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Viel gehört und lang drauf gefreut... heute war es endlich soweit, der Haupttag des 7. Altenhofer Liedersommers stand an, mit Musik und Musikern, die sehr unterschiedlich sind, aber die ich allesamt sehr schätze und immer wieder gern erlebe und neu höre, im wahrsten Sinne des Wortes. UNBEKANNT VERZOGEN, Tino Eisbrenner und Christian Haase mit Band, was für eine Vorfreude verursachende Zusammenstellung. Also, wie immer im Anreisestress kamen wir am Werbellinsee an, und fast augenblicklich fiel nach erfolgreichem Zeltaufbau sämtliche Anspannung ab, und wir ließen uns auf den Abend ein. Die Bühne, direkt am See an einem Bootshaus wunderschön gelegen, grüßte mit nem genialen Sonnenuntergang und wir waren bereit. Zuerst für UNBEKANNT VERZOGEN, die den Abend eröffneten. Berliner Band, nicht mehr unbekannt aber auch noch keinem breiteren Publikum bekannt, fest verwurzelt in bester ostdeutscher Musiktradition, diese aber nicht kopierend oder reanimierend, sondern neu gestaltend, im Spannungsfeld zwischen Gundermann und Renft, was ja schon mal ein ziemlicher Spagat ist. Da kommen warme, nachdenkliche Songs an einen ran und lassen einen nicht mehr los. Bleiben im Kopf. Mit „Vergrabene Träume“ startete das Konzert, in einer neuen Version wunderschön arrangiert, sozusagen ein Evergreen der Band, wenn man das schon so sagen darf, vom Publikum mit viel Freude und Applaus begrüßt. Schloussen beherrschte die Hinterbühne, Johnny voll konzentriert und Patti wunderbar präsent. Apropos Besetzung, UV das sind:
Axel Gitarre Jonny Keyboards Gerry Schlagzeug und Marcus Bass Danach dann „Nachtvögelin“. Ach, ich liebe diesen Song, eindringlich, einen öffnend, mitnehmend, Gänsehaut... so wie immer... Diese Musik transportiert so 'ne Mischung aus Gefühl, Inhalt und Rhythmus, treibend und getrieben, schwer zu beschreiben, dass muss man hören. So wie bei „Flos Geburtstag“, auch neu arrangiert. Dieser Song wird immer tiefer, in einen eindringend, drinnen berührend. Und dann - erst mal Stromausfall - kein Ton mehr und die Bühne dunkel. „Konjunktiv“ unterbrochen und Haase verteilt erst mal Wartebierchen an die stromlose Band. Nach kurzer Pause ging's weiter, der Stimmung tat es keinen Abbruch und „Wenn nur einer fliegt“ setzte den nächsten Höhepunkt, Patti und Jonny im Duett, immer wieder geil dieses Lied zu hören, Melancholie in Perfektion. Dazu dieser Platz, diese kleine Bühne am See, Atmosphäre pur, in die Abendstimmung hinein, ein perfekter Ort für diese Musik. Das „Dritte Glas“, hey dieser Song wird auch immer besser, der ist mittlerweile nahezu perfekt, ich wage es mal zu schreiben, obwohl es ein bisschen platt ist, hier treffen die verschiedenen Stile der siebziger auf heute und das ist geil. Die erste Zugabe nach der Verleihung der verdienten Brunhilde, dem Liedermacherpreis, war „Gelber Mond“, gefolgt von den „Piratenbräuten“, das Publikum lässt nicht locker und UNBEKANNT VERZOGEN stellt einmal mehr unter Beweis, dass sie auch locker und lebhaft sein können. Spielfreude pur. Die Bühne füllt sich, ein Herrenchor, angeführt von Christian Haase, komplettiert dieses Grande Finale und der Auftritt der Band findet seinen rauschenden Abschluss. Danach kurze Umbaupause, überbrückt von Arne, der schon beinah traditionell durch die Unterbrechungen slammt, kann man mögen oder auch nicht, seine „Gespräche mit Gott“ sind schon ziemlich gut. Tino Eisbrenner und Andre Drechsler im Duett setzten den Abend fort, vor grad mal drei Wochen hatten wir ja eben erst von ihnen berichtet (siehe HIER), schön, ihnen hier wieder zu begegnen. Cati hat sich mittlerweile echt für ihn begeistert, ja