Bericht: Casus Campari
Fotos: Casus Campari







Es war nur ein Moment
Zehn Tage im August steht die Innenstadt in Leipzig Kopf - as every year! "Die Bürgermeister wechseln, die Toilettenfrau ist seit 16 Jahre die gleiche", so Impressario und Chef-Organisator Peter Degner, selbst eine Legende mit großer Klappe und einigem Durchsetzungsvermögen. Denn das Toilettenpersonal muss er nicht mehr überzeugen.

Immer wenn der Sommer am Schönsten ist, verwandelt sich der Markt in Leipzig in ein riesige Bühne, auf der Künstler aus der Region, aus Deutschland und aus der ganzen Welt abwechselnd live auftreten. Täglich ab Mittag bis spät in die Nacht und wenn Ober-Guru Pfarrer Wolff von der Thomaskirche mal in Urlaub ist, dann gern auch bis in den frühen Morgen! Zwischendurch wird das Publikum, das manchmal nur für dieses Event eine weite Anreise in Kauf nimmt, mit erlesenen Konzertmitschnitten und großartigen Konzertaufnahmen vom Band verwöhnt. Auch kulinarisch ist Leipzig ja ohnehin für seine Gaumenfreuden bekannt und "die Bewirtung war besonders auserlesen", um es mit Sergej Michalkov zu sagen.

Gestern nun der vorletzte Tag, aber ein ganz besonderer. Nach Torsten Voigtmann (Foto links) als Monsieur T. und gekonntem Piano-Entertainment bestiegen die Gospel-Singers um Marybeth Gremour die Bühne. Aber auch wenn Gospel eher in die verschlossene Thomaskirche gehört hätte, Marybeth war gut drauf "Rhode Island-geboren, Florida-gegospelt, Leipzig-geliebt!", so ihr Wahlspruch.

June Carter und Johnny Cash läuteten dann die heiße Phase dieses Abends ein. Cornelia 'Conny' Corba (Foto rechts), die die June im zurzeit in München gastierenden Musical "Johnny Cash - The Man in Black" spielt und singt, brachte das Kunststück fertig, in 30 Minuten die gesamte Liebes- und Songgeschichte des amerikanischen Folk-Duos zu Gehör zu bringen, ein Genuss für die Freunde des kürzlich verstorbenen Cash.

Dann aber war Zeit für ihn: Günther Fischer (Foto rechts) aus Cork, Irland und damit auch nicht gerade von "umme Ecke"! "Für Peter Degner reise ich gern nach Leipzig". Fischer, der mit seinen gestandenen Musikern um Wolfgang 'Zicke' Schneider, Detlef Bielke und natürlich Töchterchen Laura anreiste, hatte das Leipziger Publikum sofort im Griff. Vielleicht sind viele der Besucher auch nur oder gerade wegen ihm gekommen, den verlorenen Sohn einer Musikszene, die heute mehr oder weniger, eher weniger, von der Erinnerung lebt. Ostrock und Ostjazz, zwei Kunstbegriffe einer wohl aussterbenden Bewegung. Schade drum.

Günther Fischer eröffnete natürlich mit einigen seiner Jazz-Interpretationen, gleich am Anfang das von Bielke komponierte Blue Samba. Danach war es dann nur eine Frage der Zeit, bis die Band zu den bekannten Filmmusiken, die vor allem durch Manfred Krug und Uschi Brüning bekannt wurden, "Frag mich, warum", "Sonntag" und natürlich "Solo Sunny" - erstaunlich stilsicher von Laura interpretiert. Die Familie ging vor 13 Jahren nach Irland, da war Laure gerade mal 9 Jahre. Vier Jahre später hatte sie ihre erste Band und mit dieser bereits zwei CDs produziert. Das aktuelle Album "All The Way Down" bietet einen rockmusikalischen Querschnitt mit einer klaren und kräftigen Stimme. Kaufempfehlung! Günther Fischer produziert noch dieses Jahr eine CD mit Armin Müller-Stahl. Das komplette Interview demnächst auf rockradio.de.

Den Abschluss der Live-Acts bildeten die Mannen um Bernd Aust, natürlich wie überall seit dem Comeback 2004 mit der kompletten Manschaft angereist inklusive der drei stimmgewaltigen Sänger Stephan Trepte, Gisbert Koreng und Peter 'Mampe' Ludewig. electra live in Leipzig und die Glockenmänner schlugen 12 mal...