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Bericht: Torsten Meyer Fotos: Pressefotos (Textillustration) Torsten Meyer (Live-Bilder)
Glaubt jemand von Euch an Wiedergeburt? Ich eigentlich überhaupt nicht - bis zum Abend des 20. Januar 2012. Aber der Reihe nach... DIE GUTE FEE Manchmal wünsche ich mir eine gute Fee, die mir allen Ernstes anbietet, mich unverbesserlichen Musikverrückten auf drei Konzerte meiner Wahl zu beamen, die weit vor meiner "aktiven" Zeit stattfanden. Die Auswahl würde mir nicht schwerfallen. So würde ich sonst was dafür geben, Jimi Hendrix in Woodstock erleben zu dürfen, Janis Joplin bei ihrem Winterland-Auftritt 1968, und ich habe schon immer bedauert, niemals bei einem Led Zeppelin-Gig in den 70er Jahren dabei gewesen zu sein. Bevor die gute Fee mich mit ihrem Zauberstab auf Zeitreise schickt, werde ich allerdings unverschämt und lege nach. Ich hätte da nämlich noch drei fromme Wünsche, könnten mir die nicht als Bonus genehmigt werden? So wäre es für meinen Seelenfrieden ungeheuer wichtig, einmal Bob Marley live zu erleben, ebenso Gitarrengott Stevie Ray Vaughn. Und zu guter Letzt, liebe Fee, mache bitte möglich, dass ich wenigstens einmal einem DIRE STRAITS-Konzert beiwohnen darf. Und zwar aus der Zeit der Erstbesetzung mit beiden Knopfler-Brüdern, John Illsley und Pick Withers.
BLUESGARAGE ISERNHAGEN Einige Kilometer vor den Toren Hannovers gibt es einen Ort, der sich seit seiner Eröffnung 1999 zu einem unglaublich beliebten Event-Ort gemausert hat: die Bluesgarage in Isernhagen. Hat man mit dem Auto - anders geht es leider nicht - in das Industriegebiet gefunden, steht man zunächst vor einer nüchternen Betonbude, die keinerlei Emotionen weckt. Aber wehe, man betritt das Etablissement! Schon im kleinen, kuscheligen Vorraum vergisst man die Außenwelt. Ein paar Schritte weiter erhält man durch Vorlage seiner Bestell-Mail das begehrte Ticket und steht sofort im Herzstück der Bluesgarage, dem kleinen, überschaubaren Saal. Als ich im April 2011 erstmals da war, staunte ich Bauklötze. Ohne Quatsch: man wähnt sich mitten drin in einem echten amerikanischen Bluesschuppen. Viele kleine Details, angefangen vom Mischpult, welches im Rang der Location quasi in den Motorraum einer amerikanischen Limousine gebaut wurde, über die riesige Freiheitsstatue, die als Malerei neben der Bühne an der Wand prangt, viele kleine Dekorationen, bis hin zu den vielen Plakaten und Bildnissen großer Musiker. Ich will mich jetzt nicht in Schwärmereien verlieren, denn es soll ja kein Werbeflyer für die Bluesgarage werden, aber ich muss einfach diese paar Worte über diesen großartigen Laden loswerden. Das Ganze ist ein Familienbetrieb unter Leitung von Henry Gellrich, der die Bluesgarage ohne jede Unterstützung durch die Gemeinde aufgebaut und zu dem gemacht hat, was sie heute ist: ein weit über Hannovers Grenzen hinaus geachteter und beliebter Ort für Konzerte. Familiär ist auch die Atmosphäre, die man als Besucher spürt. Man fühlt sich einfach wohl und freut sich ungemein auf das anstehende Konzert. Man verspürt in dieser Umgebung richtig Lust auf gute Livemusik.