es gab auch Mädels im späten Osten, die ihn nicht so auf dem Bildschirm hatten. Schön auch die Beiden nach Jahren mal wieder in dieser Konstellation zu hören und zwar live, lang ist es her, im Turm zu Königs Wusterhausen, da hab ich sie vor langer Zeit für mich entdeckt. Ein bisschen schaumgebremst heut' zwar, aber das improvisieren, das liebt er der Herr Eisbrenner, das hat er einfach drauf. „Eisernes Reich“ setzt den ersten Höhepunkt, hatt ich das nicht schon vor 3 Wochen als hitverdächtig beschrieben? Ist es jedenfalls... Kaum zu glauben, dass die Beiden schon seit beinah 30 Jahren zusammen spielen (und Sting lieben) „Message in a Bottle“, hey, das haben sie schon 1981 zusammen gespielt... Mit „Hunters Lullaby“ von Leonard Cohen, sehr schön ins Deutsche übertragen, schwebt dann auch Gundi wieder vom See aus ein, der sowieso schon über die ganze Veranstaltung wacht. Und sie mit Sicherheit gut geheissen hätte. Weiter geht's Schlag auf Schlag, „Ich beobachte Dich“ (Ja, ich kann's noch hören) und „Fragile“, was für ne schöne Version. Ein bisschen schade ist es, dass vor der Bühne so wenig Raum zum Bewegen ist, na ja, der Platz gibt es wohl leider nicht her. Ein paar weniger Sitzbänke würden da allerdings schon Abhilfe schaffen. Wiewohl dass wahrscheinlich nicht zu „Klein DDArien“, wie Tino Orte, an die Musiker kommen, von denen man nicht mal ahnt, dass es sie gibt, respektive Altenhof, nennt und dem Sitzbedürfnis des, teilweise sehr betagten, Publikums passen würde. Die Zeit vergeht mal wieder wie im Flug, und mit der ersten Zugabe „I'm on Fire“ vom Boss auf Deutsch schwebt der Gundi wieder ein, also der hätt' wirklich seinen Spass an dem Abend gehabt.
Inklusive nicht leuchtender LED-Duschköpfe und Todeslisten vom Bären, Haase mit Zwischentexten und Songs, die einem mitten rein gehen. Besser hab ich ihn und die Band nie erlebt, die sind richtig gut drauf grad und jedem zum Konzertbesuch empfohlen. Tina Powileit an den Drums, Daniela Schwabe am Bass, René Schostak an der Gitarre und der Herr selbst haben so ein Fass aufgemacht... Leck mich am Arsch, Du gute Fee... Auch der Geburtstag von René wurde Schlag Zwölf noch gebührend begangen, das Publikum fängt an sich trotz der Enge zu bewegen und alle sind „Mittendrin“. Sozusagen Nimmersatt vom Leben. Und Haase am Kulki, hey, da bin ich auch nachts lang gezogen, paar Jahre früher zwar, aber genau so, der ersten Liebe hinterher... Nahe, sehr nahe... Tina ist nach wie vor in Bestform, ach ich liebe dieses feste, treibende Schlagzeug, diese Kraft... „Weisse Wolke“, genial, dazu gibt's nicht mehr viel zu sagen, einfach nur gut... Haase macht das Publikum jetzt auch immer agiler, „Einsamer Mond“ treibt, hey, volle Pulle Leben. Und in „Alte Schwerter“ ist so viel kraft drin... so viel Haase übrigens auch... ich hab doch nurn rostges schwert als verteidigung für haus und herd hab nen alten klappergaul aber immer noch ein großes maul ich werde weiter gegen windmühln zieh'n gegen hausdrachen und alltagsfliegen ich werde stets ein wandrer sein und an jedem ort zu hause sein An diesem Ort war man es, zu Hause für einen Abend, Danke an die Veranstalter und alle Beteiligten. „Lass Mich“, der Abschluss des Abends, schickt alle wieder in die Nacht hinaus, nicht alleine, sondern mit dem guten Gefühl, dabei zu sein. Immer wieder gern.
Bericht: Toralf Schneider Fotos: Catrin Herzfeld
Fotoimpressionen:
![]() UNBEKANNT VERZOGEN: ![]() ![]() ![]() Getränkeversorgung der Musiker während des Stromausfalls durch Christian Haase ![]() ![]() ![]() Tino Eisbrenner & André Drechsler: ![]() ![]() ![]()
Christian Haase & Band:
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