Hoffest im Palitzschhof zu Dresden am 14. August 2010
(mit Uwe „Vize“ Reibold, Liede(h)rlich und WunderbunTd)


Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann


Der Palitzschhof in Dresden ist so eine Art multifunktionale Heimstätte für Kunst, Kultur und Heimatgeschichte im Stadtteil Prohlis. Unter anderem sind hier auch das Heimat- und Palitzschmuseum sowie eine Außenstelle der Jugend & KunstSchule ansässig. Der Hof steht allen Altersgruppen offen, und es gibt das ganze Jahr über eine Vielzahl von Angeboten an Kursen, Vorträgen, Lesungen und anderen Veranstaltungen. Für mich hat sich dieser Gebäudekomplex längst zu einer festen Adresse entwickelt, da hier auch der Verein IDEE 01239 e.V. sein Domizil hat. Über diese rührige Truppe und die von ihr veranstalteten Konzerte habe ich ja schon gelegentlich berichtet. Scherzhaft werde ich in Kreisen des Vereins mittlerweile schon zum Inventar gezählt. Das ist natürlich völlig übertrieben ;-)

Am 14. August fand nun im Palitzschhof ein Hoffest statt. Die Werkstätten, das Museum und das Tonstudio konnten besichtigt werden, und die Besucher konnten auch selber kreativ tätig werden. Das Ganze wurde natürlich noch ergänzt durch die Versorgung mit Speisen und Getränken sowie weiterer Angebote. Selbstverständlich haben sich die Leute um meinen alten Kumpel Tommy S. beim Hoffest beteiligt und sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, um auch ein schönes musikalisches Abendprogramm auf die Beine zu stellen. Wer kann bei so was schon daheim bleiben? Also wir konnten das nicht und hofften auf viele weitere Besucher. Nur hatten wir die Rechnung ohne die Prohliser gemacht, denn die erschienen gar nicht so zahlreich, wie man das den Veranstaltern gewünscht hätte.
Rings um den Hof stehen ja Plattenbauten ohne Ende und da drin wohnen doch so viele Menschen. Vor ihren Türen haben sich ein paar Enthusiasten den sprichwörtlichen Hintern aufgerissen für dieses Fest. Na gut, dann eben nicht, dachte ich so bei mir. Dann bleibt doch weiter in euren Arbeiterschließfächern kleben und guckt euch zur Strafe Carmen Nebel oder wen auch immer in der Flimmerkiste an. Doch diese Gedanken legte ich schnell zur Seite, denn ich wollte den Abend mit alten (im Sinne von langjährigen) Freunden und weiteren netten Menschen genießen. Es wurden dann übrigens auch wirklich sehr angenehme Stunden.

Doch kommen wir jetzt zum Bühnenprogramm. Den ersten musikalischen Gast versäumten wir leider, aber zumindest nennen möchte ich den Künstler doch. Chris Rasch ist älteren Insidern vielleicht noch von Simple Song ein Begriff. Bei dieser Folk- und Countryband spielte er von 1987 bis etwa 1992. Rasch tout heutzutage noch immer recht emsig als Solokünstler oder im Duo durch die Welt. Er sprang beim Hoffest kurzfristig für die verhinderte Folk–Band TONSTAUB ein.

Was dann folgte nenne ich mal Heimspiel mit Premierencharakter und das auch noch mit Special Guest. Tommy S hat mal wieder ein neues Projekt aus der Taufe gehoben. Es nennt sich Liede(h)rlich (www.myspace.com/dresden64) und wurde vor ca. 4 Wochen gegründet. Bühnenpartnerin ist Kitty, eine junge Frau aus Dresden, die für Backroundgesang und Percussion zuständig ist. Der angesprochene „Special Guest“ war Uwe „Vize“ Reibold. Der AufSturz–Frontmann stattete an diesem Abend seiner Heimatstadt und seinen Kumpels mal wieder einen musikalischen Besuch ab. Das Programm der drei setzte sich aus Liedern von Gundi, AufSturz und Tommy S zusammen. Dazu kamen vom brandenburgischen Duo Hoedown der Titel „Resistent“ und von Jan Sievers „Die Suche“. Es klang sicher noch nicht alles absolut rund, besonders wenn Liede(h)rlich ohne ihren Gast spielten, aber das war in der Kürze der Zeit auch nicht zu erwarten. Das Ganze war sowieso eher so wie eine Session unter Freunden angelegt, und dafür war es wieder in Ordnung. Die Leute auf der Bühne und davor hatten ihren Spaß und das war die Hauptsache. Tommy und Kitty werden weiter an ihrem eigenen Programm feilen und ich bin mir sicher, dass Liede(h)rlich in ein paar Wochen „rund“ klingen werden. Die Lieder von Gundi wie „Kann mich nicht erinnern“, oder „Oweh“ und „Zu Haus“ aus dem Hause AufSturz waren für mich die Perlen des Auftrittes.


