Electra am 06.09.08 in Singwitz



Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann




Das Kesselhaus in Singwitz ist bekannt für sein abwechslungsreiches und hochklassiges Programm. Meiner Meinung nach ist diese Einrichtung sogar die Topadresse für gute Livemusik in Ostsachsen. Am 06.09.08 hatte sich electra dort angesagt. Das war für viele ein Grund die heimische Couch mal wieder für einen Abend zu verlassen und nach Singwitz zu fahren.
Am Eingang bildete sich schon über eine Stunde vor Konzertbeginn ein lange Schlange. Auch wir wollten natürlich electra nicht verpassen. Geduldig warteten dann alle auf Bernd Aust und seine Kollegen. Der leicht verspätete Konzertbeginn machte es ein klein wenig spannender. Dann erklangen wieder mal die russischen Volksweisen des electra-Intros aus der Anlage und die Musiker versammelten sich auf der Bühne.
Mit einer Klassik-Adaption, dem Säbeltanz aus Aram Chatschaturjans Ballett "Gajaneh", ging es dann gleich zünftig los. Die Dresdner Band zeichnete sich ja schon immer durch ihre Verbindung von Klassik und Rockmusik aus. Die nächsten Stunden konnte sich das Publikum eindrucksvoll vom musikalischen Können und der Spielfreude von electra überzeugen. Mit den drei Sängern Gisbert Koreng, Stefan Trepte und "Mampe" Peter Ludewig erklangen bekannte Lieder aus den verschiedenen Schaffensperioden der Musiker. Bandchef Bernd Aust führte mit seinen Ansagen gekonnt durch das Programm. Das war sowohl unterhaltsam als auch informativ. Wenn Aust kurz aus der Bandgeschichte erzählt, kann man sich hier und da ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Als erster Sänger trat Gisbert Koreng ans Mikrofon. Lieder wie "Vier Milliarden in einem Boot", "Einmal ich, einmal du, einmal er" und die Ballade "Frau im Spiegelglas" waren dann die ersten gesungenen Klassiker der Band. Hier wurde mir auch gleich wieder bewußt, was die Band noch auszeichnet, nämlich die sehr gehaltvollen Texte. Stefan Trepte ist unzweifelhaft einer der ausdrucksstärksten Sänger des Landes. Davon konnten wir uns zum Beispiel bei den Liedern "Wenn die Blätter fallen" und "Wie im Film" überzeugen, die Trepte einst mit der Band Reform sang. Mit seinen Gesten und mit seiner unverwechselbaren Stimme interpretierte er diese Titel ausdrucksstark.
Aber auch die Instrumentalisten leisten bei electra Großartiges. Da wäre natürlich als erstes Bernd Aust zu nennen, der mit Querflöte, Klarinette und Saxofon den electra-Sound entscheidend geprägt hat. Es ist einfach unglaublich, welche Töne er seiner Querflöte beim "Türkischen Marsch" oder "Locomotive Breath" entlocken kann. Beim Jethro Tull-Klassiker glänzte zudem Gisbert Koreng am Mikrofon. Bassist "Kuddel" Wolfgang Riedel bearbeitete bei seinem Solo den Bass wieder in bewunderswerter Weise mit dem Geigenbogen und ist ansonsten neben der Musik auf der Bühne auch für jeden Scherz zu haben. "Ecki" Eckehardt Lipske spielt seine sechs Gitarrensaiten auch mit Herzblut und zaubert aus ihnen so manch traumhafte Melodie heraus. Sein Gitarrenspiel bei Gary Moore’s „Still got the blues“ ist schlicht und einfach ein wahrer Leckerbissen für mich gewesen. Der hervorragende Satzgesang der Band bei dem in italienischer Sprache gesungenen Madrigal von Orlando di Lasso leitete dann zu "Das Bild" aus der Rocksuite „Die Sixtinische Madonna“ über. Das Lied ist immer noch eines meiner Lieblingsstücke von electra. Mit "Einmal Amerika" und "Goldhamster" spielte electra auch zwei Lieder von der in den Wendezeiten produzierten LP "Der aufrechte Gang".
Doch es sollten noch weitere Höhepunkte kommen. "Mampe" Peter Ludewig betrat die Singwitzer Bühne und obwohl es in der Halle sowieso schon heiß wie in der Sauna war, heizte er uns mit "Weiter, weiter" und "Alter, alter dankeschön" noch mal richtig ein. Mit "Das kommt weil deine Seele brennt" von der ersten Amiga-LP sang er auch einen der ältesten electra-Titel des Abends. Natürlich brillierte Mampe auch wieder bei "Der grüne Esel" als erzählender Hofnarr. Wenn man ihn dabei über die Bühne fegen sieht, glaubt man kaum, dass Ludewig sich schon im Rentenalter befindet. Bei seinem afrikanischen Trommelsolo zeigte er, dass er auch das Trommeln nicht verlernt hat.
Die Zeit verging, und schon imitierte Andreas Leuschner auf seinem Keyboard eine Kirchenorgel und das hieß, dass jetzt "Tritt ein in den Dom" erschallen würde. Die allerletzte Zugabe des Konzertes sah mit Keyboarder Leuschner und Sänger Trepte nur noch zwei Musiker auf der Bühne. Mit "Sieh in die Kerzen" setzten die beiden einen stimmungsvollen Schlußpunkt und beendeten damit ein Konzert der Extraklasse.




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