Haase-Fantreffen in der Illing-
mühle am 7. August 2010
(Teil 1)



Bericht: Hartmut Helms
Fotos: Hartmut Helms


Frauenstein, was für ein romantisch klingender Name und welch wunderbare Erinnerungen ruft dieser Name eines idyllisch gelegenen Ortes mit der Burgruine im Osterzgebirge wach! Mir ist nach Schwärmen und sicher leuchten meine Augen, so wie einst und damals. Es waren die Jahre 1966 bis 1968. An der EOS gab es einen Chor und der fuhr immer in den Winter- oder Herbstferien zur Jugendherberge nach Frauenstein. Die Hauptbeschäftigung bestand, logischer Weise, im Einstudieren und Proben von Liedern und Chorwerken, aber auch die Freizeit kam nicht zu kurz. Morgens im Schnee gab's 15 Minuten Frühsport und nachmittags war meist Rodel und Ski fahren angesagt oder Wanderungen durch den Herbstwald. Es waren unvergessliche Tage und Abende, nix FDJ oder "Rotlicht", wie manche jetzt glauben möchten, sondern nur singen, Sport, Freizeit, Tanz bei "Skinny Minnie" (a crazy chick, six foot high and one foot thick) und - die erste ganz große Liebe. Frauenstein wird für den Rest meines (noch langen) Lebens immer Chor bedeuten und der Klang einer Mädchenstimme sein. Da hat das Lied von der "Jugendliebe" wohl recht, obwohl es erst viel später entstand. Aber es gab ja nicht nur eine Jugendherberge in der DDR!

Das ist jetzt, verdammt noch mal, über m-zig Jahre her und als ich an diesem Samstag wieder durch den Ort fuhr, meinte ich, meine Musiklehrerin Renate würde jeden Augenblick auf dem Weg runter zur Herberge auftauchen und mir zuwinken. Dabei hatte ich sie gerade erst ein Wochenende vorher in Berlin besucht. Also fahre ich durch den kleinen Kurort weiter auf der Kammstraße in Richtung Altenberg, dorthin, wo zwischen den Wiesen ein steiler und schmaler Weg runter in das von Nebelschwaden verhangene Tal zur Illingmühle führt. Hier im Tal der Gimmlitz sammelt sich das Wasser der Berge, das dieses Bächlein zur knapp 30 Kilometer entfernten Freiberger Mulde transportiert. Hier, in diesem abgelegenen Tal, will ich einer von vielen beim ersten HAASE-Fantreffen sein.

Bei sonnigem Wetter muss es dort unten vor der alten Mühle und den paar Häusern wunderschön sein. Im Dunst der Regenluft meint man Anfang August den Herbst schon spüren zu können. Einige sitzen vor der Hütte, die eine manchmal noch aktive Säge verbirgt, um sich zu unterhalten. Die meisten sind vom Abend davor noch da, haben hier im Zelt, auf einer Matratze oder in einer Herberge geschlafen und sitzen jetzt draußen. Also lausche ich den bedeutungsschweren Gesprächen der Musikanten über "Assie'se Bette Mohn Reisig" und "De Bärbl", deren wahrer Inhalt sich erst einen Bruchteil später erschließt und das auch nur, weil ich meine, mich auszukennen. HAASE ist auch ohne Gitarre ein spritziger Entertainer.

Im Halbdunkel des Holzhauses stolpert man über Schienenreste, Bretter und Kabel. Ein langer Tisch mit Bänken ist zu erkennen und der Längsseite gegenüber, auf einem Podium, sind Instrumente aufgebaut. Dazwischen plätschert ein Teil der Gimmlitz durch den Raum und genau darin stehen die Mikrofonständer, darüber hängen die Kabel und Schweinwerfer. Improvisieren ist des "Ossi's" liebstes Spiel.
Die meisten Gesichter sind mir unbekannt, doch irgendwann fühle ich mich dazu gehörig. Mit TINA POWILEIT komme ich ins Gespräch und alte Fotodokumente und das LP-Cover von MONA LISE zu einem Autogramm. Ich entdecke den Basskrahn von RENFT und später begreife ich auch, dass der hierher "UNBEKANNT VERZOGEN" ist. Davon hatte ich schon einiges vernommen, heute und später würde ich auch einen musikalischen Eindruck bekommen.

Drinnen musiziert inzwischen ein Amerikaner namens WAYNE GRAJEDA im Stile eines Singer- und Songwriters, unterstützt von RENE SCHOSTAK, dem Haase-Gitarristen. Vor allem die leicht angejazzten und eher swingenden Stücke mit Rene's perlenden Gitarrensoli gehen mir ins Ohr. Später am Abend spielen auf dem schmalen Holzsteg KLARtext, die Kundi-Band, ihre rockenden Lied-Geschichten von "Trampern" und "Gipfelstürmern" und HAASE eine kurze Session mit SCHLOUSSEN, PATTI und Tina als UNBEKANNT VERZOGEN. Das machte neugierig und Lust auf mehr. Noch später trifft AXEL STILLER aus Dresden ein. Der musste zunächst seine "fresswütige" Katze versorgen und hatte seinen Nachtschlaf im Wartezimmer eines Tierarztes verbracht. Das war ihm allerdings bei seinen Liedern und dem "von den Tauben" nicht anzumerken.

In die letzte Stunde des alten Tages hinein rockte dann der HAASE, der es sich nicht nehmen ließ, der eigentlichen Hauptperson der vergangenen Stunden ein großes DANKESCHÖN zu spendieren. Die zierliche TINA, die mit dem weißen Hut und der Kette um die Hüften, hatte sich für dieses Treffen "die Beine raus gerissen" und, wie mir schien, ein rustikales, zwangloses und wunderbares Treffen von einigen Fans und noch mehr Musikanten auf selbige gestellt. Bei KLARtext bestand die Überraschung für TINA darin, sich Bass zupfend vom Publikum feiern zu lassen. Respekt TINA, das war ein Abend voller Herzlichkeit, dem man Deine Aufregung und das Händezittern nicht anmerkte und der uns lange im Gedächtnis haften wird. Der HAASE kann und wird stolz sein, DICH nicht nur vor der Bühne zu wissen!

Um die Mitternachtsstunde ist es vor der Holzhütte stockdunkel. Im Tal hallen die Klänge vom HAASE, die sich durch die offenen Fenster und Türen zwängen, wider und die Lichter aus den wenigen Häusern weisen mir den Weg zur Wiese, wo mein Blechfreund wartet. Während der Fahrt hoch zur Kammstraße frage ich mich, wie die da unten im winterlichen Schnee und Eis wohl in der Woche zu ihren frischen Brötchen oder sonntags in die Kirche kommen. Als ich in der Frühe die Lichter von Dresden im Tal erblicke, bin ich froh, die schmalen und nassen Straßen hinter mir gelassen zu haben, aber auch ein wenig traurig, jetzt nicht unten im Gimmlitztal das ausklingende Treffen miterleben zu können. Beim Einschlafen in der dritten Morgenstunde träume ich mich dann schon zur zweiten Auflage von HAASE, der Band, den Musikanten und "De Bärbl". Bis denne!




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