Michael Friedman live am 28.02.2009
in der Arche zu "Neuenhagen"



Bericht: Dietmar Meixner
Fotos: PR, Dietmar Meixner





Der Sog zur Arche war am Samstag wieder so gewaltig, dass ich mich diesem inneren Drang nicht widersetzen konnte. Es sollte ja auch ein ganz besonderer Abend werden, denn Michael Friedman, der Songwriter aus Canada, gab ein Konzert. Somit war es also nicht verwunderlich, dass Plätze im Veranstaltungraum rasch besetzt waren.
Michael Friedman stammt aus Vancouver in Canada. Sein erstaunliches Talent machte ihn sehr schnell bekannt. Es ist einzigartig, was er mit seiner Gitarre und der 3-Oktaven-Stimme auf der Bühne anstellt. Seine Kunst ist zugleich eine Mischung aus explosiver Musikalität und intimer Nähe, ausdrucksvolle Spieltechnik und rührendem Gesang. Dieser Gitarrenvirtiose überzeugt und begeistert sein Publikum in aller Welt seit Jahren.
Um 20:10 Uhr betrat der Meister solo die Bühne. Er griff zu seiner Gitarre und begrüßte alle Anwesenden in der Runde: "Gestern im Erzgebirge, heute in Neuenhagen und morgen wieder im Erzgebirge. Das habe ich toll getimt, aber Deutschland ist, im Vergleich zu Canadischen Verhältnissen, ja zum Glück klein". Danach begann ein Festival großer Songs, die von Liebe, Krieg, Drogen und anderen Problemen der Welt erzählten. Es waren Geschichten, die alle einzeln in einem Lied verpackt wurden. Ich fand zum Beispiel "Junkie to Junkie" ganz stark. In diesem Song besingt er die Drogenprobleme im "schwarzen Bezirk" von Vancouver. "Diese Drogenprobleme möchte man den Touristen nicht gern zeigen, (...) aber eigentlich sind das ganz nette Leute, nur mit einem großen Problem" sagte Michael, und dieser Wahnsinnssong begann.
Diese Spieltechniken, indem er die Gitarre teilweise nur streichelte, dann nur die Akkorde auf dem Gitarrenhals klopfte und wieder mit dem Instrument zu einer musikalischen Einheit verschmolz, lässt sich ganz schwer beschreiben. Ich habe ja das Glück, viele begnadete Gitarristen zu kennen oder gekannt zu haben, und hier erlebte ich wieder einen ganz Großen. Es war nur eine Gitarre, aber er spielte darauf als wäre es ein Orchester, von dieser sehr angenehmen und mitreißenden Ausnahme-Stimme ganz zu schweigen. Die Fans hingen an seinen Lippen wenn er die letzten Worte der Lieder ins Mikro flüsterte oder hauchte.
Natürlich erzählte er auch seine Lebensgeschichte. Sein Vater sprach eines Tage zu ihm: "Wir ziehen um, es ist nicht die Nachbarschaft, es ist auch nicht Vancouver, auch nicht Canada". Als Michel dann fragte "Na, wohin dann?" bekam er die Antwort des Vaters "Auf einen anderen Planeten: Nach Ostdeutschland". Der Vater, der dann in Berlin an der Musikhochschule studierte, war also der Grund dafür, dass Michael nach Berlin kam. An der Schule war er natürlich der Star, da er gut Englisch konnte. Später pendelte er zwischen Canada und Deutschland, und studierte selbst in Berlin, bevor er in den 80er Jahren sein Zelt wieder endgültig in Vancouver aufschlug. Außer seinen Konzerten schreibt er auch Film- und Theater-Musik und hält Workshops ab.
Er spielte an diesen Abend insgesamt 20 Songs, und man konnte nicht genug davon hören. Im Ohr schwirren mir immer noch diese wunderbaren Songs "Scrolls of Destiny" oder "YOUNG SOLDIER" herum. Sehr berührend war auch das Lied von Malvina Reynolds, "WHAT HAVE THEY DONE TO THE RAIN".
Es war ein Abend der Besonderen Art, aber zum Glück ist Michael Friedman noch einige Wochen in Deutschland. Ich kann nur die Empfehlung aussprechen, bei einem dieser Termine vorbeizuschauen. Es lohnt sich!!!




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