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Starfucker und Karat - die Fete bei Feldschlösschen in Dresden Rockmusik, ein Bierchen und ein wenig "Honky Tonky". Von all dem hatte das diesjährige Brauereifest der Feldschlösschen Brauerei in Dresden ein wenig zu bieten, und wenn man hier gleich um die Ecke wohnen würde, könnte man sich für die 3,00 Euronen symbolischen Eintritt einen wahrhaftig schönen Abend machen. Bier gab es genug, aber Feldschlösschen schmeckt mir nicht wirklich. Sorry, aber Freiberger oder Radeberger sind auch nicht besser! Außerdem war ich Autofahrer und hatte deshalb keinen Bierdurst (zu haben). Doch das war auch nicht der Grund meiner Anwesenheit. Ich bin so'n kleiner Stones-Fan und kenne mich im Back-Katalog der Herren ganz gut aus. Die Tickets für das Original sind mir inzwischen viel zu teuer und wenn ich schon so viel Knete hinblättern soll, dann will ich aber auch den Glimmer-Twins in die faltigen Gesichter sehen können, einen Touch der "Sticky Fingers" spüren und ein Stück vom "Beggars Banquet" erwischen, aber wie heißt es doch gleich: "You Can't Alway Get What You Want"... Dann eben die STARFUCKERS und die von Angesicht zu Angesicht und volle Pulle von vorn.
Vorerst mußte ich auf die Stütze verzichten, denn mit den ersten Tönen der STARFUCKERS mit dem Frontfucker MIKE KILIAN am Mikro begann mein Körper zu erwachen. "Start Me Up" durchzuckte mich wie ein Aufbruchsignal und bei "Let's Spend The Night Together" staunte ich nur noch, woher das viele Adrenalin kam. Ich war in meiner Jugend angekommen und vor mir auf der Bühne gröhlte der Kilian-Jagger und versuchte sogar das Ganze nach Cockney-Slang klingen zu lassen. Wie Jagger tobte er über die Bühne während der Typ, der uns den Richards auf die Rampe zauberte, mit seinen dick beringten Fingern in die Saiten griff. Die beiden schienen tatsächlich das jüngere Double von Jagger & Richards zu sein. Hinter dem Schlagzeug sitzend schlug BERND HAUCKE so wie der echte Charly Watts den Beat'n'Blues in die Trommelfelle und Becken und brachte es dabei fertig, den ganzen Abend nur einen einzigen Kaugummi zu kauen und niemals das Gesicht zu verziehen. Jedenfalls habe ich ihn nicht spucken oder lächeln sehen. Während ich mich mit feuchten Augen und rhythmisch swingend durch meine Jugendjahre träumte, wurde hinter mir kräftig mitgesungen, jedenfalls bei den Refrains. Egal ob richtig laut bei "Get Off Of My Cloud" oder eher schluchzend und an die vergangene Liebe denkend bei "Angie". Mir selbst fiel ad hoc der Text von "The Last Time" wieder ein und "Ruby Tuesday" hab' ich von vorn bis hinten mitgesungen, um anschließend verzückt meiner Nachbarin um den Hals zu fallen. Zum Glück kannte ich die Dame (Sorry Petra). Die STARFUCKER gaben alles, selbst "Sex & Drugs & Rock'n'Roll", wenn auch nur verbal. Jagger nahm meist einen echten Eimer mit Wasser, Kilian frozzelte süffisant vom Spritzen, philosophierte von 1o Kasten Bier (gemeint war Feldschlößchen) und besang die "Klebrigen Finger" von "Brown Sugar". Die Gesten waren eindeutig und der Spaß auf beiden Seiten, oben wie unten an der Rampe. Einfach nur die blanke Freude und rocken bis in die Nacht. Da passte auch "Sympathy For The Devil" mit dem lasziven "Hooh Hooh" und die Gesangsübungen für Männlein und Weiblein vom Disco-Ausrutscher "Miss You". Ich selbst mimte noch einmal den "Street Fighting Man", begeisterte mich für "Paint It Black", ritt in meinen Gedanken versunken auf den "Wild Horses" und tanzte mit den "Honky Tonk Woman" durch die Nacht. Die hätte von mir aus bis zum Morgen dauern können. Doch wer zum Schluß "(I Can't Get No) Satisfaction" in die Nacht schreit, meint das auch so. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, doch das ist schon länger her...