dIRE sTRATS - MEHR ALS EINE COVERBAND Zu der illusteren und prominenten Gästeschar gehört auch eine Band, die bereits acht (8!) Mal in der Bluesgarage spielte: die dIRE sTRATS. Nein, es ist kein Schreibfehler, auch hat meine Tastatur kein Problem mit der Groß- und Kleinschreibung. Die Schreibweise soll lediglich die Nähe zu Mark Knopflers Originalband andeuten. Nun werden sicher viele, die noch niemals von den dIRE sTRATS gehört haben, die Nase rümpfen und sagen: naja, eine von unzähligen Coverbands dieser Welt, die sich mit dem Nachspielen der DIRE STRAITS-Songs ein bisschen Geld verdienen. Ich gebe gerne zu, ich würde genauso denken, wenn ich die Jungs vorher nicht schon mal rein zufällig live erlebt hätte. Zumal ich ohnehin beim Thema Coverbands gerne mal das Kriegsbeil ausgrabe und meine eher pazifistische Grundhaltung links liegen lasse. Es gibt da nämlich eine fürchterliche Menge Schrott auf dem Markt, die eigentlich lebenslanges Auftrittsverbot verdient hätten für ihre peinlichen Kopierversuche. Dann gibt es solche, wo man sagt: okay, netter Versuch, aber einmal hören reicht, danach ziehe ich mir doch lieber wieder das Original rein. Und letztlich gibt es eine Handvoll Bands, die es wirklich schaffen, ihre Idole auf eine so begeisternde Art und Weise zu covern, dass man tatsächlich schon manchmal fragen muss: wer ist nun Original, und wer die Kopie?
DAS KONZERT Der Beginn war wie üblich bei Freitagskonzerten in der Bluesgarage auf 21:00 Uhr angesetzt. Da ich inzwischen bereits einige Male den weiten Weg von Berlin nach Isernhagen zurückgelegt hatte, wusste ich, dass frühes Kommen einen guten Platz sichert. Diesmal stimmte dieses Motto mehr denn je, denn bereits eine Stunde vor Konzertbeginn war es kaum noch möglich, sich zu bewegen, so voll war es bereits. Als dann endlich die Lichter ausgingen und Bluesgaragen-Chef Henry wie üblich die Band ansagte, begannen knapp drei unvergessliche Stunden Zeitreise. Das Programm der dIRE sTRATS steht unter dem Motto "A Tribute to Dire Straits". Bereits bei den Klängen des Openers "Ride across the river" vom Album "Brothers In Arms" (1984), dem vorletzten regulären Studioalbum der DIRE STRAITS, glaubte man seinen Ohren nicht zu trauen. Der Sound war so immens dicht am Original, und die Stimme von Sänger Peter Spencer klang dermaßen nach Mark Knopfler, dass man sich zwangsläufig umdrehte und nach diesem suchte. So richtig angekommen war die Band dann beim zweiten Song, dem schwungvollen "Lady writer". Dieses Werk findet man auf meinem Lieblings-Album der DIRE STRAITS namens "Communique", immerhin schon 1979 erschienen. Hier trat erstmals der eigentliche Held des Abends in Erscheinung, der Leadgitarrist Wolfgang Uhlich. Will man die DIRE STRAITS covern, besteht die eigentliche Schwierigkeit fraglos in dem furiosen und unnachahmlichen Gitarrenspiel Mark Knopflers. Unnachahmlich? Vielleicht für 98 Prozent aller Gitarristen dieser Welt, aber nicht für einen Wolfgang Uhlich. Dieser junge Kerl beherrschte dieses sagenhafte Fingerpicking, welches Knopfler berühmt gemacht hat, als wäre er dessen 1:1-Double - dessen Klon. Ich schaute wie gebannt auf seine Finger, konnte es nicht fassen, was da zu hören war. Den Fans in der rappelvollen, ausverkauften Bluesgarage ging es genauso. Jeder Ton, jeder Akkord traf genau ins Schwarze, und hier und da wurde Uhlich sogar kreativ und improvisierte eigene Ideen in die Soli rein. Ich kam immer wieder ins Grübeln, ob nicht doch irgendwo hinter der Bühne der leibhaftige Mark Knopfler steht und in Wirklichkeit die Gitarre zupft... Aber nein, alles war echt, alles live, hier wurde nicht gemogelt.