WunderbunTd-Frontmann Jens Lommatzsch
Nach einer kurzen Umbaupause war dann WunderbunTd–Zeit. In kleiner Besetzung mit Jens Lommatzsch (Gesang, Mandoline, Percussion, Saxophon), Isolde „Soldi“ Lommatzsch (Keyboard, Gesang, Ziehharmonika) und Norbert Jäger (Percussion) kam das Programm „Ich sing für dich - Rio’s Lieder unplugged“ zur Aufführung. Natürlich durften dabei auch Lieder aus der Scherben–Zeit und Eigenschöpfungen von WunderbunTd nicht fehlen. Durch die äußerst sparsame Instrumentierung klangen die Songs irgendwie vertraut und neu zugleich.
Es ist schwer es in Worte zu fassen, aber ich hatte das Gefühl, dass die Lieder und besonders die Texte zum Teil plötzlich viel bedeutsamer bzw. intensiver auf mich wirkten. Das verblüffte mich etwas, denn die meisten der gespielten Stücke kenne ich doch eigentlich schon seit Jahren. Das wichtigste Instrument von Jens Lommatzsch ist zweifellos seine Stimme. Das seine Gesangsstimme eine Rio Reiser sehr ähnliche Klangfarbe hat, hilft natürlich. Doch das ist nur die halbe Miete, die andere Hälfte ist die Ausstrahlung von Jens, seine Identifizierung mit dem Liedgut von Rio Reiser und sein völliges Eintauchen in dessen Gedankenwelt. Manchmal konnte man auch am Sonnabend glauben, dass der wahre Rio in Jens Lommatzsch gefahren ist.

Soldi’s klare Stimme kam nicht nur als Begleitung für Jens zum Tragen. In einigen Liedern (z.B. „Zauberland“) sang sie ganze Strophen als Solistin. Bei der minimalistischen Instrumentierung in diesem Programm spielt das Piano natürlich eine besonders tragende Rolle. Neben den normalen Melodien fabrizierte Soldi auch die Bass-Parts auf dem Tasteninstrument. Eine ganz besondere Note bekamen die Lieder durch das virtuose Spiel von Norbert Jäger an den Percussion. Der Mann hat einfach ein Gefühl für Rhythmus und ein feines Händchen für seine Instrumente. Mit sicherem Gespür, fast möchte man sagen instinktiv, bediente er seine Schlag- und Effektgeräte. Ab und zu huschte ihm dabei sogar ein Lächeln über's Gesicht. Norbert hatte sichtlich Spaß an dem gemeinsamen Ausflug mit Soldi und Jens ins musikalische Reich von Rio Reiser.

Das Programm beinhaltete selbstverständlich viele Klassiker wie den „Rauch–Haus–Song“ oder „Der Turm stürzt ein“. Aber auch weniger bekannte Lieder wie „Der Sommer kommt“ oder „Durch die Wüste“ erlebten eine Wiederauferstehung im akustischen Gewand des WunderbunTd(-en) Unplugged–Programms. Den komischsten Moment des ganzen Abends erlebte ich bei „Junimond“. Zufällig stand ich gerade bei diesem Lied neben meinen Studienkumpel Uwe und er sagte zu mir plötzlich: „ach gucke, sie spielen unser Lied“. Der Fakt an und für sich ist ja richtig, denn „Junimond“ war ja unsere Studienhymne, doch irgendwie kam mir der Gedanke, dass der Satz eigentlich nach einem alten Ehepaar klingt. Mein Feixen konnte bestimmt niemand richtig deuten.

Mit ein paar Zugaben ging es dem Ende entgegen. Selbstverständlich gab es noch reichlich Applaus für Solid, Jens und Norbert zum Abschluss. Es ist bei den Leuten vom Verein IDEE 01239 e.V. fast schon Tradition, dass man einen Konzertabend mit einer lockeren Session ausklingen lässt, und auch am Sonnabend spielten Tommy und Vize noch das eine oder andere Lied in heiterer Runde. Dieses Mal verabschiedeten wir uns aber schon nach etwa einer Stunde aus diesem fröhlichen Kreis und ganz gemütlich fuhren wir dann der Heimat entgegen.




Fotoimpressionen:



Beobachtungen am Rande...









Liede(h)rlich (mit Special Guest Uwe "Vize" Reibold)



























WunderbunTd















































gemütlicher Ausklang...