APFELTRAUM UNPLUGGED live am
31.10.2008 in Bad Muskau




Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann




Gestern wandelten Lissi und ich mal wieder auf den Pfaden des Ostrock. Unser Weg führte uns in das kleine Städtchen Bad Muskau an der polnischen Grenze. Ungefähr 200 Meter von der Grenze entfernt gibt es eine kleine Kneipe namens "Zur Kugel". Ich mag solche Lokale und ganz besonders mag ich sie, wenn es dort gute Livemusik gibt. Jens Kurze (auch als Toms Daddy bekannt) und Matthias Richter waren gestern mit ihrem Programm "Apfeltraum unplugged" in der Kugel zu Gast. An diesem Ort lernten sich Jens und Matti übrigens bei einem Konzert von Hans die Geige und Toms Daddy vor einem Jahr erstmals persönlich kennen. Aus diesem ersten Beschnuppern der beiden wurde dann mehr. Am 29.03.2008 bestritten sie das Vorprogramm beim Konzert von IC Falkenberg in Niesky und traten da erstmals gemeinsam als "Apfeltraum unplugged" auf.
Wir freuten uns also darauf, die beiden endlich wieder zu treffen und ihren Auftritt in Bad Muskau zu erleben. Wie fast immer waren wir sehr zeitig am Ort des Geschehens. Die beiden Musiker waren gerade dabei ihre Instrumente und die kleine Anlage abzustimmen. Als Jens uns sah, begrüßte er uns gleich mit einem ganz speziell auf Lissi und mich gereimten Ständchen. Anschließend war noch reichlich Zeit gemeinsam zu plaudern und Neuigkeiten auszutauschen. Inzwischen füllte sich die kleine Gaststätte mit weiteren Gästen, die das Konzert und die anschliessende Party erleben wollten. Mit dem RENFT-Klassiker "Ich bau euch ein Lied" begann dann der musikalische Teil des Abends. Bei Apfeltraum unplugged ist der Name eigentlich Programm, denn Matti und Jens interpretieren hier auf ihre Weise gemeinsam Lieder, die im Osten entstanden sind und viele von uns seit unserer Jugend begleiten. Mit ihren beiden Gitarren und ihren beiden Gesangsstimmen entführten uns die beiden also in unsere eigene Vergangenheit. Mit diesen Liedern sind Erinnerungen verbunden, zum Beispiel an den ersten Diskobesuch oder an die erste Liebe.
Da vor mir auf der Bühne agierten zwei Musiker mit Herzblut und menschlicher Wärme, denen es damals genauso oder ähnlich ging, wie einem selbst. Man spürt jede Sekunde, dass Matti und Jens diese Lieder lieben. Außerdem tut es gut zu sehen, dass sich da zwei gleichberechtigte Musiker gefunden haben. Sie wechseln sich nicht nur beim Gesang ab, sondern auch bei den Gitarrenparts. Sie lassen sich gegenseitig genug Freiraum und spielen wirklich miteinander. Da werden Blicke getauscht, da gibt es entsprechende Gesten und auch mal die eine oder andere humorvolle Bemerkung.
Jens erzählte in seinen Ansagen zu den Titeln kleine Anekdoten und Geschichten, die informativ, amüsant und witzig waren. Aber auch besinnliche Momente kamen nicht zu kurz. So erinnerte Jens mit sehr persönlichen Worten an den kürzlich verstorbenen Musiker "Cäsar" Peter Gläser. Natürlich spielten Jens und Matti mit "Der Apfeltraum" und "Mc Donald" auch Lieder, die wir oft und gerne von Cäsar gehört hatten. Der zweistimmige Gesang des Refrains beim Apfeltraum hat mir besonders gut gefallen. Die beiden Jungs kramten in Bad Muskau wieder tief in der Schatzkiste des Ostrock und förderten da so manches Schmuckstück zu Tage. Fast vergessen hatte ich zum Beispiel die Thomas Natschinski-Komposition "Lied von den Träumen" aus dem Jahr 1966. Das Lied mit einem Text von Hartmut König wurde seinerzeit von der Gruppe Team 4 eingespielt. Aus Team 4 wurde um das Jahr 1968 dann Thomas Natschinski & Gruppe.
Partystimmung pur kam bei "Komm doch mit (zu 'nem Ritt auf dem Sofa)" von Amor und die Kids auf. Den Refrain hatten die meisten Anwesenden noch drauf und das war deutlich zu hören. Die beiden Protagonisten im Rampenlicht hatten ihre helle Freude daran. Das war ganz deutlich am lausbubenhaften Lächeln von Jens zu sehen. Auch ein defektes Kabel konnte die Musiker nicht aus der Ruhe bringen. Flink wurde der Schaden behoben und schon ging es weiter im Programm. Mit "Oh, oh Otto" von der Gruppe Magdeburg hatte ich an diesem Abend auch nicht gerechnet. "Apfeltraum unplugged" ist eben immer für eine Überraschung gut. Auch "Märchenzeit" von Karat und "Wenn Träume sterben" von den PUHDYS sowie Gotte Gottschalks "Wenn ich auf dem Rücken lieg" kamen beim Publikum hervorragend an. Nach ca. einer Stunde beendeten die beiden den "Apfeltraum unplugged"-Teil des Abends. Doch Feierabend war noch lange nicht, denn jetzt spielten Jens und Matti abwechselnd solo zur Party auf. Auch da erklang noch so mancher Hit aus dem Osten, von der "Jugendliebe" bis zu electras "Nie zuvor".
Ein absoluten Glanzpunkt setzte Jens noch, in dem er Frank Schöbels Version "Schreib es mir in den Sand" des Omega-Klassikers "Gyöngyhaju Lany" ("Mädchen mit dem Perlenhaar") sang, und den letzten Refrain sogar in ungarisch gesungen. Von solch schönen Abenden kann unsereiner nie genug bekommen und ich hoffe, dass es am selben Ort im nächsten Jahr eine Fortsetzung der Veranstaltung geben wird.




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