Der ungewöhnliche und originelle Bandname fällt einem spätestens im aktuellen Buschfunk-Katalog ob seiner dortigen Omnipräsenz auf: "Dziuks Küche". Das allein macht schon neugierig, und wenn man dann noch feststellt, dass man es bei Namensgeber und Bandchef Danny Dziuk mit einem ganz Großen seines Faches zu tun hat, sollte das der Gründe genug sein, endlich auch mal ein Konzert zu besuchen. Das legendäre Quasimodo in Charlottenburg musste es dann schon sein, zumal die anderenorts lediglich floskelhaft gepriesene Wohnzimmeratmosphäre dort wirklich Programm ist. Gut, dass es so etwas noch gibt!

Dziuks Küche (Pressefoto)
|
Mit dem gesellschaftskritischen Titelsong der 2001er Platte "Hauptsache Wind" startete Danny Dziuk und seine "Küche" pünktlich um 22.30 Uhr in das Programm. Dziuk, abwechselnd an Rhythmus-Gitarre und Keyboard unterwegs, stellt sich dabei eher als Solist mit Begleitband denn als Teil derselben dar, ist eher Conferencier als bloßer Frontmann. Der Fokus des Geschehens liegt unzweifelhaft auf dem (freilich gesungenen) Wort; die Musik rückt dabei unweigerlich etwas in den Hintergrund - auch, wenn dies letztlich deren Qualität keineswegs mindert. Die Leute wollen zuhören, nachdenken, lachen, angeregt werden. Und das gelingt Danny Dziuk auf's Vorzüglichste! Die Themata sind dabei breit gefächert - bevorzugt wird die Eifersucht bedient, gesteigert in "schlimmer" Eifersucht, das Städtchen Halberstadt muss in "Halber Staat" als Synonym für die braune Pest in Neufünfland herhalten ("Nichts zu tun & einī im Tee - Zivilisation a.D. - ne Nase bricht - n Schädel kracht - Halberstadt, wie es singt & lacht"), und in "Phatt in Taiwan" fühlt sich Dziuk von Tom Waits inspiriert. Ein Text von Peter Hacks ("Ode auf Berlin") wird vertont, und wer da bei "Zu alt" mit "aus deiner Jacke rieselt leise der Putz - deine ganze Figur steht unter Denkmalschutz" letztlich gemeint ist, bleibt dem Betrachter überlassen. Es ist Lyrik pur, die hier regelrecht zelebriert wird, und es kommt an!
Wiglaf Droste erspähte ich im Publikum, was angesichts der regelmäßigen Zusammenarbeit beider nicht verwundert. Dziuk indes flirtete nahezu den ganzen Abend mit einem Annett-Louisan-Double, das ich unmittelbar neben mir wähnte. Nachdem ich allerdings bei meiner Recherche zu diesem Beitrag feststellen durfte, dass eben jener einen Großteil der Texte und Songs auf dem im März erscheinenden neuen Album der Pop-Lolita beisteuern wird, bin ich mir nicht mehr so sicher, dass es sich dabei um ein Double handelte...