...in Wien am 22. Juli 2011


Bericht:
Tobias Glahn

Fotos:
Pressefotos





Hochglanz-Show Made in New Jersey
Warum nicht einmal ein Konzert mit einem Wochenendtrip kombinieren? Wien ist dabei ja keine schlechte Adresse, und einen Flug nebst Hotel gab's zum Nice Price. Also ab an die Donau... Als der Shuttle-Bus vom Airport gen City steuerte ahnte ich schlimmes, sah mich schon durchgeweicht und frierend im Ernst-Happel-Stadion stehen... es goss wie aus Kübeln. Ideal für ein Open-Air... wäre ich bloß im Juni zum Konzert nach Dresden gefahren, da war ja wohl noch schönster Sommer.


1984 - 2011 auf 2 CDs: "The Ultimate
Collection" (Island/Universal, 2010)

Bei BON JOVI scheiden sich die Geister. Den echten Rock-Freunden sind sie inzwischen zu soft, und den Kuschelrockern immer noch zu hart. BON JOVI sind so ein bisschen wie unser Dieter Bohlen. Die bringen regelmäßig neue Alben raus wo mindestens drei Top-Hits drauf sind. Beim ersten Hören gehen die ins Ohr, und man hat das Gefühl man kennt die schon. Bon Jovi hat wohl einen Hit-Baukasten - ähnlich wie der deutsche "Pop-Titan" - und ein gängiges Strickmuster für seine Titel. Egal, es ist gute Musik die gut ins Ohr geht. Das fand wohl auch das Publikum im Alpenland, das das weite Rund des Ernst-Happel-Stadions gut füllte (50.000 berichtete die Medien am Folgetag). Für Wien war es das Top-Event des Sommers, sonstige Rock-Größen sind heuer wohl rar an der Donau. Die Location ist ähnlich weitläufig wie das Berliner Olympiastadion, da muss aber die Band top einheizen damit Stimmung aufkommt. Der eingefleischte BON JOVI-Fan bin ich nicht, dennoch fand ich das Konzert der letzten Tour 2008 in Hamburg sehr gut, und ich war gespannt wie die Rocker aus New Jersey diesmal drauf waren.

Der Himmel hatte wohl ein Einsehen und stellte vor dem Konzert die Beregnung ein. Da ich erst recht kurz vor Beginn im Stadion eintraf hatte ich einen Stehplatz im Innenraum relativ weit hinten. Wenn man nicht zu den ganz harten Anhängern gehört die im "Golden Circle" kreischen müssen, ist man dort recht gut aufgehoben. Kein Geschiebe und keine ungewollten Körperkontakte, garnicht übel. Top Sound und guter Blick auf die XXL-Videowand im Hintergrund der Bühne wie sich dann zeigte. Lange warten musste ich also bis zum Konzertbeginn nicht mehr, fast pünktlich um kurz nach Acht kamen BON JOVI auf die Bühne und die Hochglanz-Show begann. Das finde ich immer schonmal spitze, wenn man das Publikum nicht bis zum Sanktnimmerleinstag schmoren lässt und dann gnädigerweise mit einer Stunde Verspätung beginnt. Nicht nur das Stadion war inzwischen trocken, auch Richie Sambora stieg zum Europa-Teil der Tour nach einer Entziehungskur wieder in die Band ein. In Stammbesetzung ging es gleich in die Vollen mit "Raise your Hands", und die Fans waren sofort in Bestform. Was folgte war ein Marathon mit Titeln aus dem "The Circle"-Album, den neuen Stücken vom letzten Sampler und einer Hitparade aus all dem, was die Truppe berühmt gemacht hat. Die meisten Titel wie "It's my Life" oder "We weren't born to follow" hatten beste Mitbrüll-Eigenschaften, was die Stimmung stets am kochen hielt. Zwischendrin gab's auch mal Kuschelrock a la "I'll be there for you" oder "Make a Memory". Zeit der Feuerzeuge. Selbst auf den Rängen war das Publikum aktiv dabei.


Konzert für daheim: "The Crush
Tour" auf DVD (Starlight, 2011)

Der Sound war vom feinsten und das technische Equipment on Stage war eigentlich nicht zu toppen. Licht und Video-Produktion im XXL-Format. Eine absolut perfekte High-Quality-Produktion. Produktion trifft es wohl ganz gut, ohne all den technischen Aufwand ist ein Konzert dieser Größenordnung garnicht mehr denkbar. Was allerdings auch zum Nachteil hat, dass das Event sehr routiniert und steril verpackt rüberkam. Dafür, dass die Tour schon das ganze Jahr um die Welt unterwegs ist, machten die Mannen auf der Bühne einen klasse Job. Ein bisschen hat es an Herzblut und Kontakt zu den Fans gefehlt. Knappe 3 Stunden spielte die Band am Prater, wovon die letzte Stunde aus den beiden Zugabenblöcken bestand. Im zweiten Zugabenteil wurden auch alte Titel gespielt, die ich garnicht kannte, und bei denen die eingefleischten Experten neben mir lange rätselten von welchen Album die wohl stammten. BON JOVI selbst begeisterte die Damenwelt wie eh und je, und der Frontmann ist ganz klar der Chef on Stage. Der zurückgekehrte Richie Sambora spielte einen deutlich ruhigeren Part als noch auf der 2008er Tour, dennoch ist er auf seinem Instrument immer noch top in Form. Die restlichen Musiker sind wohl mehr oder weniger Angestellte im Unternehmen BON JOVI.

Nach 23:00 Uhr war das Konzert dann zu Ende, und die BON JOVI-Family verließ zufrieden die Arena. Insgesamt ein tolles Konzert, vielleicht schon ein bisschen zu toll und perfekt. Aber den Eintrittsobolus war es wert. Da die Band stramm auf die "30" zu steuert wird die Jubiläums-Tour garantiert nicht lange auf sich warten lassen.