Bericht: Andreas Hähle
Fotos: Patricia Heidrich






7. Liedersommer in Altenhof, Auftakt-Konzert mit "Bayon"
Der "Liedersommer" in Altenhof ist nun auch schon sieben Jahre alt. Aber vom verflixten siebten Jahr war nichts zu bemerken. Das wird sich sicherlich auch im Bericht über die drei Konzerte am Samstag, den 21.8. 2010 zeigen. Auch die zahlreichen Gäste des 7. Liedersommers werden es gerne bezeugen. Gerüchte drangen im Vorfeld an mein Ohr, es wäre der letzte Liedersommer in Altenhof. Aber Patti erzählte mir, dass sie nachfragte und einen völlig überraschten Veranstalter fand, der dies als Gerücht entlarvte.

Den Auftakt am Freitagabend zu dieser sehr interessanten und mittlerweile auch grandios besuchten Konzertreihe am Werbellinsee gab in diesem Jahr die wohl nun schon mehr als legendäre Gruppe "Bayon", welche in diesem Jahr - völlig zu Recht - den Weltmusikpreis "Ruth" für ihre Leistungen auf diesem Gebiet erhielt. Gegen 20.00 Uhr läuteten sie nicht nur die erste Musik, sondern auch einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Werbellinsee ein. Viele, die in den vorhergehenden Jahren diese Veranstaltungsreihe besuchten, werden sich fragen: Altenhofer Liedersommer und Sonnenuntergang? Ja, genauso war es. Kein Regen diesmal, jedenfalls nicht am Freitag. Es war ein richtig herrlicher Sommer-Sonnenschein, der sich zu den Klängen von "Bayon" in den Abend hinein verabschiedete. Darauf verwies auch der Organisator dieser einstens zusammen mit Wolfgang "Schubi" Schubert unter dem Titel "Klangprobe" ersonnenen Reihe, Günter Landmann, wohlweislich in seiner obligatorischen Eröffnungsansprache auf der kleinen wunderschönen Bühne hin. Eine Bühne, auf der schon auch größere Formationen immer wieder einen Platz fanden. So auch "Bayon".


Sonnenuntergang über dem Werbellinsee

Diese eröffneten den Abend mit ihrer "Suite Nr. 5", bestehend aus sieben Sätzen. Es ist ja nicht wirklich Klassik. Dafür ist das Stück, wenn auch schon recht "betagt", vielleicht noch ein wenig zu jung. Aber ein Klassiker ist es allemal. Und es klingt auch ein wenig wie ein klassisches Stück. Mit modernen Rhythmen und Elementen angereichert. Vollkommen faszinierend immer wieder das Cello von Sonny Thet und das Gitarrenspiel von Christoph Theusner. Wie auch die Improvisationen aller Musiker. Ein wundervoll komponiertes Stück. Und natürlich alles mit viel Beifall versehen für die einzelnen Instrumentaldarbietungen darinnen. Cello, Gitarre, die Percussions, das Piano, die Flöten. "Bayon" orchestriert mit wenigen Mitteln und sehr großer Musikalität. Und die Gruppe bedient nicht wirklich ein Genre, sondern ganz viele und mitunter zugleich. Sie nutzen alles, was sie für gut befinden an Klangmodellen und für ihre eigene musikalische vielfältige Kreativität als brauchbar erachten. Sie mischen Stilistiken wie Sprechweisen. Und erzählen so ihre eigenen Geschichten. Und geben diese Wanderung durch eben ihre Musik, auf der wir als Publikum sie begleiten dürfen, mit einer berauschenden Virtuosität wider. Und jeder, der zuhören darf, darf sich wiederum daraus seine eigene Geschichte bauen, seine eigenen Gedanken wandern lassen und seine Seele baumeln.

Die "Suite Nr. 5" war aber "nur" der erste Teil dieses Konzerts. Nach einer zehnminütigen Pause und nun bereits angebrochener Dunkelheit, erleuchtet von einem mittlerweile entzündetem Lagerfeuer auf dem Gelände setzte "Bayon" das Konzert mit mehreren kleinen Stücken aus ihrem Repertoire fort. In der Pause unterhielt ich mich mit einer jungen Frau, welche als Volontärin bei "Märkischen Oderzeitung" arbeitet und ebenfalls über diesen Abend schrieb. Auch sie war absolut angetan von "Bayon" und ich freute mich über die Alterlosigkeit der Zuhörerschaft.

"Capriccio" ein Stück von Denis Stilke, dem "Bayon"-Schlagzeuger, der wiederum der Sohn des ersten "Bayon"-Schlagzeugers ist, eröffnete den zweiten Konzert-Teil. Der fortgesetzt wurde mit einer "Reise nach Angkor Wat" (wo sich auch der Bayon-Tempel befindet, nach dem sich sicherlich die Gruppe benannte). Sonny Thet spielte bereits im vergangenen Jahr in Altenhof zum Liedersommer, da jedoch solo. Und nun zogen wir nach Angkor Wat, ein wenig dorthin, wo Sonny Thet herkommt mit einigen Weggefährten mehr als im Vorjahr durch die vorgestellte landschaftliche und musikalische Weite. Eben Hör-Musik und Fühl-Musik. Und wieder entstehen vor dem geistigen Auge ganz eigene Geschichten, wenn man sich ganz auf diese Musik einlässt. Manchmal können diese Geschichten auch ihre Bilder ändern, so wie Täume. So wie die Musik berührt. An den Percussions und Flöten konnte man Justo Gabriel Perez erleben, der ursprünglich aus Kuba stammt. Nicht unüberhörbar seine Herkunft. "Echos" nannte sich das nächste Stück. Eine verträumte musikalische Spielerei. Ganz nach der Fasson von "Bayon", einer musikalischen Familie, die, wie Christoph Theusner meinte, nicht totzukriegen ist. Reinmar Henschke (Bass & Piano) unterstützt dieses Projekt als "ständiger Gast". Er bereicherte es um sein Spiel auch an diesem Abend. Das nächste Stück war eine Komposition von Justo Gabriel Perez, der es selbst mit einem Querflötenspiel einleitete. Ein Stück voller lebendiger Fröhlichkeit. Abgelöst von "La Taverna". Wie der Name schon sagt, Musik aus der "spanischen Ecke". Sonny Thet spielte in diesem Titel nicht nur das Cello, sondern auch und dies nicht zum ersten Mal an diesem Abend, eine zweite Gitarre. Seit 38 Jahren spielt er nun schon mit Christoph Theusner zusammen. Zur "geplanten Zugabe", wie Christoph Theusner sich ausdrückte, bat er Isabell Hoop auf die Bühne, eine Verwandte von ihm. Ich hatte mich schon eine ganze Weile gefragt, wann das Saxophon, welches auf der Bühne stand, zum Einsatz käme und wer von den Musikern es spielen würde. Die Antwort kam jetzt und lag vollkommen außerhalb all meiner Spekulationen diesbezüglich. Noch eine und sehr überraschende Bereicherung. Als "ungeplante Zugabe" spielte "Bayon" die "Baccarole" aus ihrer "Suite Nr. 4". Und verabschiedete sich mit diesem anmutigen Werk von ihrem begeisterten und von dieser wundervollen Musik beseelten Publikum.
Phantastisch!





Fotoimpressionen:


Christoph Theusner





Reinmar Henschke



Altenhofer Liedersommer



Marcus Schloussen und René Wiggers



Marcus Schloussen und Christian Haase von hinten



Bootshaus am Breten



Isabell Hoop zu Gast bei Bayon




Isabell Hoop

Sonny Thet