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Hans die Geige Fantreffen 2010 in Straußberg
Bericht: Petra Meißner Fotos: Petra Meißner>
Nun kann man schon sagen, es ist Tradition. Das dritte Hans die Geige-Fantreffen fand wieder am letzten Augustwochenende in Rehfelde statt. Ich weiß nicht, ob es die Rehfelder auch so sehen, aber sie sind privilegiert. Die Dörfer, die ihre alten Gasthofsäle erhalten haben, sind in der Minderheit. Aber Rehfelde hat noch so einen Dorfgasthof mit relativ großer Bühne und das Beste, es ist noch Leben drin und ein sehr freundlicher Wirt hat ein Herz für Kultur und hält die Fäden in der Hand. Das jährliche Treffen der Geigerfans war ein willkommener Anlass, das neuste Baby aus dem Hause Wintoch zu begrüßen. Von vielen sehnsüchtig erwartet, erblickte am 20. August 2010 die neue Scheibe "Hans die Geige - Acoustic Strings Connection" das Licht der Welt. Von diesem Projekt mit den 16 Saiten gab es schon erfolgreiche Live-Konzerte und nun wurde es Zeit, dies mal auf einer CD zu verewigen. Solistisch tätige Geiger in der Branche der Unterhaltungsmusik sind eigentlich in keiner beneidenswerten Lage. Ein Gitarrist hängt sich sein Instrument um und klimpert los, und wenn er noch dazu singen kann ist er fein raus. Ein Rockgeiger braucht entweder eine Steckdose um sich eine Musikkonserve als Unterstützung aufzumachen, oder er braucht Mitspieler. Seit einiger Zeit beschreitet Hans die Geige wieder beide Wege erfolgreich. In Rehfelde gab es drei Titel von der Akustik Scheibe zu hören, für mich ganz neu war die Variante von "Wind trägt alle Worte fort", als wunderschöne Hommage an Franz Bartsch. Vom Gefühl her hat mich lange kein Titel so erreicht, wie dieses Stück mit dem abwechselnden Gesang von Hans und Udo. Dabei waren die letzten drei Tage für das Akustik Trio mehr als aufregend. Der Dritte im Bunde, Buzz Dee Baur von Knorkator, wurde von einem Missgeschick außer Gefecht gesetzt. Die Record Release am 27. August 2010 in Berlin stand an - und was nun? Ganze zwei Tage hatten Wilfried Borchert (einer der Gründer von Monokel) Zeit, die Akustik Stücke einzustudieren. Was half es, Udo Krause machte sich am Donnerstag von Dresden auf den Weg nach Berlin und man übte die Sachen gemeinsam ein. Er wird zukünftig mit von der Partie sein und mit seiner schönen blonden Rockermähne hat er sich schon mal dafür qualifiziert. Aber nicht nur optisch passt es, er spielt die Sachen wunderbar. Die Ilsenburger Hurensöhne machten mit einem schönen Gag ihrem Namen alle Ehre. Sie übereichten ihren Kollegen von der Akustik Strings Connection schon mal vorbeugend eine vortrefflich getürkte goldene Schallplatte - man weiß ja nie wie es im Leben noch kommt, und damit sind sie schon mal auf solche erhebenden Momente vorbereitet. Meine Neuerwerbung von Rehfelde wurde sofort nach dem Konzert im Auto von der nervigen Folienhülle befreit und wir waren gespannt, was noch den Weg auf den Rundling genommen hat. Genau dieser spannende Moment wurde uns vermiest. Ein grünes Männel stand da mit einer Kelle. Er meinte, mein Mann hätte rote Augen und diagnostizierte Alkohol. Dabei hatte ich doch das Bier getrunken. Jedenfalls ergab der Test natürlich Null. Aber wollen wir mal nicht abschweifen. In Rehfelde in der "Alten Linde" wartete manche musikalische Überraschung auf uns. Den Opener machte eine Band mit dem schönen deutschen Namen „Fein“ und englischsprachigen Titeln. Die jungen Kollegen kommen aus Schwarzheide und beschäftigen sich mit rockigen Elektropop. Und dann kam so eine Inszenierung, wie sie die Fans lieben. Zur Erklärung muss man wissen, dass genau an dem Tag 200 Meter