Danach die Band, deren Namen schon mal verkauft und das Ende herbei geredet war. Sie sind wieder auf Tour, wenn auch nicht ständig, und nennen es "Weitergeh'n". Mein letztes KARAT-Erlebnis war schon etwas länger her und meine Neugier groß. Nach gefühlten 48 Stones-Jahren auf der Bühne den Head-Liner zu geben - was für ein schwieriger Übergang. Meine Skepsis war entsprechend groß, doch meine Vorurteile hatte ich vorsorglich zu Hause gelassen. Außerdem kann man für 1,50 Euronen pro Band nicht viel falsch machen, den Bier trinkenden Deutschen (und anderen Durstigen) sei DANK. Die Herren Römer und Schwandt, ihres Zeichens KARAT-Mobiliar, kamen mit ihren Kollegen Liebig, Becker und natürlich Claudius "der Herbert" Dreilich und taten, was Hochkarätiges tun muß - glänzen und strahlen! Dazu waren die alten und beliebten Kult-Songs bestens geeignet und so erklangen "Jede Stunde", "Das Narrenschiff" und die Band ließ den "Albatros" in den Nachthimmel aufsteigen. Vor mir griff ein bestens aufgelegter Bernd Römer in die Saiten und zauberte Griffe zwischen die Bünde, bei denen ich mir sämtliche Finger gebrochen hätte. Sein Spiel kann man getrost einzigartig und sehr persönlich nennen. Vor allem bei den großen Gesten versinkt er in seinem Spiel und beim "Blauen Planeten" verschmilzt er mit Christian Liebig am Bass zu einem einzigen Saiten-Duett. Nachdem sich die Fünf da oben eingespielt hatten, leuchtet jedes KARAT und die Band als Ganzes in die Dunkelheit der Nacht und Songs wie "König der Welt" oder "Schwanenkönig" werden förmlich zelebriert. Hinter mir stöhnt ein Chor aus hunderten Frauenstimmen den schwermütigen Text aus ihren Kehlen. Dazwischen mischen die Herren auf der Bühne dezent einige Songs der neuen CD "Weitergeh'n", machen auf ihr 35. Jubiläum aufmerksam und laden die Anwesenden ein, Anfang Dezember ihre Show im Dresdener Kulturpalast zu besuchen. Leider hab' ich nach dem Konzert vergessen, mir eine Einladung aushändigen zu lassen. Die neuen Songs fügen sich gut zu den alten Klassikern, obgleich ich nicht verhehlen will, dass sie es neben den Überhits von Ed Swillms schwer haben. Einer ist mir neben dem Titelsong besonders in Gedächtnis haften geblieben, weil das Lied über die "Mondscheinkinder" - ein schwieriges Thema - sehr sensibel und dennoch ohne falsches Pathos an die Öffentlichkeit bringt. Respekt! Kein Konzert ging wohl jemals ohne den Kult-Song schlechthin zu Ende und - Maffay sei DANK - kann man den sogar weiter westlich mitsingen. Zum Ende besang der Chor von vielleicht tausend Stimmen mit überwiegend Sächsischem Dialekt gemeinsam den Weg nach Hause: "Über sieben Brücken musst du gehen" und das "Magische Licht" erleuchtete den nächtlichen Heimweg. Kurz nach Mitternacht verklang der letzte Ton und die sieben Brücken zum kollektiven Wohlfühlen wurden wieder abgerissen. Inzwischen ist die erste Herbstkälte in mir hoch gekrochen. DANK eines überaus gelungenen Konzertabends bemerke ich das erst viel zu spät. Zwar bin ich noch immer nicht wirklich ein Fan von KARAT geworden, aber das ist auch nicht nötig um festzustellen, dass man auf anderer Gerede erst dann was geben sollte, wenn man sich in der Realität von der Richtigkeit dessen überzeugt hat. Tut mir leid Leute, die Band war großartig, die klassischen Songs sowieso, das Konzert ein Erlebnis und eine neue CD gibt es auch. Erst mal nachmachen! Es gibt also ein "Weitergeh'n" nach Herbert Dreilich und auch ein Weiterleben. Nach den Vätern kommen die Söhne (und Töchter), so ist des Lebens Lauf schon seit Urzeiten. Von heute an tickt meine KARAT-Uhr ein wenig anders, ohne mich selbst dabei verleugnen zu müssen. Die Geschmäcker sind eben verschieden, nur respektieren sollte man sie und wer etwas nicht mag, sollte es sich gar nicht erst kaufen oder sich damit quälen - andere allerdings auch nicht. Prost Feldschlösschen, DANK der überaus netten Frau von Christian Liebig am Stand und mal sehen, wer im nächsten Jahr für 3,00 Euronen in den Dresdener Außen-Ring steigt.
Fotoimpressionen:
![]() ![]() Auftritt STARFUCKER ![]() ![]() ![]()
![]() ![]() ![]() Auftritt KARAT ![]()
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