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Hoedown am 25. Juni 2010 im „Platten- Spieler“ des IDEE 01239 e.V. zu Dresden Bericht: Gundolf Zimmermann Fotos: Gundolf Zimmermann
Vergangenen Freitag nahm ich also wieder Kurs auf Dresden–Prohlis. Genau dort, umgeben von trostlosen Plattenbauten, befinden sich die Räume des Vereins in einem Gebäude des Pahlitzschhofes. Was die rührseligen Macher von IDEE 01239 e.V. immer so auf die Beine stellen ist Kultur, wie sie sein soll - nah am Menschen und offen für Neues. Hier finden regelmäßig Konzerte, Lesungen, Workshops und Kinovorführungen statt. Für kleines Geld, oft sogar kostenlos, können speziell die Prohliser hier in zwangloser Atmosphäre ein paar Stunden dem Alltag entfliehen, also eine Auszeit für Geist und Seele nehmen. Ich habe allergrößten Respekt vor den Menschen wie Lutz, Tommy und ihren Mitstreitern, sowie dem Engagement und dem Herzblut, welches sie in die Vereinsarbeit einfließen lassen. Den Raum mit der kleinen Bühne im Vereinsgebäude haben sie nach erfolgreichem Umbau übrigens „PlattenSpieler“ getauft. Gespannt wie ein Flitzebogen erreichte ich also am Freitag zu frühabendlicher Stunde die Gamigstraße 26 in Dresden-Prohlis, und damit mein Reiseziel. Nach und nach fiel bei netten Gesprächen all der Ballast der vergangenen Woche von mir ab und ich begann mich zu entspannen. Man könnte meine Gedanken und Gefühle in diesen Minuten auch mit einem Zitat aus Goethes „Faust“ beschreiben: „hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“. Ich genoss die Ruhe vor dem Hauptereignis des Abends einfach.
Das erste Lied hieß „Never Stop“ und war ein eigener Hoedown–Titel, und zwar mit einem englischsprachigen Text. Zwischen den Liedern erfuhren wir viel Interessantes zu den einzelnen Stücken und zu den Künstlern. Jens komponiert die ganzen eigenen Songs, die Texte stammen meistens von Verena und manche Texte haben die beiden auch zusammen verfasst. Musikalisch zelebrierte Hoedown Akustikmusik der Extraklasse. Jörg spielte wirklich virtuos auf seinen Gitarren und damit noch etwas Druck/Rhythmus in die Sache kam, benutzte er als Ersatz für Schlagzeugklänge eine Foot Stomp–Box. Das fand ich sehr ungewöhnlich und klang auf jedem Fall besser als ein Drumcomputer. Das Duo Hoedown lebt von zwei sehr markanten Gesangsstimmen. Verena sang mit kräftiger Altstimme und Jörg konnte mit einer sehr hohen Stimme überzeugen. Was da mitunter von der Bühne runter kam, war ein wahrer Ohrenschmaus, sauberer und harmonischer Satzgesang von der allerersten Güte. Bei den Coverversionen kam ich aus dem Staunen hier und da nicht mehr raus. Da erstrahlte der Pink–Titel „Dear Mr. President“ in einem wunderbar hörbaren neuen akustischen Folkgewand, und klang so völlig anders als das Original... eben total nach Hoedown. Jörg ist ein großer Neil Young–Fan und als er des Altmeisters Klassiker „Old Man“ sang, war ich baff, erstaunt und erstmal sprachlos. Das war einfach eine großartige Darbietung. Aber auch Verena Wittig konnte auf ihre Art und Weise mit ihrer gesanglichen Leistung beeindrucken. Der Alannah Myles-Hit „Black Velvet“ verlangt von einer Sängerin eigentlich alles ab. Für dieses eigentlich sehr bluesbetonte Stück Musikgeschichte muss man schon gut bei Stimme sein. Verena sang dieses Lied mit kräftiger Stimme und interpretierte „Black Velvet“ glänzend. Zum überwiegenden Teil spielte das großartige Duo aber eigene Titel, die alle für sich kleine Schmuckstücke waren und kleine Geschichten aus dem Alltag erzählten. Das von Jörg gesungene „Berührung“ handelt von der verpassten Chance bzw. dem fehlenden Mut eine Frau anzusprechen. Verena widmete sich in „Der Teufel“ dem inneren Schweinehund, und dass man sich von diesem nicht unterkriegen lassen muss und ihn besiegen kann, wenn man an sich glaubt. “Anders sein“ war ein besonders berührendes Lied. Jörg sang dabei von einer Rollstuhlfahrerin und wie sie das Leben trotz des Handicaps mit Lebensmut meistert. Nach diesem Song brauchten Künstler und Publikum eine Pause, und genau an dieser Stelle war die Pause meiner Meinung nach goldrichtig. So konnte man das gerade Gehörte erstmal sacken lassen und für sich selbst verarbeiten.
Eigentlich sollte Hoedown längst Feierabend haben, doch weder die Musiker noch das Publikum verspürten Lust schon heim zu gehen. Also wurde munter weiter musiziert. Ich möchte das Ganze aber nicht einfach mit Zugaben beschreiben. Der Begriff 3. Konzertblock passt meiner Meinung nach viel besser zum weiteren Geschehen im „PlattenSpieler“. Da knallten uns Verena und Jörg eine Version von Pankows „Langeweile“ vor dem Latz, dass einem schier die Luft wegblieb. Besonders der wechselnde Gesang beim Refrain war da ein absolutes Sahnehäubchen. Zusammen mit Tommy S. gab es auch noch eine musikalische Verbeugung vor Neil Young in Form von „Hey Hey, My My“. „Pink“ durften wir dann auch noch hören, aber nicht die Sängerin ist hier gemeint, sondern der Aerosmith–Song gleichen Namens. Ups... jetzt fällt mir doch glatt wieder ein, dass beide Musiker zeitweise bei verschiedenen Liedern auch Mundharmonika spielten. Verena spielte zwischendurch auch Schellenring und Oceanmaker. Den Oceanmaker kannte ich bisher noch nicht. Es handelt sich dabei um so eine Art Handtrommel, die mit Kugeln gefüllt ist, welche bei Bewegung ein an Regen erinnerndes Geräusch erzeugen. Die Eigenkomposition „Rain Comes Falling Down“ war dann der offizielle Schlusspunkt des Konzertes. Nachdem sich die Musiker auf der neuen Autogrammwand verewigt hatten, war noch ausgiebig Zeit und Muße in fröhlicher Runde zu plaudern. Was bleibt noch zu sagen? Mir hat das Konzert von Hoedown wirklich sehr gut gefallen. Verena und Jörg hatten sich an diesem Abend in Dresden mit musikalischem Können und mit Leidenschaft in die Herzen der anwesenden Zuhörer gespielt. Hoedown ist eine absolute Bereicherung der hiesigen Musiklandschaft und ich kann dieses Duo Veranstaltern und Musikliebhabern nur wärmstens empfehlen.
Fotoimpressionen:
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