weiter ein deutsch-polnisches Biker Treffen stattfand. Ein so kleiner Ort wie Rehfelde mit zwei Events? Das kann, aber muss nicht schief gehen. Das Rockgeigerteam ist dafür bekannt gern Kontakte zu knüpfen, und wurde sich mit den Organisatoren einig, sich gegenseitig zu besuchen. Hans ist nun sicher der einzige Geiger der Welt, der sich mit einer "Schwalbe" zur Bühne fahren ließ und wenn ihr denkt, zu einer Open Air-Bühne, dann liegt ihr falsch. Er brachte es doch tatsächlich fertig, auf einer Schwalbe zu erscheinen. Nein, keine Bordsteinschwalbe, sondern eine echte, knatternde Simson Schwalbe, die in den Saal gefahren kamen. Es duftete noch lange nach Sprit und sofort wurden Jugenderinnerungen wach. Kaum einer aus unserer Generation, der nicht so ein Gefährt gehabt hätte. Ich war auch Mopedfahrer, aber keine Schwalbe sondern genauso ein gelber SR 50 war es, wie er da angefahren kam. Zum Gegenbesuch auf dem Biker Gelände wurden Hans und Dani mit einem flotten Trike abgeholt. Und dann fackelte man dort nicht lange, einige kleine Regieanweisungen und man erklomm die Open Air Bühne. Spätestens da werden Udo und Wilfried begriffen haben, auf was sie sich eingelassen haben, wenn sie mit Hans zusammen arbeiten. Sie erfuhren erst in dem Moment, dass dort akustisch gespielt wird. Die zahlreichen deutsch-polnischen Motoradfreaks quittierten den Ostrock mit viel Jubel, aber richtig gestaunt haben sie erst, als Hans die "Jungendliebe" gemeinsam mit der dort spielenden Band Windstar (in Rehfelde die Lokalmatadoren) geigte. Für mich ist das ein Titel, den ich eigentlich nach dreimal Ostrock in Klassik nicht mehr hören kann. Aber Hans hatte eine starke Frontfrau an seiner Seite und die machte das so glaubhaft, dass sogar mir die Jugendliebe wieder nahe gebracht wurde. Für so eine Aktion gehört viel Humor von Seiten der Gastgeberband dazu, haben sie alle toll auf die Reihe gebracht, sind eben alles Musiker mit Herz. Die Frontfrau ist übrigens im wahren Leben Hebamme, und die ließ sich vom Rockgeiger nicht die Butter vom Brot nehmen. Wie im Vorjahr, gab es auch was für die mehr klassisch orientierten Fans. Hans spielte mit seiner ehemaligen Schülerin Susanne Marz einige schöne Stückchen. Susanne ist ansonsten mit der Band Limerick unterwegs und spielt Irish Folk. Den Rest des Abends bestritten die Hurensöhne und Frank Proft. Profty sang das, was ich am liebsten von ihm höre, seine eigenen Titel von der CD "Schrei nach dir". Die Hurensöhne und Profty gaben wieder ein Wunschkonzert. Auf Zuruf wurde Ostrock vom Feinsten gespielt. Sie sind mit keinem Titel in Verlegenheit zu bringen, ihr Repertoire ist schier unerschöpflich. Aber noch war der Abend nicht zu Ende. Es gab eine Session der teilnehmenden Bands und Udos Wunsch war "Nackig vor dem Himmelstor". Aber dazu war noch ein Schlagzeuger gefragt. Hans hatte einen speziellen Gast, es war Ulli von einer der ersten Bands, in der Hans als ganz junger Spund gespielt hatte (ich glaube Club 69 aus Querfurth). Der musste mehr oder weniger auf die Bühne gezerrt werden, denn er hatte 12 Jahre nicht mehr Schlagzeug gespielt, aber dann trommelte er wie der Teufel. Das Fantreffen klang mit einem netten Brunch mit Freunden, Fans und den Kindern von Hans in der Gaststätte zur Alten Linde aus. Man fragte nach Plänen und besprach neue Vorhaben und ich wähnte mich gut im Bilde. Aber als ich heute auf die Rockgeigerseite guckte, traf mich fast der Schlag. Hans spielt am 18.09.10 in Magdeburg als Special Guest der Gruppe „Magdeburg“, darauf haben wir doch schon so viele Jahre gewartet.
Fotoimpressionen:
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