Titel aus allen Phasen und Schaffensperioden der Originale wurden zu Gehör gebracht (siehe Setlist unten). Es ist schwer einen Favoriten herauszupicken, da wirklich alles erstklassig und handwerklich auf höchstem Niveau ablief. Da findet sicher jeder, der dabei war, seinen persönlichen Lieblingssong. Hervorheben möchte ich aber dann vielleicht doch vier Nummern. Zum einen "Private investigations" vom 1982er Kunstwerk "Love over gold". Hier durfte Drummerboy Jens Gernhoff seine tiefe Stimme für den Vocalpart leihen, und er machte das ganz prächtig. Dann muss man natürlich den Mammutsong schlechthin erwähnen, nämlich das 14-Minuten-Epos "Telegraph road". Eine Irrsinnsnummer mit vielen Tempo- und Rhythmuswechseln, verfeinert durch Flöte und Saxophoneinsatz. Es war mit Sicherheit eine reine Konzentrationsübung, den Titel fehlerfrei durchzuspielen. Hut ab! Naja, und welcher Song durfte keinesfalls fehlen? Richtig, der erste und bis heute größte Hit der Knopfler-Bande: "Sultans of swing". Kinder, ich hatte Pippi in den Augen, als ich Wolfgang Uhlichs Fingerakrobatik sah, als ich diese unsterbliche Melodie so hörte, als ständen die wahren DIRE STRAITS auf der Bühne - so wie ich es mir in meinen eingangs erwähnten Träumen wünschte. Es lässt sich einfach mit Worten nicht beschreiben, welche Glücksgefühle in solchen Momenten freigesetzt werden... Das letzte Highlight gab es dann am Ende des regulären Teils, als das einzigartige "Brothers in arms" erklang. Nochmals Gänsehaut pur und wieder Anflüge von erhöhtem Augendruck. Sah man sich um, lagen sich viele Pärchen in den Armen und genossen verträumt diese letzten Augenblicke. Auf dem Rang gingen die Wunderkerzen an, schöner kann ein Konzert nicht enden. Natürlich ließen die Fans die Jungs nicht ohne zwei Zugabenblöcke gehen, und nach über zweieinhalb Stunden Spielzeit (plus 20 Minuten Pause) fand dieses irre Konzert sein Ende. Wohin man auch sah, hörte man Begeisterung und Zufriedenheit.
Mit solchen Superlativen sollte man dann doch eher vorsichtig umgehen. Fakt ist, die dIRE sTRATS schafften es an diesem 20. Januar 2012 hervorragend, an die phantastische Mark Knopfler-Originalband zu erinnern. Mehr noch. Sie kopierten die Songs nicht einfach, sondern sie ließen sie wieder aufleben, zelebrierten sie. Man fühlte sich 30 Jahre zurückversetzt, dachte an längst vergessen geglaubte Dinge. Die Jungs um ihren exzellenten Gitarristen Wolfgang Uhlich, der zeitweise regelrecht in anderen Sphären zu versinken schien bei seinem filigranen Spiel, brillierten mit einem Sound, einem Klang, der den großen Originalen absolut ebenbürtig war. Ich habe sehr oft die Augen geschlossen und wusste in diesen Momenten tatsächlich nicht, was die Tribute-Band von den Knopfler-Helden unterschied. Ja, der einzige Unterschied war und ist tatsächlich im fehlenden "i" im Bandnamen zu finden. Der gesamten Truppe gebührt dafür ein riesengroßes Dankeschön, jeder einzelne Musiker erfüllte seinen Part phantastisch. Am Ende kann ich dann doch behaupten, die dIRE sTRATS können als Reinkarnation ihrer Vorbilder durchgehen. Überzeugt Euch davon auf den vielen youtube-Videos, auch wenn natürlich ein Live-Erlebnis durch nichts zu ersetzen ist. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, überwindet Eure möglicherweise vorhandenen Vorurteile gegenüber Coverbands, wenn irgendwo die dIRE sTRATS angekündigt werden. Ihr wandert mit ihnen zurück in eine Zeit, als mit "Sultans of swing" der Siegeszug einer der besten und größten Gitarrenbands der Welt begann. Und das auf eine mehr als authentische, sympathische Art und Weise. Vielleicht sagt Ihr ja hinterher auch so wie ich: Wenn ich mir schon eine Coverband reinziehe, dann muss sie aber so klingen wie die dIRE sTRATS!
Die nächsten Termine: 27.01.12 - Bochum - Zeche 04.02.12 - Dollern - Kulturdiele 10.02.12 - Osnabrück - Rosenhof 11.02.12 - Kreuztal - Stadthalle 18.02.12 - Müden - Kubus nähere Infos auf der bandeigenen Webseite! Bitte beachtet auch: - off. Homepage der dIRE STRATS: www.direstrats.de - Homepage der Bluesgarage in Isernhagen: www.bluesgarage.de |