Große Kunst für den guten Zweck ... Bericht: Matthias Ziegert, Christian Reder Fotos: Matthias & Sebastian Ziegert
Es gibt Veranstaltungen, die lassen sich einfach nicht mal eben so in einem Satz beschreiben. Und wenn man es denn müsste, würde zum "Konzert für Afghanistan" vom vergangenen Wochenende wohl auch nur ein Satz passen, der in etwa so lauten könnte: "Es war ein rauschendes Fest, das sich mit wenigen Worten nicht beschreiben lässt!" Der Satz reimt sich nicht nur, er trifft auch den Nagel auf den Kopf. Wie man es jetzt anstellt, es wäre nicht richtig. Hält man sich kurz, vergisst man sicher einige der vielen kleinen und besonderen Momente am vergangenen Samstag. Schreibt man ausführlich und der Bericht würde lang werden, liefe man Gefahr, dieses tolle Erlebnis zu "zerreden". Darum versuche ich, einen Weg zwischen beiden eben genannten Möglichkeiten zu finden... Über die Geschichte des "Konzerts für Afghanistan" muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Es war das nunmehr vierte dieser Art, dessen Wurzeln bei einer schlichten Geburtstagsfeier liegen. Vor Jahren begann der Journalist und Freund von Deutsche Mugge, Benjamin Weinkauf, damit, seinen Geburtstag in großer Runde zu feiern. Dabei suchte er sich eine geeignete Lokalität in Leipzig, seiner Heimatstadt, aus, und lud sich Leute ein. Darunter auch viele Musiker, über die Weinkauf in seiner Tätigkeit als Journalist nicht selten auch schon schrieb. Im Verlauf des Abends ergriff dann der eine oder andere Gast die Gelegenheit, Herrn W. aus L. ein Ständchen zu bringen. Und genau hier entstand die Idee, den eigenen Geburtstag so zu feiern, dass am Ende des Tages ein kleiner Geldbetrag steht, den man dem guten Zweck zuführen kann. Gut, das ist jetzt recht schnell und knapp umrissen, wie es zu dieser Konzertreihe kam, aber so war das halt... damals... in Leipzig.
Um genau 20:15 Uhr startete der "musikalische Dampfer" in ein über vierstündiges Programm. Der Anker war gut gefüllt, das Publikum gespannt und gut gelaunt und die Künstler des Abends nicht weniger neugierig auf das, was in den nächsten Stunden passieren würde. Der rote Faden des Abends war der, dass die Künstler auf der Bühne ihre eigenen Hits und Coverversionen von Klassikern zum Besten gaben. Manche Titel wurden auch im Duett gesungen, und manch ein Sänger hatte da eine Band im Rücken, mit der er vorher noch nie zusammen gespielt hatte und das wahrscheinlich auch nach dem Konzert nicht wieder tun wird. Eins kann an dieser Stelle schon verraten werden: Man merkte es an keiner Stelle, dass hier Musiker aus verschiedenen Bands und Projekten gemeinsam spielten. Die Spielfreude. der Spaß dabei zu sein und natürlich auch das eigene große Talent eines jeden musizierenden Protagonisten sorgten für einen reibungslosen Ablauf und auch dafür, dass alles fehlerfrei über die Bühne ging. Das Leipziger Publikum dankte es mit sehr viel Beifall. Den Anfang machte ein Künstler, der als der deutsche Bruce Springsteen gilt (zumindest erfuhr ich es am Rande, dass man ihn so nennt). Sein Name ist Markus Siebert, und er legte mit den Songs "Beweg Dich!" und "Europa" einen tollen Auftritt hin. Zuletzt genannter Song ist übrigens eine Springsteen-Komposition mit einem Text von Gerhard Gundermann. Sehr beeindruckend, was der junge Mann da musikalisch über die Rampe ins Publikum schubste. Ihm folgten Sascha Gutzeit, Frizz Feick und Sebastian Krumbiegel, die alle mit je einem Song die Stimmung weiter aufheizten. Anschließend betrat erstmals der Hamburger Sänger Stefan Gwildis die Bühne, der mit dem Song "Wem bringt das was" eine Marvin Gaye-Komposition mit deutschem Text vortrug.
