Bericht:
Reinhard Baer

Fotos:
Reinhard Baer





Rock-Event auf Wotschofska am 16. Juli 2011
Wotschofska - da wird mancher denken, das liegt bestimmt irgendwo in Osteuropa, Polen, Russland oder so. So weit östlich liegt das aber gar nicht. Wotschofska ist eine Insel im Spreewald und gehört zur Stadt Lübbenau. Auf dieser Insel, die nur per Kahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen ist, befindet sich eine Gaststätte und wer als Tourist schon einmal von Lübbenau aus per Kahn oder Paddelboot den Spreewald bereist hat, hat vielleicht schon mal hier angelegt und die Gaststätte besucht. Sie ist in typischer Spreewald- Bauweise errichtet und zwischen Gasthaus und Spreewald-Fließ befindet sich unter hohen Bäumen ein großer Biergarten. Zu DDR-Zeiten und wohl auch noch danach fanden auf Wotschofska Discoveranstaltungen statt. Seit einigen Jahren führt man hier jährlich einmal, immer so im Juli, ein Liveevent durch. Im letzten Jahr gastierte Julia Neigel, davor Heinz-Rudolf Kunze und Band und Purple Schulz. Diesmal sollte es Phil Bates mit seinen Musikern sein, doch bevor ich zum eigentlichen Ereignis komme noch einiges zum Thema Electric Light Orchestra, um Irrtümer auszuschließen.

Das Electric Light Orchestra (ELO) wurde 1970 von Leff Lynne, Bev Bevan und Roy Wood gegründet. Alle drei Musiker waren vorher bei der britischen Band The Moove. Roy Wood verließ ELO nach kurzer Zeit wieder, um eigene Projekte zu verwirklichen. Jeff Lynne und Bev Bevan hatten fortan zu je 50 Prozent die Rechte am Namen ELO, andere mitwirkende Musiker waren Angestellte und wurden je nach Bedarf eingestellt oder durften wieder gehen. ELO spielte am Anfang Rockmusik mit klassischen Elementen (man wollte da anfangen, wo die Beatles mit "I Am The Walrus" aufgehört hatten, so Jeff Lynne), später ging die Orientierung in Richtung Elektropop bis Disco-Sound. 1986 löste sich ELO auf. Schlagzeuger Bev Bevan, der ja 50 Prozent der Rechte am Namen ELO besaß, formierte eine neue Band ohne Jeff Lynne, die sich ELO II nannte. Dazu gehörte Phil Bates als Sänger und Gitarrist. Nachdem sich auch ELO II wieder aufgelöst hatte, sah sich Phil Bates als Bewahrer der großartigen Musik von ELO. Der eigentliche ELO-Gründer Jeff Lynne war nach der Auflösung seiner Band auch nicht untätig. Er wirkte Ende der 80er Jahre beim zeitweiligen Projekt Travelling Wilburys mit (zusammen mit George Harrison, Tom Petty, Bob Dylan und Roy Orbison), schrieb und schreibt Songs für andere Künstler (z. B. "Night calls" für Joe Cocker) und ist als Produzent tätig. 2002 gab es noch mal ein ELO- Album namens "Zoom", welches Lynne aber fast im Alleingang eingespielt hatte. Nur wenige Studiomusiker haben da mitgewirkt (Ringo Starr, George Harrison z. B.).

Nun aber zum Event auf Wotschofska. Weil, wie gesagt, die Insel nur per Kahn, Fahrrad oder zu Fuß erreichbar ist, wurde der größte Teil der ca. 1000 Besucher per Spreewaldkahn transportiert. Los ging es im kleinen Hafen von Lübbenau, ca. eine Stunde über Spreewald- Fließe, vorbei an Wiesen, Spreewaldgehöften, Wochenendgrundstücken und durch zwei Schleusen. Zu sehen war hier mal eine Stockente mit ihren Küken, da mal ein Reh auf einer Lichtung, einfach herrlich. Nach der Ankunft auf Wotschofska nahmen wir Medienvertreter an einem für uns reservierten Tisch Platz. Ich möchte an dieser Stelle einmal ein großes Dankeschön und ein Lob an die Kollegen der cucumber media-Kommunikationsagentur und der Tourist-Information Lübbenau aussprechen. Sie haben sich bestens um uns gekümmert, sei es der Hin- und Rücktransport oder weitere Fragen vor Ort, sie waren einfach für uns da. Mit einem Schildchen, auf dem "Presse" stand, durften wir den ganzen Abend auch hinter die Absperrung vor die Bühne und es wurde sogar geduldet, wenn mal jemand die Treppe zur Bühne hoch stieg, um da zu fotografieren.

Das Vorprogramm gestaltete die Sängerin Eliza mit ihrer Band. Etwa eine halbe Stunde wirbelte die junge Sängerin aus der Lausitz über die Bühne. Eliza hat eine tolle, rockige Stimme, singt in deutscher Sprache eigene Titel, aber auch z. B. Titel von Silly oder Grönemeyer's "Alkohol" und von Trude Herr "Ich will keine Schokolade". Ihre Band bestand aus einem Keyboarder, einem Gitarristen, einem Schlagzeuger und einem Bassisten, die alle ihr musikalisches Handwerk perfekt erledigten. Leider hatte der Vortrag nicht die Aufmerksamkeit, die er vielleicht verdient hätte. Während Eliza sang, kamen viele erst an, suchten sich ihren Platz oder holten sich erstmal was zu essen oder zu trinken. Das ist der undankbare Part einer Vorband, die Leute warten auf den großen Künstler, aber so manche Band, die heute groß ist, war auch mal "nur" Vorband. (zu Eliza Infos über www.Eliza-musik.com).

