iLan`D Abschlussfestival Israel / Deutschland
in der Kulturbrauerei Berlin am 01.06.2008

(mit ULMAN und HaBanot Nechama)


Bericht: Dietmar Meixner
Fotos: Dietmar Meixner




Sonntag, 01. Juni 2008. Die Sonne stand hoch am Himmel über der Kulturbrauerei Berlin... 30° C! Ich stehe im Hof der Kulturbrauerei vor der großen Bühne. Es ist 16.00 Uhr, das Abschlussfestival iLan`D wird offiziell eröffnet.
Es präsentieren sich junge Stars der Musikszene aus Israel und bekannte deutsche Gruppen. Mir hatte es der Veranstaltungsblock ULMAN (Deutschland) und HaBanot Nechama (die derzeitigen Shootingstars Israels) angetan. 16:15 Uhr betritt ULMAN die Bühne und gleich bei den ersten Tönen überträgt sich die Stimmung nach unten zu den ca. 400 Fans. Ulman steht für deutsche Folk-Innovation. Mitte der neunziger Jahre versetzte diese Band die deutsche und europäische Folkszene in Unruhe. Dann tauchten sie mehr oder weniger unter, um 10 Jahre später der Welt erneut zu zeigen, dass Deutschfolk an die internationale Weltmusikszene anschließen kann.
Der Bandname Ulman verweist auf die Verwandtschaft von dreien der vier Bandmitglieder. Johannes und Andreas sind Brüder, Till Uhlmann ist ihr Cousin. Der Schlagzeuger Demian Kappenstein ist der einzige nicht zur Familie gehörige Musiker. Demian ist erst seit ein paar Wochen neu bei Ulman dabei, er sorgt für den notwendigen Impuls von außen. Der Bandname U.L.M.A.N. (unlimited Music And Noise) tauchte zum letzten mal 1996 bei der Veröffentlichung ihres Albums "Acoustic Power" auf, bevor es still wurde um die Band und ihr Name jahrelang in der Szene vermisst wurde. 2006 betraten sie erneut die Bühne und beglückten die deutsche Folksszene, in der sich eine Dekade lang nicht so furchtbar viel getan hatte. Entgegen puristischer Folkansätze, treffen bei Ulman akustische Instrumente auf Beats und Grooves des 20. und 21. Jahrhunderts. Verzerrte Geigen, druckvolle Subbässe und jazzige Posauenriffs prägen den typischen Sound der überwiegend instrumentalen Band. Eine Schublade gibt es da sicher nicht und doch glaubt man, manches schon gehört zu haben: rockige Anleihen, Drum`nīBass-Klänge und gefühlvolle Melodien. Diese Kreativen Arrangements waren es auch an diesem sonnigen Nachmittag, die den Zuschauer immer wieder überraschen und mitreißen. Sie spielten durchweg eigene Kompositionen (einige davon erscheinen demnächst auf ihren neuen Album), energiegeladene Mixturen die ein einzigartiges Hörerlebnis garantierten. Diese Melodien sind von unterschiedlichen europäischen Traditionen inspiriert, aber trotzdem nicht fest zuzuordnen. Man sah es auch im Publikum, dass diese zuweilen schräge Musik aus Instrumentalfolk, Jazz, Rock,Pop und anderen modernen Beats viele jüngere Fans zum tanzen anregte. Der Ton war gut gemixt und der Frontmann Till Uhlmann an der Drehleier und der Geige in Höchstform. Nicht nur musikalisch was für's Ohr, sondern auch was fü'rs Auge.
Man kann mit ruhigen Gewissen behaupten, mit dieser Mischung sind Ulman längst einzigartig in der deutschen und internationalen Folkmusiklandschaft. Schade, dass ein weiteres Highlight ihres Programms nicht zum Tragen kam. Die besondere Lichtshow, die sich positiv von so vielen anderen Bands unterscheidet, kam natürlich bei Tageslicht nicht zum Einsatz. Die 40 Minuten Spielzeit waren auch schnell vorbei. Da von den neuen Titeln noch nicht viele bekannt sind, möchte ich nur "NUN" und "Modal Scales" besonders hervorheben. Gerade letztgenannter Titel war für mich der musikalische Höhepunkt der 40 Minuten.
Es erfolgte eine kurze Umbauphase, und die absoluten Shootingstars Israels betraten die Bühne. HaBanot Nechama... ein energiegeladenes Frauentrio. Karolina Arratz ist auch als Israels Soul-Diva bekannt, an ihrer Seite die beiden jüngeren optisch sehr wirksamen Kolleginnen Yael Deckelbaum und Dana Adini. Sie sind eine absolute Live-Band, das war von der ersten Minute an klar. Sie spielen mit den Fans, mit ihrem Charme, ihren Stimmen und ihrem Lächeln. Es war wie eine singende und tanzende Einheit, auf und vor der Bühne. Aber ihre unverkennbaren Stimmen verzauberten nicht nur in Berlin die Zuschauer, sondern seit dem Herbst 2007 ganz Israel. Dort sorgten sie schon weit vor ihrem ersten Auftritt mit ihrem Folk-Soul-Reggae-Gemisch für Furore. Einem Geheimtipp gleich, strömte mit jedem Konzert mehr Publikum zu ihren Auftritten. Yael erzählte: "Weil bereits vor den ersten Aufnahmen der Band unzählige Konzertmitschnitte von den Fans kusierten, konnte das Publikum somit die Titel bei den Konzerten textsicher mitsingen, wie ein großer gemeinsamer Reggae-Chor". Das Debütalbum "Habanot Nechama" erschien im Sommer 2007, und in nur einem Monat wurde es 30.000-fach verkauft, und erlangte sofort Goldstatus. Nur zwei Wochen später wurde das Album mit Platin ausgezeichnet. Im Mai waren sie erfolgreich in den USA auf Tournee. Dabei dürfte es ihnen entgegengekommen sein, dass ihre Songs sowohl hebräische als auch englische Texte haben. Instrumentierung ist sehr schlich mit 2 bis 3 Gitarren im Wechsel, dazu noch ein Banjo. Aber der Rhythmus stimmte. Karolina erklärte: "Wir sind die besten Freundinnen, fast wie Schwestern. Jeder hatte vorher schon seine eigene Kariere. Wir haben unsere Musik, doch die Magie liegt darin, WIE wir zusammen Musik machen". Mir schien es bei diesem Konzert fast so, als wollten sie mit ihrer Musik das ganze Publikum umarmen. Der letzte Titel war verklungen, da sprach Karolina kurz zu den Fans und rief schließlich ULMAN.
Dann kam Ulman auf die Bühne, und beide Gruppen brannten zusammen noch einmal ein musikalisches Feuerwerk ab. Da passte einfach alles. Keiner ahnte, dass die Titel nur einmal geprobt wurden! Nein, es klang so, als ob sie von Anfang an immer zusammen gespielt hätten. Da war aber nicht nur Hörenswertes dabei, denn auch die Show und die Bewegung auf der Bühne wurde noch einmal gesteigert. Ein Konzert, das man sicher nicht so schnell vergessen wird. Ulman kann man ja dieses Jahr noch bei anderen Konzerten in deutschen Landen bewundern, falls ihr aber irgendwo auf den Namen HaBanot Nechama stoßt, dann kann ich nur empfehlen, das Konzert nicht auszulassen.




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