Für mich persönlich war die nun folgende "Rock'n'Roll-Runde" ein echtes Highlight. Mehrere Gesangssolisten spielten mit einer Band Klassiker der Rock- und Soul-Geschichte. Und wenn von "Soul" die Rede ist, darf Stefan Gwildis nicht fehlen! Dieser erschien nach der ersten, von Dirk Zöllner gesungnen Strophe des im Original von Otis Redding stammenden Stücks "Sittin' On The Docks Of The Bay", auf der Bühne, und sang das Lied mit seinem deutschen Text ("Mitten vor'm Dock Nr. 10") dann im Wechsel mit Dirk im Duett weiter. Diesem Stück ließ Gwildis das Lied "Lass mich nicht allein heut' Nacht" folgen, das im Original von John Hiatt stammt. Volly Tanner ließ Cäsar Peter Gläsers "Mein Bruder Blues" wieder aufleben - ich glaube ich muss nicht extra erwähnen, dass dieses Stück besonderen Beifall erhielt - und Sebastian Krumbiegel überzeugte auf ganzer Linie mit seinen Versionen von Rio Reisers "Junimond" und "My Generation" von THE WHO. Den Abschluss der Rock'n Roll-Runde bildeten Sascha Gutzeit mit einem Stück und die Gruppe THE BUT mit drei Songs. Dieser Block hatte es wirklich in sich, und der Schweiß tropfte am Ende nicht nur auf der Bühne! Lässt sich sowas noch toppen? Ja, denn jetzt kam der Auftritt von Julia Neigel. Die Sängerin war nicht nur ein optischer Höhepunkt, sondern auch stimmlich eine Klasse für sich. Die Musiker, die Julia begleiteten, feuerten richtig ab und hauchten ihren vier für den Samstagabend vorgesehenen Titeln mit viel Druck und Spielfreude Leben ein. Nicht nur das Publikum war davon begeistert, auch die Sängerin selbst, denn sie hatten gerademal am Tag des Konzerts gegen 12:00 Uhr mittags Zeit für eine kurze gemeinsame Probe. Mehr war nicht drin. Unglaublich, was trotz dieser kurzen Probe über die Rampe kam... Die Stimmung vor der Bühne kochte, nachdem Julia ihre Songs "Der perfekte Tag" und "Teufel" von ihrer aktuellen CD "Neigelneu" zum Vortrag brachte. Eine Steigerung erfuhr der Auftritt dann mit zwei Klassikern aus ihrer Feder. Julia sang den Song "Siehst Du die Sonne", den man wohl eher in der Version von Peter Maffay kennt. Der Text dieses Stücks stammt von Julia selbst, und sie nahm sich am Samstag die Freiheit, dem Publikum das Stück auf ihre Art zu präsentieren. Danach setzte sie ihrem Auftritt mit einer knackigen und mitreißenden Version ihres Hits "Schatten an der Wand" die Krone auf. Was für eine Frau, was für eine Musik. Unglaublich, das muss man einfach erlebt haben. Dieser Auftritt mit nur vier Songs macht mich echt neugierig auf ihre Tournee im kommenden Jahr. Bei dieser Tour ist übrigens haase&band im Vorprogramm zu sehen und hören...
Wie ich eingangs schon schrieb, ist es schwer, einen solchen Abend umfassend und vollständig in einen Bericht zu packen. Gerade, als ich die Zugabe von Kati Huhn erwähnte, ist mir aufgefallen, dass ich z.B. ihre souveräne Moderation des Abends noch gar nicht erwähnt habe. Frau Huhn führte locker und fröhlich durch den Abend, und gehört inzwischen ja auch selbst schon zum Stammpersonal der Afghanistan-Konzerte. Auch die drei Stücke aus der Albrecht-Haushofer-Hommage der Liedertour ("Wandlung", "Dem Ende zu" und "Untergang") habe ich vergessen zu erwähnen. Es ist wahrlich eine undankbare Aufgabe, über so ein Event zu berichten, das so vollgepackt und mit so großartigen Namen bestückt ist, wie dieses. Man kann dabei einfach nicht alles in seinem Bericht berücksichtigen. Wer auch immer in unserem Beitrag nicht namentlich erwähnt wurde, möge es uns verzeihen. Der Erfolg dieser Veranstaltung ist aber jedem einzelnen zu verdanken, der mit seinem Dazutun dafür gesorgt hat, dass das 4. Konzert für Afghanistan so reibungslos über die Bühne ging. Das geht bei den Brüdern Weinkauf los, setzt sich bei den Technikern und dem Personal im "Anker" fort und endet bei den Musikern, die ein über vierstündiges Programm gespielt und gesungen haben, das es in der Form wohl nie wieder geben wird. Zu einem richtigen Leckerbissen hätte es vielleicht noch kommen können, wenn die drei Herren, die wegen einer anderen Veranstaltung ebenfalls in Leipzig weilten und leider erst nach dem "Schlusspfiff" im "Anker" eintrafen, nur einen Hauch eher erschienen wären. Wie uns Benjamin Weinkauf erzählte, trafen zu später Stunde noch Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek von der Gruppe SILLY ein. Aber wer weiß... Vielleicht stehen sie ja schon im nächsten Jahr, wenn die 5. Ausgabe des Konzerts für Afghanistan stattfinden wird, auf und nicht nur vor der Bühne. Als Abschluss dieses Berichts bleibt mir nur noch die schöne Aufgabe übrig, einen neuen Spendenrekord zu verkünden: Der Erlös des Abends beläuft sich auf exakt 4155,00 Euro, die an der Abendkasse und durch das Sammeln der Musiker im Publikum während des Konzerts zusammengetragen wurden. Vielen Dank Euch allen, die Ihr das möglich gemacht habt! Bitte beachtet auch: - off. Homepage zur Veranstaltungsreihe: www.konzert-fuer-afghanistan.de hier gibt's in den nächsten Tagen auch Videos vom Abend!!!
Live-Impressionen:
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