Pünktlich um 20.30 Uhr ging dann das los, worauf alle gewartet hatten. Phil Bates (dem ELO- Gründer Leff Lynne äußerlich und auch stimmlich nicht unähnlich) und seine insgesamt neun Musiker betraten die Bühne und starteten mit "All Over The World". Es war einfach Klasse, alles im Originalarrangement vorgetragen mit hervorragendem Backgroundgesang, die Massen wurden sofort mitgerissen! In der vorderen Reihe auf der Bühne standen neben Phil Bates der Bassist in einer Fantasieuniform, weiterhin eine Violinistin und an der Seite spielte Phils Frau Jo und ein weiterer Musiker die Keyboards. Die hintere Reihe bildete das Schlagzeug und The Berlin String Ensemble, bestehend aus zwei Frauen mit Violinen, einem Mann mit Bratsche und einem Cellisten. Die Frauen trugen dunkle Hosenanzüge, die Männer Frack. Nach dem ersten Titel sprach Phil Bates einige wenige Worte - auch auf Deutsch - zur Begrüßung, danach gab es Titel auf Titel, alles was man von ELO so kennt. So spielten sie "Rock'n Roll Is King", "Evil Woman", "Turn To Stone", "Calling America", "Confusion", "Telephon Line", "Mister Blue Sky" und "Don't Bring Me Down". Bei "Midnight Blue" begleitete Phil sich auf der Akustikgitarre, während seine Frau Jo und der Bassist im Background sangen und ansonsten nur noch ein Keyboard einige Akkorde beisteuerte. Möglicherweise wurde damit angedeutet, dass die Musik von ELO auch in kleinerer Besetzung gespielt werden kann. Den ELO-Sound kann man übrigens auch ohne die Streicher des Berlin String Ensemble erleben oder man kann Phil Bates mit einem weiteren Musiker als Duo für Clubkonzerte buchen, je nach Wunsch des Veranstalters (siehe www.sounds-promotion.de). Hier in Wotschofska stand aber die große Besetzung auf der Bühne. Im letzten Teil des Konzertes spielten die Musiker noch "Livin' Thing", "Last Train To London" und als letzten Titel "Hold On Tight". Danach ging es erstmal runter von der Bühne, das Ganze kehrt und wieder rauf zur Zugabe. Da-da-da-da… spielten die Streicher, die Einleitung zu Beethovens 5. Sinfonie. Danach ertönte ein lautes Gitarrenintro zu "Roll Over Beethoven", ausgedacht vor über 50 Jahren von Chuck Berry. Die Beatles haben es auch gespielt, aber die Fassung von ELO ist meiner Meinung nach nicht zu übertreffen... Noch ein ELO-Titel hinterher und dann war endgültig Schluß. Neben der Bühne wurde noch eine Pyrofontäne abgebrannt und die Musiker gingen ins Haus. Der Tourmanager verteilte danach noch Fotos mit Autogrammen.

Jetzt hieß es, wieder eine Stunde zurück mit dem Kahn durch den nächtlichen Spreewald. Diesmal ging die Fahrt nicht durch die zwei Schleusen, sondern auf einer anderen Route durch das Dorf Lehde, vorbei am Museum und am "Fröhlichen Hecht", einer bekannten Gaststätte. Der Mond schien und die Kähne waren beleuchtet, auch auf vielen Grundstücken, an denen man vorbeifuhr, leuchtete es in den Gärten. So konnte man die Eindrücke vom Konzert noch etwas ausklingen lassen. Angekommen diesmal im großen Hafen von Lübbenau ging es dann zum Auto und ab nach Hause.

Konzerte auf Wotschofska sollen zu einem alljährlichen Ereignis werden, wobei man nicht vorhat, den Rahmen zu erweitern. Der Spreewald ist ein Biosphärenreservat und solche Veranstaltungen werden mit den Naturschutzbehörden abgestimmt. Bleibt die Frage offen, wer gastiert im nächsten Jahr in Wotschowska? Es wurde an diesem Abend nicht verraten. Auf einige Künstler wurde zwar schon spekuliert, aber ich möchte mich da raushalten. Andrea Grahn von der cucumber-media sagte mir noch vorhin am Telefon, Deutsche-Mugge wird es rechtzeitig erfahren und auch wieder eingeladen, also warten wir bis nächstes Jahr.

Neben Phil Bates (voc,g) standen auf der Bühne:
Jo Bates (keyb,voc), Ralf Vornberger (bass), Eric Herold (keyb), Chris Evans (dr), Susanne Filep (Geige)

The Berlin String Ensemble bestand aus:
Nadine Gürke (1. Geige), Silvia Finger (2. Geige), Chang Yun Yoo (Bratsche) und Johannes Henschel (Cello)




Fotoimpressionen:


Anfahrt und Umgebung:















Vorprogramm: EliZa









Hauptprogramm: Phil Bates