Electra am 12.08.07 beim
Bierstadtfest in Radeberg


Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann




Stadfeste haben manchmal den unheimlichen Vorteil, dass der Ostrockfan hier und da mal die Möglichkeit hat, sich seine Bands gratis anzugucken.
Am 12.08. war beim Radeberger Bierstadtfest für 19.30 Uhr electra angekündigt. Das schöne Sommerwetter lud geradezu dazu ein, einen Ausflug dorthin zu machen. So gegen 19.00 Uhr traf ich auf dem Marktplatz an der Bühne ein und Electra war gerade noch beim Soundcheck. So nach und nach füllte sich der Platz vor der kleinen Bühne sowohl mit normalem Stadtfestpublikum, als auch mit Fans. Glücklicherweise waren aber auch ein paar bekannte Gesichter unter den Zuschauern, so dass man sich die Zeit mit ein paar angenehmen Gesprächen vertreiben konnte. Pünktlich 19.30 Uhr klangen als Intro russische Volksweisen aus den Boxen, und electra betrat die Bühne. Bandleader Bernd Aust begrüßte die Zuschauer und leitete mit seiner Ansage gleich zum ersten Sänger des Abends über. Da Stefan Trepte immer noch seine Verletzung, resultierend aus einem Bühnenunfall, auskurierte, wurde diese Aufgabe von Gisbert Koreng übernommen. Den zweiten Sängerpart übernahm dann zum späteren Zeitpunkt Peter „Mampe“ Ludewig. Nun ging es für ca. 2 Stunden auf Zeitreise durch die 38–jährige Electra–Geschichte. Es wurde ein Konzert der Spitzenklasse. Die Musiker brillierten an ihren Instrumenten und strahlten gute Laune und Spielfreude aus.
Bandleader Bernd Aust führte gekonnt und unterhaltsam durch das Programm. So erzählte er verschmitzt zwischen den Liedern einige Anekdoten aus der Bandgeschichte, zum Beispiel über Electra’s ersten Proberaum, oder warum er auf der Bühne unbedingt ein bestimmtes Getränk braucht.
Die Setlist ließ eigentlich kaum Wünsche offen. Es gab natürlich viele Klassiker zu hören, wie zum Beispiel „Einmal ich, einmal du...“ und „Vier Milliarden in einem Boot“. Bassist Wolfgang Riedel legte auf seinem Instrument mal wieder ein Solo hin, das sich gewaschen hatte. Wie in alten Electra-Zeiten kam dabei natürlich auch ein Cellobogen zum Einsatz. Das Faszinierende an Electra war für mich schon immer, dass sie gern und gut klassische Musik mit Rockmusik verbanden. Davon gab es gestern auch wieder einige Kostproben. Hervorragend war der Satzgesang der Band bei dem in italienischer Sprache gesungenen Madrigal von Orlando di Lasso. Dieses Musikstück ist ja schon von jeher Bestandteil der Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ und leitete auch gestern „Das Bild“ ein.
Natürlich durften im Programm auch Klassikadaptionen wie „Der Türkische Marsch“ von Mozart und Bach’s „Bouree“ nicht fehlen. Hier zeigte Bernd Aust mal wieder sein excellentes Können auf der Querflöte. Zu einem ordentlichen Electra-Konzert gehört für mich natürlich auch Jethro Tull’s „Lokomotiv Breath“. Natürlich fehlte dieses Stück auch in Radeberg nicht. Gitarrist Ecki Lipske ist auch ein Meister seines Faches. Das bewies er mal wieder bei Gary Moore’s „Still got the blues“ auf seinen 6 Saiten.
Dann wurde es Zeit für den ersten offiziellen Rentner der Band: Peter „Mampe“ Ludewig betrat die Bühne und bewies, dass man mit 65 Jahren noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehören muss. Mir „Weiter, weiter“ und „Alter, Alter dankeschön“ legte er los, und sorgte natürlich gleich wieder ordentlich für Stimmung auf und vor der Bühne. Dieser Mann hat nicht nur eine sagenhafte Stimme, sondern ist auch ein begnadeter Komödiant. „Der grüne Esel“ wird von ihm mit der Narrenkappe auf dem Kopf, bzw. auch kurz mit einer Eselsmaske interpretiert. Seine Mimik und sein „irres“ Lachen bei diesem Klassiker muss man einfach mal erlebt haben. An „Reach out, I’ll be there“ schloss sich dann noch Mampes afrikanisches Trommelsolo an.
Jedes Konzert geht ja irgendwann zu Ende und mit „Tritt ein in den Dom“, gesungen von Mampe und Gisbert Koreng, wollte auch Electra zum Feierabend übergehen. Aber das begeisterte Publikum ließ Electra nicht ohne Zugaben von der Bühne. So gab es unter anderem noch "Nie zuvor" und "Frau im Spiegel" zu hören.
Den Schlußapplaus hatten sich die Mannen um Bernd Aust gestern redlich verdient. Ich denke, sowohl Band als auch Publikum waren mit dem gestrigen Abend mehr als zufrieden.