weiter treiben und bestaunten die Segelschiffe, die in den Hafen kamen oder dort bereits lagen.
Zwei Stunden vor Beginn des Konzerts begaben wir uns zur Bühne, schließlich wollten wir vorn stehen, um gute Fotos zu haben. Und spontan hatten wir Nachahmer, die sich bislang zurück gehalten hatten. Die Robin Masters Band (Vorband) und die Karäter wuselten mit ihren Technikern auf der Bühne herum, und mit einer Viertelstunde Verspätung startete die Vorgruppe. Sie spielte alle möglichen englischen Rocktitel nach. Während einer Spielpause sorgte ein NDR-Moderator mit einem Spielchen für Abwechslung. Er holte ein Ehepaar mit kleinem Mädchen auf die Bühne, Mama und Papa sollten im Wettbewerb Karaoke singen. „99 Luftballons“ sang die Frau, „Alt wie ein Baum“ der Herr, letzterer bekam mehr Beifall. Dafür gab es Kleinigkeiten und für das Mädchen ein T-Shirt, in das sie wohl noch einige Jahre hineinwachsen muss. Dann wieder die Robin Masters Band mit Covertiteln.
 |
Nach einem kleinen Umbau startete Karat pünktlich, aber zunächst sehr laut mit übersteuerter Musik. Das gab sich aber nach dem ersten Titel. Am Ende beim „Magischen Licht“ schien mir mit der Übertragung des Keyboards etwas nicht zu stimmen, da kamen die Töne nur bruchstückhaft rüber. Später, als sich Claudius wie üblich bei den Technikern bedankte, erklärte er, woran das lag. Sie hatten stundenlang im Stau gestanden und konnten den Soundcheck nicht so ausführlich wie sonst durchziehen. Wie immer streuten die Karäter die Titel ihrer neuen CD „Weitergehn“ zwischen ihre Hits, und alle kamen gut an. Die Stimmung im Publikum war toll, dicht gedrängt standen die Menschen bis zur Reeling, und obwohl die Veranstaltung eintrittsfrei war, sah ich unter den Konzertbesuchern keinen, der von Alkohol so zugedröhnt war, dass es störte (was ja oft bei solchen freien Events der Fall ist). „Vor solch toller Kulisse haben wir noch nie gespielt“, freute sich Claudius und schaute mit leuchtenden Augen in die Ferne. Nicht nur optisch, auch akustisch war die Umgebung ein Highlight. Zum Beispiel beim Lied „Falscher Glanz“ heißt es gleich am Anfang „Unten am See zogen Schiffe vorbei...“ – kaum gesungen, gaben mehrere Schiffe im Hafen ein Signal ab... Gänsehaut pur!
Störend waren die Security-Leute, die sich direkt vor der Bühne postierten und keine Gnade hatten, nicht einmal bei den professionellen Fotografen, geschweige denn bei uns Fans. Deshalb ist zumindest einer von denen ein paar Mal bei mir im Bild, was kaum zu vermeiden war. Wir können das nicht verstehen, warum die sich nicht an die Seiten stellen können. Wieviele Massen da immer stehen, kann man am besten an den „Sieben Brücken“ testen. Dieses Lied können ja immer alle mitsingen, und das klang dieses Mal einerseits sehr schön und schien andererseits auch aus sehr, sehr vielen Mündern zu kommen. Ich konnte das Ende der Massen nicht sehen, auch weit hinter dem Technik-Zelt und den zahlreichen Buden standen Leute. Besonders faszinierend fand ich dieses Mal die sehr aufwändig installierte Lichtshow. Zudem sorgten zwei Kameraleute – eine mit Standkamera, einer mit mobiler Kamera - und eine schwenkbare Automatik-Kamera für schöne Eindrücke auf der Leinwand neben der Bühne und auf der Bühne hinter den Musikern. Ab und zu fanden wir uns auf der Leinwand wieder, und nach dem Konzert wurden wir sogar angesprochen, „Hallo, Sie haben doch in der ersten Reihe gestanden...“
Nach dem Karat-Konzert setzte die Vorgruppe ihr Programm fort und wir pilgerten noch zur anderen Bühne, wo die Puhdys gerade mitten in ihrem Konzert waren. Da war es genauso voll, natürlich standen wir dann ganz hinten. Der Klang war schlecht, Maschines Stimme zu leise für die dröhnende Musik. Aber abgefeiert wurde auch hier. Alles in allem ein schöner Tag, dem ein weiterer folgte, aber der war rein privat.
Fotoimpressionen:
Fotos von Karin Itzigehl:
Fotos von Familie Alm: